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2030 im Blick: BMW-Chef Oliver Zipse. Tobias Schwarz/afp

Automobilbranche

BMW nimmt Kurs auf Nachhaltigkeit

  • Thomas Magenheim-Hörmann
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BMW-Chef Oliver Zipse nimmt die gesamte Lieferkette in den Blick. Allein dort soll der CO2-Ausstoß pro Fahrzeug binnen zehn Jahren um ein Fünftel sinken.

In der Autoindustrie dominieren aktuell Meldungen über Verluste und Stellenabbau. BMW setzt einen Kontrapunkt und stellt Nachhaltigkeit in den Fokus. „Unser Anspruch ist, Nachhaltigkeit komplett und messbar zu machen“, betonte Konzernchef Oliver Zipse zur Präsentation seiner grünen Strategie. Sie betrifft die ganze Wertschöpfungskette inklusive Lieferanten von Rohstoffen über Produktion und die Nutzungsphase bis zum Recycling eines Autos.

Für alle Bereiche setzt sich BMW freiwillige Reduktionsziele, die in Äquivalente des Klimakillers Kohlendioxid (CO2) umgerechnet werden. So gesehen soll sich der durchschnittliche CO2-Fußabdruck eines BMW mit 200 000 Kilometern Laufleistung von heute 52 Tonnen bis 2030 um ein Drittel auf 33 Tonnen reduzieren.

Die Freude am Fahren, den aktuellen Werbeslogan, will Zipse so zur Freude am guten Gewissen machen. Darunter soll weder die Profitabilität leiden, noch soll der Preis für Autos steigen. „Der Anspruch muss sein, dass es in der Summe nicht mehr kostet“, sagt der BMW-Chef. Die grüne Strategie sei keine Trendwende, denn schon heute sei sein Konzern in punkto Umweltfreundlichkeit Branchenführer, meint er.

„Wir schauen auch auf die Lieferkette, nicht nur auf das Auto“, sagt Zipse. Allein dort soll der CO2-Ausstoß pro Fahrzeug binnen zehn Jahren um ein Fünftel sinken. „Das ist anspruchsvoller als es klingt“, sagt der BMW-Boss. Denn Elektroautos als wesentlicher Pfeiler der grünen Strategie verbrauchen in der Herstellung mehr CO2 als Verbrenner, was auch zugelieferte Komponenten betrifft. Würden Lieferanten wie heute weitermachen, stünde 2030 aus diesem Bereich ein Plus für den CO2-Ausstoß von 40 Prozent zu Buche, rechnet BMW vor. Soll unter dem Strich eine Minderung von 20 Prozent stehen, müsse der CO2-Fußabdruck in der Zulieferkette etwa durch Verwendung grünen Stroms um 60 Prozent sinken.

„Die machen mit“, versichert Zipse mit Blick auf Zulieferer in Sachen Nachhaltigkeit. Auch der Umstand, dass so mancher Lieferant von der Coronakrise weit härter getroffen ist als der weißblaue Premiumhersteller habe nicht zu Widerstand geführt. Zudem stimme es nicht, dass CO2-Reduzierung nur Geld koste. Wer mit Ressourcen sparsamer umgehe, wirtschafte vielmehr unter dem Strich günstiger. Moderne Blockchain-Technologie mache es auch möglich, die Reduzierung von CO2-Werten in der Lieferkette verlässlich zu überprüfen. Am Ende werde BMW die nachhaltigste Lieferkette der Branche betreiben, verspricht der Konzernchef.

In der eigenen Produktion will BMW den CO2-Fußabdruck bis 2030 um satte 80 Prozent reduzieren. „Wir müssen mehr tun als Lieferanten“, sagt Zipse. So will BMW ab diesem Jahr in eigenen Werken nur noch grünen Strom verwenden und ab 2021 alle Standorte weltweit klimaneutral betreiben. 40 Prozent CO2-Reduktion bis 2030 peilen die Bayern schließlich beim automobilen Endprodukt pro gefahrenem Kilometer an. In zehn Jahren sollen gut sieben Millionen voll- oder teilelektrisch angetriebene Fahrzeuge der drei Konzernmarken BMW, Mini und Rolls-Royce auf den Straßen fahren. Heute ist es eine halbe Million solcher Stromer.

Fortschritte bei Emissionsminderung und Ressourcenschonung würden jährlich veröffentlicht und „auch in die Vergütung von Vorstand und Top-Management einfließen“, kündigte Zipse an, ohne hier Einzelheiten zu nennen.

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