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Börsenstar Wirecard im Sinkflug

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Der Zahlungsdienstleister Wirecard erhöht die Gewinnprognose. Die Aktie ist dennoch Dax-Schlusslicht des Tages. Die Zweifler wollen nicht verstummen.

Seit Mitte September ist der Zahlungsdienstleister Wirecard im Dax und beschert dem wichtigsten deutschen Aktienindex seitdem eine eigene Dynamik. Nicht selten schwanken die Papiere des Dax-Neulings aus Aschheim bei München um ein Zehntel oder mehr, was für die Riege der 30 wichtigsten Aktiengesellschaften des Landes sehr ungewöhnlich ist. So gesehen sind die 7,5 Prozent, mit denen die Wirecard-Aktie am Mittwoch zeitweise ins Minus gerutscht ist, schon fast zu vernachlässigen. Der deutlichste Ausschlag eines Dax-Wertes war es an diesem Tag trotzdem und das, obwohl Konzernchef Markus Braun bei einem Zwischenbericht zum zweiten Mal in diesem Jahr die Gewinnprognose erhöhte.

Statt bisher geplanter 530 bis 560 Millionen Euro operativem Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen sollen es nun 550 bis 570 Millionen Euro bis Ende des Jahres werden. Das sei eine konservative Prognose, betonte Braun. Nach neun Monaten im Geschäftsjahr 2018 sind bereits knapp 400 Millionen Euro Gewinn aufgelaufen und damit über ein Drittel mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Umsätze sind noch stärker, um über 41 Prozent, auf 1,4 Milliarden Euro gewachsen, was sinkende Rendite bedeutet. 

Als Zahlungsabwickler hängt Wirecard direkt an der Konjunktur

Die seit Wochen verschärfte Berg- und Talfahrt der Aktie mit überwiegenden Ausschlägen nach unten erklärt das nur sehr bedingt. Vielmehr ist das Papier ein typischer Technologietitel und bei dieser Spezies geht es grundsätzlich aufregender zu. Zudem hängt Wirecard als Zahlungsabwickler direkt an der Konjunktur. Laufen die Geschäfte von Wirecard-Kunden aus den Bereichen Handel, Banken oder Fluggesellschaften, schwillt das abgewickelte Transaktionsvolumen an. In den ersten neun Monaten 2018 hat Wirecard gut 90 Milliarden Euro bewegt. Konjunkturängste lassen aber auch schnell Zweifel aufkommen.

Da kann Braun sagen, was er will. „Wir erwarten sowohl für das vierte Quartal 2018 als auch für das kommende Geschäftsjahr 2019 eine starke Beschleunigung des Geschäfts“, versicherte er am Mittwoch erneut. Der Aktie hat es nicht geholfen. Das gilt auch für zwei Studien, die jüngst von der Investmentbank Merril Lynch respektive dem Portal Finanz-Szene.de veröffentlicht wurden. Beide haben im Kern das Vertrauen des Markts in die Nachhaltigkeit des Wirecard-Wachstums angezweifelt und die Bedeutung der Firma als Zahlungsabwickler vor allem in Deutschland in Frage gestellt. 

Die Aschheimer haben postwendend dementiert und versichert, man unterhalte Geschäftsbeziehungen mit immerhin 18 der 100 größten Onlinehändler Deutschlands, sei also durchaus eine Größe in der eigenen Technologienische. Aber Zweifel begleiten den Aufsteiger hartnäckig. Früher wurden sogar die Bilanzen in Frage gestellt, was Braun stets dementiert hat. Der Dax-Aufstieg war insofern ein erheblicher Reputationsgewinn. 

Zum Verstummen gebracht hat das Unkenrufe nicht. Ein Grund für die jüngsten Abwärtstendenzen dürfte auch sein, dass das Papier vor der Aufnahme in den Dax enorm zugelegt hat. Die Erwartung so manches Aktienkäufers war dabei enorm hoch, erklären besonnene Gemüter. Aktuell notiert die Aktie bei rund 151 Euro, nachdem sie schon einmal an der 200 Euro-Schwelle gekratzt hatte. Seit Jahresbeginn bleibt aber immer noch ein Plus von rund 60 Prozent. Einen solchen Zuwachs kann bei weitem kein anderer Dax-Wert bieten.

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