T-Mobile

Bonner Gestaltwandler

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Der Telekom könnte das Fusionsvorhaben in den USA glücken. Das würde den deutschen Konzern massiv verändern. Die Analyse.

Nummer 2 ist umgekippt. Der US-Bundesstaat Colorado hat seine Klage gegen die geplante Fusion von T-Mobile US und Sprint zurückgezogen. Von „großartigen Neuigkeiten“ war via Twitter von John Legere, Chef der Telekom-Tochter, zu hören. Die Verantwortlichen in Colorado hätten erkannt, dass mit dem Zusammenschluss Jobs geschaffen würden und die superschnelle 5G-Mobilfunktechnik auch in ländliche Gebiete gebracht werde. Zuvor hatte schon Mississippi seinen Widerstand aufgegeben. Beobachter rechnen damit, dass weitere Rückzieher folgen werden. Noch klagen 15 Staaten gegen die Fusion. Im Dezember soll darüber vor Gericht verhandelt werden. Vielleicht kommt es gar nicht so weit.

Die Einsprüche stützen sich vor allem darauf, dass bei einer Fusion der Nummer drei (T-Mobile) mit der Nummer vier (Sprint) des US-Mobilfunkmarktes der Wettbewerb eingeschränkt werde und die Preise für die Kunden steigen würden. Für das Argument gebe es aber keine stichhaltigen Beweise, betonte gerade Robert McDowell, Ex-Mitglied der Entscheidungskommission in der Aufsichtsbehörde FCC, in einem Fernsehinterview. Zugleich bestehe die Chance, dass das neue Unternehmen die Netze zügig ausbaue. Legere hat denn auch entsprechend großzügige und kostspielige Versprechungen gemacht.

Die FCC und das Justizministerium haben längst ihr Okay für den Deal gegeben. Viele Analysten gehen davon aus, dass die 26-Milliarden-Dollar-Transaktion in den nächsten Wochen nach jahrelangem Hin und Her unter Dach und Fach kommt. Dann wird T-Mobile/Sprint mit seinen gut 130 Millionen Kunden zu den beiden Platzhirschen AT&T und Verizon aufschließen.

Und das wird zugleich massive Auswirkungen auf die Deutsche Telekom haben. Die Tochter wird zur dominierenden Division des Konzerns. Intern wird denn auch schon heftig diskutiert, wie der starke Ableger enger an die Mutter gebunden werden kann. Viele Mutmaßungen über ein Umkrempeln kursieren – sie werden jetzt noch zusätzlich durch eine Studie des Bankhauses Lampe befeuert. Die Analysten sind davon überzeugt, dass in der Bonner Zentrale an „weitreichenden Maßnahmen zum Umbau“ bereits gearbeitet wird. Hauptgrund: Die ohnehin schon üppige Verschuldung – Ende Juni waren es knapp 76 Milliarden Euro – wird mit der Fusion noch einmal massiv steigen. Eigentlich will der Vorstand aber die Höhe der Verbindlichkeiten im Verhältnis zum Gewinn aus der betrieblichen Tätigkeit nicht noch weiter steigern. Zugleich stehen aber gerade in den USA, aber auch hierzulande und bei den anderen europäischen Töchtern immense Investitionen in Netze an, die nur allmählich eine Steigerung der Profite bringen können.

Was liegt da näher, als Aktivitäten abzustoßen, die wenig Gewinn abwerfen? Das sind in erster Linie die Mobilfunker in Ost- und Südosteuropa sowie in den Niederlanden: Ein Dutzend Anbieter, die es in ihren Ländern nicht zum Marktführer geschafft haben. Unter Telekommunikations-Managern wird derzeit zudem viel über den Verkauf oder die Auslagerung von Mobilfunk-Sendeanlagen nachgedacht. Investoren zeigen großes Interesse, weil Masten und Funktürme langfristige und verlässliche Einnahmen garantieren. Schließlich könnte die Telekom noch viele Immobilien und Grundstücke verkaufen.

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