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Freute sich über die an sie gerichteten Begrüßungs-Worte: Die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde.

Europäische Zentralbank

Bonjour, Madame Lagarde

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Bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt in Frankfurt wird die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank von allen Seiten hofiert.

Ein erstauntes Raunen geht durch die Alte Oper: Dass der Frankfurter Bürgermeister und Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU) hervorragend englisch spricht, wissen viele Teilnehmer des European Banking Congress noch von seiner Eröffnungsrede im vergangenen Jahr. Dass der Politiker aber dazu noch fließend und nahezu akzentfrei französisch parliert, ist neu. Wohlgemerkt: Das Publikum ist auch anderes gewohnt. Wer schon einmal anderen - auch auf Bundesebene und international aktiven - Politikern auf diesem oder anderen Kongressen gelauscht hat, weiß, dass gute Fremdsprachenkenntnisse nicht unbedingt zu den herausragenden Stärken dieses Berufsstandes gehören.

Becker spricht am Freitag französisch, um den Stargast des Tages zu begrüßen. Beim Bankenkongress in der Alten Oper findet sich zwar jedes Jahr die Crème de la Crème der Finanzbranche sowie hochrangige Politiker ein. Doch in diesem Jahr sind die Blicke vor allem auf sie gerichtet: Christine Lagarde, die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB). Es ist ihr erster öffentlicher Auftritt seit ihrem Amtsantritt am 1. November.

Auch die Podiumsteilnehmer bemühen sich, Lagarde angemessen in Frankfurt willkommen zu heißen. Commerzbank-Chef Martin Zielke begrüßt Lagarde ebenfalls auf französisch. Das hört sich zwar nicht so schön an wie bei Becker – aber der Wille zählt ja bekanntlich auch. Und auch Deutsche-Bank-Chef Martin Sewing und BNP-Paribas-Chef Jean Lemierre binden „Madame Lagarde“ immer wieder in ihre Aussagen ein.

So viel Entgegenkommen kontert Lagarde ihrerseits mit einer Begrüßung des Publikums auf Deutsch. Nur um dann wieder auf Englisch zu versichern, dass sie im kommenden Jahr schon besser sprechen werde. Lagarde hat sich einen Deutschlehrer genommen, schließlich wird sie fortan viel Zeit am Main verbringen.

Wer allerdings am Freitag hofft, dass Lagarde Details einer neuen Geldpolitik preisgeben könnte, wird enttäuscht. Die 63-Jährige hält einen sehr grundsätzlichen Vortrag ohne Neuigkeitswert. Sie plädiert für ein politisch wie wirtschaftlich starkes Europa. Dafür sei es wichtig, die Binnennachfrage anzukurbeln; denn nur so würden Europas Unternehmen unabhängiger von globalen Entwicklungen. Europa - die zweitgrößte Wirtschaft der Welt - müsse nach außen „offen“ sein, aber nach innen „mehr Vertrauen in sich selbst“ haben, so die Französin.

Sie bekräftigt, dass sie die Geldpolitik der EZB nach ihrem Amtsantritt nun erst einmal einer strategischen Überprüfung unterziehe. „Wir werden kontinuierlich die Nebeneffekte unserer Geldpolitik beobachten“, versichert sie zudem. Dazu gehören etwa Negativzinsen auf Sparguthaben. Lagarde fordert aber auch die europäischen Politiker auf, mehr zu tun, um Wachstum zu fördern. „Die öffentlichen Investitionen in der Eurozone liegen unter Vorkrisenniveau“, klagt sie. Es sei dringend nötig, dass alle Länder mehr, etwa in Bildung oder Infrastruktur, investierten und auch Unternehmen mehr ausgäben.

Auch wenn das alles nicht neu ist, ordentlich Applaus erntet die sehr charismatisch auftretende Lagarde in der Alten Oper dennoch.

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