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Bringt eine Menge Marge: der BMW X 7. 

Kostensenkung 

BMW senkt Erfolgsprämie

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Der Autobauer BMW will beim Personal sparen und mehr Super-SUV verkaufen.

Nicolas Peter ringt um die richtigen Worte. „Es gibt keine einfachen Lösungen mit nur einem Stellhebel“, sagt der BMW-Finanzchef dann. 4,5 bis 6,5 Prozent Rendite im reinen Autogeschäft erwartet der Premiumhersteller 2019 noch – und verfehlt damit das Ziel von acht bis zehn Prozent. Das soll aber nun möglichst schnell wieder erreicht werden.

An zwei Hebeln zieht das Management dafür. Einer zielt auf das Personal. Für alle Beschäftigten soll die Erfolgsbeteiligung „rekalibriert“ werden, wie Peter sich ausdrückt. 9175 Euro hat ein Facharbeiter bei BMW für 2018 noch erhalten. Für 2019 wird es spürbar weniger werden und das vor allem auch, weil sich die Berechnungsgrundlage ändert. Die Umfänge der Absenkung werden noch mit dem Betriebsrat verhandelt. Das ist aber nur ein Teil der Kostensenkungspläne.

Auch die Zahl der 40-Stunden-Verträge wolle man reduzieren, erklärte Peter. Hochqualifizierte Mitarbeiter können bei BMW in Absprache mit dem Management ihre Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden ausweiten, was derzeit dem Vernehmen nach rund 17 000 Beschäftigte tun. Angeblich rund ein Drittel davon sollen demnächst wieder 35 Stunden pro Woche arbeiten, was mit Gehaltseinbußen verbunden ist. Zum Umfang der Rückführung von 40-Stunden-Verträgen wollte Peter nichts sagen und verwies auf laufende Verhandlungen.

Die sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen sein. Zugleich bekennt sich das Management dazu, beim BMW-Stammpersonal sowohl dieses als auch nächstes Jahr die Zahl von rund 135 000 Beschäftigten unter dem Strich konstant zu halten. Das heißt aber nicht, dass keine Jobs verschwinden. Denn BMW heuert weiter Experten für Zukunftstechnologien an und hat dieses Jahr auch ein neues Werk in Mexiko eröffnet, wo alleine 2500 neue Mitarbeiter dazugekommen sind.

Vorbereitungen auf den Brexit im Werk in Oxford

„Das müssen wir an anderer Stelle kompensieren“, stellt Peter klar. Mit anderen Worten müssen in der Verwaltung und anderen Bereichen Tausende Stellen abgebaut werden, was über natürliche Fluktuation geschehen soll. Das Bekenntnis zu einem konstanten Personalstand betrifft zudem ausdrücklich nicht die rund 10 000 Leiharbeiter, die BMW aktuell beschäftigt.

Zu wieder mehr Profitabilität wollen die Bayern aber auch noch auf anderem Weg kommen. So soll der Absatz in der absoluten Oberklasse binnen zwei Jahren auf bis zu 140 000 Fahrzeuge verdoppelt werden, kündigte Peter an. Gemeint sind damit Modelle wie der Geländewagen X7 oder die 8er-Reihe also Fahrzeuge mit einem Verkaufspreis von teils weit über 100 000 Euro und relativ hohem Schadstoffausstoß. Ersteres werde einen „spürbaren“ Margeneffekt haben. Und verschärfte EU-Abgasgrenzwerte dürften für BMW dennoch nicht zum Problem werden, versichert Peter. Denn auch im Topsegment elektrifiziere BMW die Flotte zunehmend. Einräumen musste der Manager allerdings, dass besonders betuchte Kunden in dieser Preisklasse immer noch sehr häufig einen reinen Diesel als Motorisierung wählen.

„Wir bauen die Fahrzeuge, die Kunden nachfragen“, rechtfertigt sich Peter. So betrage der Diesel-Anteil an den Verkäufen in einem großen Markt wie Italien immer noch gut 70 Prozent. Dafür sorgen, dass BMW insgesamt mit seiner Flotte schärfere Abgasgrenzwerte einhält, müssen bei solchen Entwicklungen aber wohl vor allem Autos niedrigerer Fahrzeugklassen.

Bei den Bemühungen, die Profitabilität zu steigern, hat BMW mit einigem Gegenwind zu kämpfen. So bereiten sich die Münchner auf einen harten No Deal-Brexit am 31. Oktober vor. An diesem und dem Tag davor schließt BMW das britische Mini-Werk in Oxford vorsorglich. Falls größeres Chaos ausbleibe, wolle man in der folgenden Woche dann wieder normal produzieren. Bei einem harten Brexit würden dann aber zehn Prozent Zoll auf Minis aus Oxford für Kunden in der EU fällig. BMW werde in dem Fall die Preise dafür erhöhen müssen, wenn auch nicht um ein Zehntel, erklärte Peter. Das würde den Absatz dieser Fahrzeuge dämpfen und im Werk Oxford Produktionsanpassungen nötig machen. Darüber, wie hoch der Stellenabbau dort ausfallen könnte, will Peter heute noch nicht spekulieren.

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