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Blackrock, Vanguard, State Street: Die Giganten beherrschen die größten Unternehmen der Welt

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Die Investmentgesellschaften Blackrock, Vanguard und State Street kontrollieren zusammen ein Viertel der Stimmrechte der 500 größten börsennotierten US-Unternehmen.

Spätestens seitdem Friedrich Merz sich um den CDU-Vorsitz beworben hat, ist einer seiner Arbeitgeber endgültig ins Rampenlicht der Öffentlichkeit geraten: der Vermögensverwalter Blackrock, dessen Deutschlandgeschäfte von Merz kontrolliert werden. Blackrock wird „heimliche Weltmacht“ oder „unheimlicher Gigant“ genannt, schließlich verwaltet die Firma Billionen von Anlagegeldern – und ist damit eine Macht an den Finanzmärkten.

Eine jüngst veröffentlichte Untersuchung zeigt nun: Zusammen mit den anderen bedeutenden Indexfonds-Anbietern Vanguard und State Street kontrolliert Blackrock mittlerweile ein Viertel aller Stimmrechte der Unternehmen aus dem US-Börsenindex S&P 500. In 20 Jahren könnten es 40 Prozent sein. Wie konnte es zu so einer Machtkonzentration kommen?

Die US-Ökonomen Lucian A. Bebchuk und Lucian Hirst haben die Verteilung des Aktienbesitzes in den USA untersucht. Ihr Befund ist eindeutig: Unter den Indexfonds haben sich die „Drei Großen“ Blackrock, Vanguard und State Street herausgeschält, sie haben ihre Anteile am Aktienmarkt innerhalb von nur zehn Jahren vervierfacht. Schon bald dürften die „Drei Großen“ zu den „Drei Giganten“ heranwachsen, prognostizieren die Ökonomen. Das werde kaum zu verhindern sein. Denn die Konzentration des Aktienbesitzes wird durch drei Trends begünstigt. Erstens: Unter den Anlegern werden die institutionellen Investoren immer wichtiger. Zweitens: Unter den Institutionellen gewinnen die Indexfonds an Gewicht. Drittens: Unter den Indexfonds wächst die Dominanz der „Drei Großen“.

Zum ersten Punkt – Aufstieg der institutionellen Investoren: Im Jahr 1950 hielten institutionelle Anleger wie Investmentfonds und Versicherer nur sechs Prozent aller Anteile an Aktiengesellschaften, 2017 waren es 65 Prozent. Im Ergebnis kontrollieren die Institutionellen nun den Großteil der Anteile von Aktiengesellschaften. Befördert wurde dieser Aufstieg dadurch, dass die privaten Haushalte ihre Ersparnisse weniger auf ihrem Bankkonto parken, sondern an den Kapitalmärkten anlegen. Die Auswahl der Investments und deren Verwaltung überlassen sie den Profi-Anlegern.

Zum zweiten Punkt – Aufstieg der Indexfonds: Große Teile der Anlegergelder flossen in sogenannte Indexfonds. Das sind Investmentfonds, die mit ihrem Portfolio bestimmte Börsenindizes nachbilden, zum Beispiel den S&P 500. Das bedeutet: Sie legen in allen der 500 Firmen im Index an und zwar gemäß dem Gewicht, das diese Aktien jeweils im Index haben.

Fonds arbeiten günstiger

Vorteile von Indexfonds sind zum einen die breite Streuung der Aktienanlage und die quasi automatische Auswahl der Titel: Im Gegensatz zu „aktiven“ Fondsmanagern müssen Indexfondsmanager nicht lange nach aussichtsreichen Investments suchen, sie bilden ja nur den Index nach. Daraus folgen nicht nur niedrige Kosten, sondern auch gute Erträge – kaum einem „aktiven“ Fondsmanager gelingt es, besser als der Index zu sein, obwohl alle danach streben. Folge: Zwischen 1995 und 2015 wuchs der Anteil der Indexfonds an dem verwalteten Vermögen sämtlicher Investmentfonds von vier auf 34 Prozent. Allein seit 2009 flossen den Indexfonds fast 3500 Milliarden Dollar zu.

