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Stephan Börnecke ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.

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Die böse EU

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In Österreich ist Gentechnikfreiheit Regierungsdoktrin. In Deutschland hingegen ist Herumlavieren angesagt. Von Stephan Börnecke

Fortuna soll uns beglücken und dem BASF-Konzern zu einem ersten Erfolg bei der Gentechnik verhelfen: Die gentechnisch veränderte Kartoffel, der, anders als sonst üblich, immerhin kein artfremdes Gen eingeschleust wurde, die stattdessen mit Hilfe von Genen der Wildkartoffel gegen Pilze immunisiert wurde, soll Pommes liefern. Aber: Gibt es dafür überhaupt einen Markt? Auch jüngste Umfragen bestätigen: Mehr als drei Viertel der deutschen Verbraucher wollen keine Gentechnik auf dem Teller. Also auch keine Fortuna.

Die Lebenbsmittelhersteller haben das verstanden: Akribisch sind sie bemüht, sogar Spuren von Gen-Soja aus ihren Produkten herauszuhalten. Denn das belegen die Analysen der Behörden: Trotz des weltweit immer noch wachsenden Anbaus dieser Pflanzen nimmt die Zahl der gefundenen Verunreinigungen in deutschen Lebensmitteln seit einigen Jahren ab. Das ist sehr erfreulich.

Doch die Gentechnik aus dem Essen auf Dauer herauszuhalten, wird umso schwieriger, wie die Agrarmultis nicht müde werden, stets neue Spielarten ihrer Labortechnik auf den Markt zu werfen. Dagegen hilft vermutlich auf Dauer nur die Schaffung möglichst vieler und vor allem verbindlicher gentechnikfreier Regionen.

Die Politik hat uns aber immer erzählt: Dies scheitere am EU-Recht. Das Gutachten der Grünen belegt nun: Das ist falsch.

Auch der Blick nach Österreich zeigt: Die deutsche Regierungspolitik macht es sich zu einfach, wenn sie auf die ach so böse EU verweist. Zwar sind Versuche Oberösterreichs, das Bundesland in Gänze zur gentechnikfreien Region zu erklären, vom Europäischen Gerichtshof kassiert worden.

Dennoch sind Österreichs Bundesländer per se gentechnikfrei. Wie das geht? Die Verunreinigungsgrenze wurde dort mit 0,1 Prozent sehr niedrig angesetzt und die Haftungsregelung derart scharf formuliert, dass sich wegen der möglichen finanziellen Folgen kaum ein Bauer trauen dürfte, Gen-Mais zu säen. Womit konventionell und biologisch arbeitende Bauern geschützt sind. In Österreich ist Gentechnikfreiheit damit Regierungsdoktrin. In Deutschland hingegen ist Herumlavieren angesagt.

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