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Auf die Rüstungsgeschäfte der Deutschen Bank machten Demonstraten vor der Frankfurter Festhalle aufmerksam.
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Auf die Rüstungsgeschäfte der Deutschen Bank machten Demonstraten vor der Frankfurter Festhalle aufmerksam.

Deutsche Bank

Boni und Skandale

  • Nina Luttmer
    VonNina Luttmer
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Heftige Turbulenzen prägen die Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Frankfurter Festhalle: Da passten die Warnungen über ein nahendes Gewitter von Aufsichtsratschef Achleitner bestens ins Stimmungsbild. Auch Bankgegener waren vor Ort.

Um kurz nach 13 Uhr meldet sich der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner, außerplanmäßig zu Wort: „Der Deutsche Wetterdienst hat soeben eine Unwetterwarnung herausgegeben. Ab 15 Uhr werden Hagel und Starkregen erwartet“, teilt er den mehr als 4500 Aktionären der Bank mit, die sich am Donnerstag in der riesigen Festhalle der Frankfurter Messe zur Hauptversammlung der größten deutschen Bank eingefunden haben. Er sage das, damit jeder sich überlegen könne, wie und wann er nach Hause komme, erklärt Achleitner.

Doch die Warnung passt zur Stimmung im Raum. Das Unwetter über den Köpfen der Deutsche-Bank-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain zieht zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht erst heran, es hängt bereits über ihnen. Denn die Aktionäre sind unzufrieden und sie zeigen es auch. Und nicht nur die.

Bereits ab halb acht Uhr morgens haben sich Bankgegner vor der Frankfurter Messe versammelt. Die Vorwürfe, die etwa Aktivisten von WWF und „Aktion Aufschrei“, Attac und Urgewald mit vorgehaltenem Mikrofon vorbringen, sind vielfältig: So finanziere die Deutsche Bank die Atom- und Kohleindustrie, sie beteilige sich an der Zerstörung der Meere und Urwälder, sie unterstütze die Rüstungsbranche. Aktivisten fahren einen selbstgebauten Papp-Panzer vor, mit der Aufschrift „Waffenhandel ist ein Mord(s)geschäft“; Umweltschützer haben sich als Clownfische verkleidet um auf die Zerstörung des australischen Great Barrier Reef hinzuweisen (siehe nebenstehenden Text); die „Aschaffenburger Friedenstrommler“ unterstützen die Aktionen mit Getrommel.

Und auch in der Festhalle geht der Protest weiter. Co-Bankchef Jain schafft es gerade einmal, die Aktionäre zu begrüßen, da muss die Hauptversammlung schon kurz unterbrochen werden. Ein halbes Dutzend Blockupy-Aktivisten ist aufgesprungen, wirft Zettelchen: „Bei jeder Schweinerei ist die Deutsche Bank dabei“, rufen sie. Sicherheitsleute führen sie schließlich ab.

So lautstark wie die Blockupy-Mitglieder melden sich andere Aktionäre während der Versammlung nicht mehr zu Wort. Aber der Unmut der Bankeigentümer ist klar zu spüren. Während das Publikum den Ausführungen von Jain und Fitschen über die Erfolge der Bank, über die anstehende milliardenschwere Kapitalerhöhung und den Kulturwandel mit eisigem Schweigen folgt, brandet der Applaus immer dann auf, wenn Aktionäre in ihren Redebeiträgen das Handeln der Manager anzweifeln. Vor allem im Fokus: Die zahlreichen Skandale, wie die Manipulation von Referenzzinssätzen und umstrittene Hypothekengeschäfte, für die die Bank bereits Milliarden Euro für Strafen und Vergleiche zahlen musste.

„Eigentlich besteht eine Bank aus Bankgeschäft mit angeschlossener Rechtsabteilung. Unsere Deutsche Bank dagegen ist eher eine gigantische Rechtsabteilung mit angeschlossenem Bankgeschäft“, sagt Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, unter dem Applaus der Aktionäre. Und tatsächlich muss die Deutsche Bank zugeben: Sie befindet sich derzeit in etwa 1000 Rechtsstreitigkeiten mit einem Streitwert von mehr als jeweils 100 000 Euro, außerdem stecke sie in etwa 180 Verfahren mit Aufsichtsbehörden in der ganzen Welt. 350 Millionen Euro musste die Bank 2013 für Prozesskosten und Anwälte aufbringen.

„Alles mit Anstand“

„Gibt es irgendeinen Skandal in dieser Welt, in den die Deutsche Bank nicht verwickelt ist?“, fragt denn auch der Vorsitzende der Vereinigung institutioneller Privatanleger, Hans Martin-Buhlmann. Co-Bankchef Fitschen dagegen beteuert: „Alles was wir tun, wollen wir mit Anstand tun.“ Fast alle Redner kritisieren zudem die Erhöhung der Bonusgrenze, der die Aktionäre auf der Hauptversammlung zustimmen sollen. Ein neues EU-Gesetz sieht vor, dass der Bonus nur noch so hoch sein darf wie das Festgehalt; die Aktionäre können aber zustimmen, dass der Bonus auf das Doppelte ansteigen darf. Die Bank begründet den Plan auch damit, dass sie sonst gutes Personal verlieren würde.

„Dafür haben wir kein Verständnis. Wenn einige Investmentbanker den Hals nicht voll bekommen, dann lassen Sie sie ziehen, Herr Jain“, fordert Nieding. Genau das seien nämlich die Mitarbeiter, die auch im täglichen Geschäft den Hals nicht voll bekämen und zu hohe Risiken eingingen. Die anfängliche Warnung von Chefkontrolleur Achleitner zeigt gegen 14.30 Uhr Wirkung: Zwar stehen noch mehr als 40 Aktionäre auf der Rednerliste, doch die Festhalle leert sich bereits. Die Bankeigner scheinen vor dem angekündigten Unwetter zu flüchten. Vielleicht sind sie aber auch einfach sattgegessen und müde: Denn die Bank hat ihren Aktionären auf der Hauptversammlung insgesamt 11.000 Brezeln und halbe belegte Brötchen, über 5000 Paar Wiener Würstchen und 12.000 Stück Blechkuchen vorgesetzt.

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