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Sieht Verbesserungspotential im Kampf gegen Internetkriminalität: BKA-Präsident Holger Münch.

Cyberkriminalität

BKA-Präsident fordert mehr Befugnisse

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Deutschland ist nach Einschätzung eines Experten besonders von Internetkriminalität betroffen. Das Bundeskriminalamt fordert im Kampf gegen die Angriffe mehr Befugnisse.

Im Kampf gegen Cyber-Kriminalität hinken die deutschen Strafermittlungsbehörden den Tätern hinterher. Um vor den Auswirkungen dieses ungleichen Rennens zu warnen, bemühte der Präsident des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, am Mittwoch bei der „Cybercrime Conference“ ein Bild. Er sagte: „Wir dürfen den im Auto flüchtenden Tätern nicht zu Fuß hinterher laufen.“

Nun verfügen die Polizeien und Staatsanwaltschaften zwar sehr wohl über Autos, um im Bilde zu bleiben. Doch sehen sie sich bei der Aufklärung von Cybercrime-Delikten oftmals vor unüberwindliche Hindernisse gestellt. Das wurde bei der Konferenz, die das BKA gemeinsam mit dem Digital Society Institute (DSI) und dem Verein German Competence Centre against Cyber Crime (G4C) ausrichtet, deutlich.

Angesichts von rund 83 000 Fällen von Internetkriminalität, die die Polizei 2016 bundesweit erfasste, und einem dabei entstandenen Schaden von mehr als 51 Millionen Euro wird die Relevanz dieses Themas deutlich. Für den BKA-Präsidenten Münch ist auch klar, woran es im Moment vor allem hapert: „Wir kommen nicht an die Messengerdienste heran.“ Heißt: Wenn sich Kriminelle per Whatsapp und Co. zu Straftaten verabreden oder Anweisungen verschicken, dürfen die Ermittler die dabei genutzten Geräte nicht überwachen.

In den Augen von Münchs Stellvertreter Peter Henzler ist diese fehlende Befugnis der Ermittler ein zentraler Schwachpunkt. Und er nannte noch einen weiteren: „Die Port-ID bei WLAN-Zugängen wird nicht gespeichert.“ Das bedeutet, dass die Ermittler im Nachhinein nicht feststellen, von welchem Gerät eine Nachricht gesendet wurde, wenn sie der Verdächtige von einem öffentlichen WLAN-Netz aus verschickte. Auch das vergangene Woche vom Bundestag verabschiedete BKA-Gesetz ändere an diesen beiden Punkten nichts.

Der Direktor des DSI, Sandro Gaycken, machte bei der Konferenz deutlich, dass die Dunkelziffer in diesem Kriminalitätsfeld besonders hoch sei. Tatsächlich gibt es eine Schätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), wonach sich die Zahl der jährlichen Fälle von Internetkriminalität in Deutschland auf mehr als 14 Millionen belaufen könnte. Gemäß dieser deutlich pessimistischeren Annahme könnte sich der jährliche Gesamtschaden durch Cybercrime-Delikte auf mehr als drei Milliarden Euro belaufen – allein in Deutschland.

Zwar sei die tatsächliche Zahl der Fälle schwer zu schätzen, sagte Gaycken. Für ihn stehe aber fest, dass Deutschland als Industrieland mehr als viele andere Länder betroffen sei. Als konkretes Beispiel nannte Gaycken einen Fall, der sich kürzlich zugetragen haben soll. Die Täter hätten hierbei das Computer-System eines Öltankers gehackt und dabei die digitalen Zertifikate für den Handel mit dem Öl erbeutet.

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