Eine ordentliche Dämmung erspart Ärger.
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Eine ordentliche Dämmung erspart Ärger.

Bundesgerichtshof

Bodenbelag nur mit Schallschutz

  • Ursula Knapp
    vonUrsula Knapp
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Der Austausch von Teppich gegen Fliesen hat einen Nachbarschaftskrach ausgelöst. In dem Fall aus Nordrhein-Westfalen hat der Bundesgerichtshof jetzt entschieden.

Teppichböden sind nicht nur außer Mode, sie gelten als unhygienisch und allergiefördernd. Allenthalben reißen deshalb Wohnungseigentümer ihre alten Teppichböden raus und ersetzen sie durch Parkett, Laminat oder Fliesen. Aber vor dem Austausch ist Beratung geboten, wie ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zeigt. Denn nach Entfernung des Teppichbodens wird es in aller Regel lauter, vor allem für die Bewohner des darunter liegenden Geschosses.

Aber auch nach dem Wechsel des Bodenbelags muss der Trittschall den geltenden Grenzwert einhalten, entschieden die Karlsruher Richter am Freitag rechtskräftig. Wird es lauter, muss der Belag wieder geändert werden – eventuell mit neuem Teppichboden.

In Mönchengladbach kam es unter Wohnungseigentümern zum Streit. In dem 1962 errichteten Wohnhaus wurde 1995 das Dachgeschoss zur Wohnung ausgebaut und mit Teppichboden ausgestattet. Den tauschten die Eigentümer 2008 aus und ließen stattdessen Fliesen verlegen. Damit begannen die Auseinandersetzungen mit den Eigentümern des darunter liegenden Stockwerks. Denn sie hatten nun eine deutlich höhere Lärmbelästigung durch Trittschall. Ein Gutachten ergab, dass der Geräuschpegel 66 Dezibel erreichte. Das entspricht etwa der Lautstärke einer Nähmaschine, vorgeschrieben ist aber der Wert von maximal 53 Dezibel.

Der BGH entschied jetzt in letzter Instanz, dass der Eigentümer des Dachgeschosses den Bodenbelag wieder so verändern muss, dass die Höchstgrenze von 53 Dezibel eingehalten wird. Das sei zumutbar, indem er etwa (wieder) einen Teppichboden oder einen anderen Belag aufbringt, so das Urteil.

Maßstab für den Schallschutz ist die DIN-Norm 4109. Die muss der Wohnungseigentümer beim Wechsel des Bodenbelags selbst dann einhalten, wenn die Dämmung der Trennungsdecke mangelhaft ist und bei vorschriftsmäßiger Bausubstanz der Trittschall innerhalb der Mindestgrenze läge. Das ändert laut Bundesgerichtshof nichts daran, dass Eigentümer beim Austausch des Bodenbelags zur Einhaltung der Mindestwerte verpflichtet sind. Begründung: Das folge aus der Pflicht gegenseitiger Rücksichtnahme der Wohnungseigentümer.

„Im Grundsatz darf der Wohnungseigentümer den Bodenbelag verändern, auch wenn das zu einer Lärmverstärkung führt. Aber nur in der Grenze der DIN-Norm“, fasste die Vorsitzende BGH-Richterin Christine Stresemann die neue Entscheidung zusammen.

Az.: V ZR 173/19

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