Goldpreis

Blecherne Aussichten

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Börsenturbulenzen hin oder her. Experten raten Anlegern, die Jagd nach Gold lieber den Sportlern zu überlassen. Die Analyse.

Gold gilt traditionell Anlegern als sicherer Hafen in stürmischen Zeiten. Doch der Ruf von Gold als beste Versicherung gegen Turbulenzen bröckelt. Die Jagd nach dem Edelmetall sollten die Sparer den Athleten bei den Olympischen Spielen in Südkorea überlassen, empfiehlt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei der Investmentbank JP Morgan. Denn die Bilanz des edlen Metalls fällt in den vergangenen Jahren ernüchternd oder sogar miserabel aus. Und daran werde sich so schnell nichts ändern, ist der Experte überzeugt.

Im September 2011 erreichte Gold mit 1900 Dollar den bis heute höchsten Preis der Geschichte. Anschließend büßten die Inhaber in Dollar gerechnet bis Ende 2017 rund 15 Prozent ein. Hätten sie breit gestreute Aktien gekauft, stünde ihr Depot laut JP Morgan fast 101 Prozent im Plus. In Euro gerechnet ergäbe sich sogar ein Aufschlag von 117 Prozent.

Manche Fachleute halten das für ein vorübergehendes Phänomen. Sie verweisen darauf, dass der Goldpreis vor 2011 extrem zugelegt habe. Wer Anfang des Jahrtausends eingestiegen sei, komme daher auf eine sehr gute Rendite. Und die Landesbank Hessen-Thüringen prognostiziert sogar eine Hausse. Nach ihren Erwartungen wird Gold in diesem Jahr zunehmend teurer und schließlich so viel kosten wie seit 2013 nicht mehr. Diese Erwartungen begründen die Frankfurter gerade mit dem schlechten Abschneiden in der jüngeren Vergangenheit. Aktien und andere Vermögensgegenstände seien im Vergleich so hoch bewertet, dass Gold stark aufholen könne und werde.

Wer darauf spekuliert, geht freilich eine riskante Wette ein. Gold unterscheidet sich von anderen Anlageklassen dadurch, dass es keine laufenden Erträge wie Zinsen oder Dividenden einbringt. Wer es als Investment nutzt, setzt allein auf stabile oder steigende Kurse. Diese Hoffnung aber wird umso teurer, je mehr die Alternativen abwerfen. Größter Konkurrent sind Staatsanleihen. Denn Schuldpapiere etwa der Bundesrepublik oder der USA bieten ebenfalls eine sehr hohe Sicherheit. Lange aber brachten sie gar keine oder eine negative Rendite. Dies ändert sich aber mit wachsender Dynamik, vor allem in den Vereinigten Staaten, was klar gegen Gold spricht.

Allerdings schauen Anleger auf die realen Renditen der Staatsanleihen, also auf deren (Nominal-)Zins abzüglich der erwarteten Inflation. Letztere zieht ebenfalls an. Laut JP Morgan dürfte der Realzins relativ konstant bleiben. Damit zeichnet sich für Gold immerhin Stabilität, aber eben auch kein wirklicher Aufschwung ab.

Auch die Schweizer Großbank UBS stuft die Aussichten zurückhaltend ein. Nur wenn die – realen – Renditen der Staatsanleihen überraschend wieder fallen sollten, würde laut UBS Gold stark zulegen. Zum Beispiel könnte die US-Notenbank Fed die Inflationsgefahr unterschätzen, die Zinsen zu spät weiter erhöhen und damit eine unerwartete Inflation provozieren. In dem Fall sänken die realen Renditen der Staatsanleihen. Gold gewänne an Attraktivität. Aber auch die Eidgenossen meinen: Bisher hinke die Fed der Entwicklung nicht hinterher. Dies könne aber noch passieren, so die UBS.

Mit anderen Worten: Wer sein Geld in Gold anlegt, wettet auf ein plötzliches Hochschnellen der Inflation – und damit auf ein Versagen vor allem der US-Notenbank Fed. Riskante Wette.

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