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Gastwirtschaft

Wo bleibt die Solidarität?

  • Günther Moewes
    VonGünther Moewes
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Die Globalisierung ist ein neoliberales Umverteilungsprojekt. Und Linke und Gewerkschaften haben das Verständnis für die Arbeitsarmen weitgehend verloren.

Als Ursache des globalen Rechtsrucks werden gern irrationale und unbegründete Ängste vor der vermeintlich unaufhaltsamen Globalisierung angegeben. Dabei habe die Globalisierung doch nie dagewesenen Wohlstand geschaffen. Und es sei doch nur gerecht, dass Arbeitende westlicher Industrieländer denen in den Entwicklungsländern etwas von ihrem Wohlstand abgeben.

Dagegen hätte ja auch niemand etwas und das hat ja zu Anfang im Zuge des kalten Krieges in Südkorea, Taiwan und Malaysia ganz gut funktioniert. Später sind dann die Arbeitsarmen in den USA und Europa zwar immer mehr geworden, besonders in Südeuropa. Den Textil- und Wanderarbeitern in Bangladesh und China hat das jedoch kaum geholfen, von Afrika und Mittelamerika ganz zu schweigen. Allenfalls Chinas Mittelstand hat zugelegt, wohl weil das dortige Regime noch nicht ganz so neoliberal ist. In fast allen anderen Ländern ist dagegen die Ungleichverteilung nicht zurückgegangen, sondern gestiegen.

Und so entpuppt sich die heutige Globalisierung als großes neoliberales Umverteilungsprojekt der Kapitalseite mit dem Ziel, durch Billigkonkurrenz, Arbeitsverlagerung und Arbeitslosigkeit die Arbeitenden weltweit gegeneinander auszuspielen, um sich ohne nennenswerte Gegenleistung die rasant steigenden Maschinisierungs- und Produktivitätsgewinne anzueignen.

Der große Reflex darauf musste kommen und wurde vorausgesagt. Linke, Gewerkschaften und die hauptbetroffene Jugend sind inzwischen verbürgerlicht und haben Verständnis für und Kontakt mit Arbeitsarmen und Arbeitslosen weitgehend verloren. Sieht man von den NGOs ab, so haben sie kaum je eine auf harten, materiellen Fakten basierende Wachstums- oder Globalisierungskritik zustande gebracht, sondern diese ohne Not rechten Phobien überlassen.

Insbesondere deutsche Gewerkschaften haben alle globale Solidarität aufgegeben. Sie sonnen sich gerne in unseren Exportüberschüssen, in Arbeitsdiebstahl und negativen Handelsbilanzen, die wir Südeuropa zufügen. Nur dadurch hätten wir so geringe Arbeitslosigkeit, nicht etwa durch deutsches Lohndumping. Bei solchen „Erfolgen“ kann man dann schon mal den Gehaltssteigerungen und Boni der Vorstände zustimmen. Auch das ist Nationalismus. Kein bloß gefühlter, sondern ein sehr materieller.

Der Autor ist emeritierter Professor für Industrialisierung und Wachstums- und Verteilungskritiker. Von ihm stammt das Buch „Geld oder Leben“.

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