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Probleme mit dem Flügel: eine Boeing des Typs 737 Max.

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Boeing hat ernste Probleme mit den Tragflächen

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Die Pannenserie beim amerikanischen Flugzeugbauer reisst nicht ab: Boeing verbaute fehlerhafte Teile in Jets. Die Luftaufsicht ordnet den Austausch an.

Die Pannenserie bei Boeing reißt nicht ab. Jetzt muss der US-Flugzeugbauer auch noch einräumen, dass an den Tragflächen von Mittelstreckenmaschinen des Typs 737 fehlerhafte Teile verbaut wurden – während noch immer an einer neuen Software für das Stabilisierungssystem für 737-Modelle gearbeitet wird. Die Mängel bringen nicht nur Boeing, sondern die gesamte Luftfahrtbranche in zunehmende Bedrängnis.

Die 737 ist das Arbeitspferd der globalen Luftfahrt. Doch jetzt müssen die Flügel von 312 Maschinen untersucht werden, um Schäden während des Flugs zu verhindern. Die US-Luftfahrtaufsicht FAA teilte am Sonntagabend mit, dass ein Zulieferer von Boeing Teile geliefert habe, die die Anforderungen an Festigkeit und Haltbarkeit nicht erfüllten. Es handelt sich um insgesamt 148 verschiedene Komponenten für Leading Edge Slats. Das ist eine Konstruktion an der Vorderkante des Flügel, die von Piloten beim Starten, Laden und bei Manövern während des Fluges ausgefahren wird, um die Maschine zu stabilisieren.

Die Mängel-Teile wurden weltweit bei 133 Jets der älteren Baureihe Next Generation und bei 179 Flugzeugen des neuesten Typs Max verbaut. Die Max-Flieger stehen derzeit ohnehin wegen eines weltweiten Flugverbots am Boden, das seit Mitte März gilt. Zuvor waren zwei Flieger kurz nach dem Start abgestürzt, weil es Probleme mit dem automatischen Stabilisierungssystem MCAS gab, das beim Steigflug eingesetzt wird und eigentlich ein Abreißen der Luftströmung verhindern soll, aber offenbar genau das Gegenteil bewirkt hat. 346 Menschen starben.

Die FAA teilte nun mit, Boeing habe zehn Tage Zeit, um die maroden Bauteile auszutauschen. Zugleich betonten die Experten der Aufsichtsbehörde, dass ein Versagen der Edge Slats nicht zum Absturz einer Maschine führen könne. Gleichwohl kursierten in diversen Internetforen am Montag Spekulationen, dass Defekte an den Flügel-Vorrichtungen doch in Zusammenhang mit den beiden Crashs stehen könnten – da Edge Slats auch im Steigflug eingesetzt werden.

Klar ist indes, dass die neuen Pannen das Vertrauen in Boeing und das Modell 737 weiter aushöhlen werden. So betonte denn auch Alexandre de Juniac, Chef der globalen Luftfahrtorganisation Iata, am Sonntagabend beim Jahrestreffen des Verbandes, dass das Vertrauen in Sicherheitsstandards erschüttert sei und dass die gesamte Branche unter verschärfter Beobachtung stehe. Nach dem Absturz der zweiten 737-Max-Maschine weigerten sich unter anderem Flugbegleiter in den USA, noch weiter mit den Jets zu fliegen. Tim Clark, Chef der arabischen Emirates Airlines, betonte auf dem Iata-Treffen, Boeing habe einen enormen Schaden für den Luftfahrtsektor verursacht. Das Unternehmen trage nun die Verantwortung, dies wieder gut zu machen.

Wie groß der Schaden tatsächlich ist, lässt sich nur schwer ermessen. Airlines weltweit setzen Ersatzmaschinen ein. Das verursacht nicht nur zusätzliche Leasingkosten. Die Maschinen sind auch vielfach teurer im Flugbetrieb, da es sich in der Regel um ältere Modelle handelt, die mehr Sprit als die Max-Flieger verbrauchen.

Boeing hat mehrfach Hoffnungen gemacht, dass die neue Software für das MCAS demnächst von der FAA, der europäischen EASA und anderen Aufsichtsbehörden genehmigt und dann eingesetzt werden könne. Mutmaßungen über den Zeitpunkt gehen indes weit auseinander. Das entscheidende Problem dürfte aber sein, ob die Fluggäste überhaupt noch bereit sein werden, in eine 737-Max einzusteigen. Mehrere Airline-Chefs – auch Lufthansa-Boss Carsten Spohr – haben beim IATA-Treffen bekräftigt, dass eine Art konzertierte Genehmigungs-Aktion der weltweiten Aufsichtsbehörden hilfreich sein könnte.

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