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Die 737 Max 8 bleibt in Europa am Boden.

Flugverbot für 737 Max 8

Boeing soll zahlen

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Nach dem Startverbot für die 737 Max 8 drohen schon zu Ostern Verspätungen im Flugverkehr. Erste Fluggesellschaften fordern Entschädigung vom US-Flugzeugbauer.

Die Sperrung des europäischen Luftraums für die Boeing 737 Max 8 bringt in den nächsten Wochen für den Flugverkehr womöglich massive Beeinträchtigungen. „Mit dem Beginn der Sommerreisezeit kann das Flugverbot für die 737 Max 8 für die betroffenen Airlines zu einem sehr ernsten Problem werden“, sagte der Luftfahrtexperte Gerald Wissel am Mittwoch. Es bestehe die Gefahr, dass nicht ausreichend Maschinen zur Verfügung stünden, um Flugpläne zu erfüllen. Den Fluggesellschaften bliebe dann nichts anderes übrig, als Verbindungen zu streichen. „Im vergangenen Sommer konnten wir sehen, dass alle in Europa verfügbaren Flugzeuge in der Luft waren. Das könnte sich in diesem Jahr wiederholen. Der Ausfall von 737-Jets ließe sich dann auch nicht mehr durch das Anmieten von Flugzeugen inklusive Crews ausgleichen“, so der Geschäftsführer der Unternehmensberatung Airborne Consulting. Schon um Ostern herum könnte es kurzzeitig eng werden.

Nach dem Absturz von zwei Boeing-Maschinen hat die europäische Luftfahrtbehörde EASA eine Sperrung des kompletten Luftraums für Jets des Typs Max 8 und Max 9 bis auf weiteres verfügt. Das Verbot gelte als „Vorsichtsmaßnahme“. Vorher hatten bereits zahlreiche Länder weltweit Flugverbote erteilt. Die Sperrung des deutschen Luftraums gilt zunächst für drei Monate, also bis einschließlich 12. Juni. Sie kann aber bei neuen Erkenntnissen früher aufgehoben werden.

Lediglich die Behörden in Nordamerika stehen auf der Seite von Boeing. Die US-Luftfahrtbehörde bekräftigte abermals, dass es keinerlei stichhaltige Beweise gebe, die Flugverbote rechtfertigten. Boeing hat indes eingeräumt, dass ein automatisches Stabilisierungssystem fehlerhaft arbeiten kann und dass es dafür ein Software-Update geben soll.

Die Flugschreiber der am Sonntag in Äthiopien verunglückten Boeing 737 Max 8 sollen zur Analyse nach Europa geschickt werden. Dies teilte Ethiopian Airlines am Mittwoch mit. Um welches Land es sich handele, wurde nicht gesagt. Die Flugschreiber zeichnen den Sprechfunk und alle Flugdaten auf, sie können deshalb für die Klärung der Unglücksursache entscheidend sein. Beobachter werten die Entscheidung als Misstrauensvotum gegenüber Boeing und den US-Behörden – Flugschreiber werden in der Regel in das Land des Flugzeugherstellers geschickt.

In Europa können nach Wissels Einschätzung die Fluggesellschaften den Wegfall der Mittelstreckenmaschine von Boeing kurzfristig einigermaßen wegstecken. Denn einerseits habe die Reisesaison noch nicht begonnen. Das bedeutet, dass es Überkapazitäten bei Flugzeugen gibt. Diese könnten den Ausfall der 737 Max kompensieren. „Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, geplante Wartungen anderer Maschinen zu verschieben, um sie als Ersatz für das Flugzeug von Boeing einzusetzen“, so der Luftfahrtexperte. Zudem könnten Jets plus Crews angemietet werden. Das vorübergehende Stilllegen von Fliegern geht aber ins Geld. So müsse man mit geschätzten Kosten in Höhe von 250 000 Euro monatlich für Leasing und Crew einer Maschine rechnen, wenn sie nicht genutzt wird, so Wissel.

Fluggesellschaften des Reisekonzerns Tui setzen bislang 15 Maschinen vom Typ 737 Max 8 in Großbritannien und den Benelux-Staaten ein. Sie sollen kurzfristig durch Chartermaschinen ersetzt werden. „Für Deutschland ist das Thema ja irrelevant, weil wir hier noch keine Maschinen dieses Typs haben – in den anderen Ländern werden wir jedoch die Kapazitäten anpassen müssen“, sagte ein Tui-Sprecher. Zu möglichen Schadenersatzforderungen gegen Boeing wollte er sich zunächst nicht äußern.

Die Fluggesellschaft Norwegian will hingegen Entschädigungen durchsetzen. Es sei offensichtlich, dass die Kosten, die durch das vorübergehende Startverbot für brandneue Flugzeuge entstünden, von denjenigen getragen werden müssten, die diese Maschinen hergestellt hätten, sagte ein Sprecher. Norwegian versuche, die Ausfälle mit anderen Flugzeugen und Umbuchungen aufzufangen. 18 Maschinen der Airline müssen auf unbestimmte Zeit am Boden bleiben.

Wissel betont derweil: Fluggesellschaften weltweit seien langfristig daran interessiert, dass Boeing die 737 Max 8 weiter vermarkten kann. Schon allein, um den Wettbewerb zu sichern. „Airbus bietet mit seiner A320-Familie die einzige Alternative zur 737 an. Dabei muss man auch beachten, dass die Nachfrage nach den neuen, sparsamen Mittelstreckenmaschinen gigantisch ist. Sie könnte von nur einem Anbieter nicht ansatzweise befriedigt werden“, so der Luftfahrtexperte.

Laut US-Medienberichten soll es ein Telefonat zwischen Boeing-Chef Dennis Muilenberg und US-Präsident Donald Trump gegeben haben, in dem sich der Manager gegen ein Startverbot für die 737 Max ausgesprochen haben soll. Flugbegleiter und unter anderem Politiker der Demokratischen Partei kritisieren hingegen vehement die behördliche Bestätigung der Flugtauglichkeit. Auch für Wissel spricht einiges dafür, dass US-Behörden mit ihrer wohlwollenden Haltung das mächtige Unternehmen schützen wollen. Er fügt hinzu: „Und bei den Flugverboten in Europa und China kann man mutmaßen, dass da auch politische Erwägungen im Kontext der Handelskonflikte mit den USA eine Rolle spielen.“

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