Zum dritten Punkt – Aufstieg der „Drei Großen“: Von all den Milliarden, die in den vergangenen zehn Jahren in Investmentfonds flossen, gingen 80 Prozent an Blackrock, Vanguard und State Street – und dieser Anteil wächst. Die Vorteile der Drei Großen sind vor allem ihre niedrigen Kosten. Denn wer viel Vermögen verwaltet, kann geringe Gebühren verlangen und kann Anlegern leichter Liquidität bereitstellen. Die Vorteile der „Drei Großen“ resultieren also aus ihrer schieren Größe. Konstruktion und Auflage eines Indexfonds erfordern zudem auch nur einen geringen Aufwand. Sollten Konkurrenten mit neuen Produkten auf den Markt kommen, können die „Drei Großen“ kurzerhand das Produkt kopieren und Wettbewerber aus dem Markt drängen.

Weniger Wettbewerb?

Seit 1998 hat sich der Anteil der „Großen Drei“ an den Aktien aus dem S&P 500 daher von 5,2 auf 20,5 Prozent vervierfacht. Da nicht alle Aktionäre ihre Stimmrechte auf den Hauptversammlungen wahrnehmen, schätzen die US-Ökonomen den Stimmrechtsanteil der „Drei Großen“ auf über 25 Prozent. Vanguard kommt auf 11,1 Prozent, Blackrock auf 8,7 Prozent und State Street auf 5,6 Prozent.

Larry Fink hat Blackrock gegründet und zu einer der mächtigsten Finanzfirmen der Welt gemacht.  

Wenn die Trends der vergangenen Jahre anhalten, so dürfte der Stimmrechtsanteil der drei Marktführer in zehn Jahren bei 34 Prozent liegen und in 20 Jahren bei 41 Prozent. „In diesem Drei-Giganten-Szenario dominieren die drei Investmentgesellschaften praktisch alle bedeutenden US-Unternehmen, die von keinem anderen großen Aktionär kontrolliert werden“, so die Ökonomen. Die Probleme, die sich daraus ergeben, „verdienen große Aufmerksamkeit von Wissenschaftlern, Politikern und Marktteilnehmern“.

Dazu zählt zum Beispiel das Risiko eines verminderten Wettbewerbs, weil Investoren, die an mehreren Firmen aus einer Branche beteiligt sind, kein Interesse daran haben könnten, dass sich die Unternehmen gegenseitig das Leben schwer machen. Denn dadurch würde das eine Unternehmen zwar an Wert gewinnen, das andere aber verlieren. Allerdings betonten Fonds wie Blackrock bislang immer, dass sie als Investoren den Firmen gegenüber zurückhaltend aufträten.

Deutsche Konzerne

Auch an Unternehmen, die im Deutschen Aktienindex (Dax) notiert sind, halten große Indexfondsanbieter wie Blackrock, Vanguard und State Street erhebliche Beteiligungen. Blackrocks größte Beteiligung war laut dem Statistikportal Statista im April mit 8,2 Prozent der Wohnungskonzern Vonovia. Dahinter folgten die Arzneimittelhersteller Merck und Bayer (je 7,2 Prozent), der Versicherer Münchner Rück (6,8), der Chemiekonzern BASF (6,6) und die Deutsche Börse (6,6). Insgesamt war Blackrock an 28 von 30 Dax-Konzernen beteiligt. 

Investmentfonds

Bei Anlegern sind sogenannte ETF, also Fonds, die einen bestimmten Börsenindex nachbilden, in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. Sie sind sehr kostengünstig und garantieren, dass sich die eigene Geldanlage zum Beispiel entsprechend des Deutschen Aktienindex entwickelt.

Die Beliebtheit der ETF kann allerdings auch dazu führen, dass sehr viel Geld in ein Börsensegment fließt, zum Beispiel in Tech-Aktien. Das wiederum könnte dazu führen, dass der Preis der Aktien unangemessen steigt und eine Blase entsteht. Der ETF-Stratege Will Geisdorf von Ned Davis Research hat dieses Phänomen untersucht. Für die Tech-Werte gibt er Entwarnung, Risiken sieht er hingegen bei den Immobilien- und Versorgeraktien. In diesen Bereichen ist jetzt zehnte Aktien im Besitz eines ETF. Besonders krass ist die Quote beim Immobilienunternehmen Tanger Factory Outlet Centers, wo jede dritte Aktie in ETF-Besitz ist.

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