Interview

Bitcoin-Halving: Folgt der Kurssturz? Blockchain-Experte gibt Einschätzung 

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Der Kurs des Bitcoins ist bereits kurz vor dem Halving am 11. Mai gefallen. Ein Blockchain-Experte erklärt, wie sich das heute Abend auf den Preis auswirkt.

  • Für den Bitcoin steht heute Abend das Halving an.
  • Am 11. Mai fallen zuvor die Kurse.
  • Ein Blockchain-Experte gibt eine Prognose, auch im Hinblick auf den Preis, im Interview ab.

Herr Mienert, das System Bitcoin mag für Einsteiger ein wenig kompliziert sein. Wie funktioniert es denn überhaupt? 

Bitcoin ist eine digitale Währung, die elektronisch durch Mining geschaffen und auch elektronisch verwahrt wird. Das Besondere ist, dass die Währung nicht von einer Bank oder einem Staat kontrolliert wird, sondern von der Gemeinschaft über eine Blockchain. Bitcoins werden im Vergleich zu Bargeld nicht gedruckt, sondern rund um die Welt von Menschen über Computerpower errechnet und digital verwahrt. Prinzipiell kann also jeder Teilnehmer das System Bitcoin verwenden. 

Wenn ich an Bitcoins denke, habe ich wechselhafte Kurse im Blick. Das System scheint also auch Risiken zu bergen.

Problematisch ist, dass Bitcoin noch nicht als Universaltauschmittel, sondern als Spekulationsobjekt betrachtet wird. Kryptowährungen unterfallen deshalb rechtlich nicht dem Geld- und Währungsbegriff. Das bringt Unsicherheiten mit sich. Zum Beispiel gibt es widersprüchliche gerichtliche Entscheidungen darüber, ob der Handel mit Bitcoins überhaupt bei Kursgewinnen steuerpflichtig ist. Wer in Bitcoins investiert, trägt natürlich wie beim Handel mit Aktien das volle Risiko, sein angelegtes Geld durch die Spekulation zu verlieren. 

Ein wesentlicher Bestandteil ist die Blockchain. Was kann man sich darunter vorstellen?

Die Blockchain ist eine digitale Datei, in der dieselbe Information von allen Teilnehmern eines Netzwerkes abgespeichert werden. Neue Informationen werden regelmäßig an die einzelnen Blöcke in der Blockchain angeheftet. Das geschieht, wenn die Teilnehmer neue Bitcoins minen oder kaufen. Die neu geschaffenen Blöcke werden mit den bisherigen in der Kette verknüpft. Jeder Teilnehmer besitzt sämtliche Informationen und muss sich nicht auf eine zentrale Stelle, wie Banken oder Behörden verlassen, die die Daten verwalten. Die Blockchain macht es möglich, Informationen unveränderbar ohne eine zentrale Stelle abzuspeichern.

Bitcoin-Halving 2020: Wie es sich auf den Kurs auswirken könnte

Am 11. Mai steht das nächste „Halving“ an. Was wird an diesem Tag geschehen?

Jedes Mal, also nach 210.000 neu erzeugten Blöcken in der Blockchain, findet das Halving statt. In der jüngeren Vergangenheit ist das bisher alle vier Jahre geschehen. Beim Halving halbiert sich die Belohnung der Miner für erfolgreich geschürfte Blöcke, die sie mit der Rechenleistung ihres Netzwerkes erzeugt haben. Derzeit sind es 12,5 Bitcoins pro Block. Nach dem nächsten Halving werden es dann nur noch 6,5 Bitcoins pro Block sein. Für Miner wird es durch steigende Stromkosten wirtschaftlich unattraktiver, einen Block zu schürfen. Es findet also eine Verknappung des Angebots statt, die einer Hyperinflation vorbeugen soll.

Wie wird der Bitcoin-Kurs auf das Halving reagieren?

Nach dem Marktprinzip von Angebot und Nachfrage müsste der Bitcoin-Kurs steigen, da die Nachfrage gleich bleibt und das Angebot abnimmt. Bei den vergangenen Halvings stieg der Bitcoin-Kurs längerfristig an. Das passiert nicht direkt nach dem Halving, sondern rund 100 Tage später. Kurzfristig könnte der Kurs für einen Bitcoin also fallen. Genau abschätzen kann das aktuell aber niemand. 

Der Jurist und Blockchain-Experte Biyan Mienert gibt eine Einschätzung über die Auswirkungen des Halvings ab. 

Dennoch würde mich Ihre persönliche Einschätzung interessieren. Weshalb könnten die Kurse für Bitcoins kurzfristig sinken?

Wenn es für Miner wegen hoher Rechnerleistung und Stromkosten wirtschaftlich nicht mehr rentabel wird, einen Block in der Blockchain zu schürfen, werden sich Teilnehmer aus dem Markt verabschieden. Das Bitcoin- Protokoll hat sich jedoch auf solche Dinge eingestellt. Denn je weniger Miner es gibt, desto günstiger wird es, einen Block zu schürfen. Die notwendige Rechenleistung, um einen Block zu schmieden, verringert sich. Das hätte wiederum zur Folge, dass mehr Miner dem Netzwerk beitreten und so gesichert wird, dass das Bitcoin-Netzwerk dezentral und stabil bleibt. 

Bitcoin: Blick auf die Blockchain und die Arbeitswelt der Zukunft

Herr Mienert, Sie forschen aktuell an der Blockchain. Welche Auswirkungen könnte sie auf unsere Arbeitswelt in der Zukunft haben?

Der Anwendungsbereich der Blockchain geht weit über den von Bitcoin und Kryptowährungen hinaus. Dabei denke ich an sichere Kommunikation zwischen Maschinen (M2M-Communication), selbstständig ablaufende Transaktionen (Smart Contracts) und dezentrale autonome Organisationen (DAOs). Durch die Blockchain können weltweit Arbeitnehmer zusammenarbeiten und eine dezentrale, autonome Organisation bilden. Es würde also weder einen Chef, noch Hierarchien geben.

Die Anwendungsbereiche von der Blockchain gehen weit über den Bitcoin hinaus.

Das klingt aber auch gefährlich. Was wäre, wenn es Fehler in der Blockchain gäbe?

Allein rechtlich ist das sehr problematisch. Unser Gesellschaftsrecht kennt keine Organisationen, die nicht von Menschen, sondern von selbst vollziehenden Programmcode (Smart Contract) oder Künstlicher Intelligenz geleitet werden. Aktuell forsche ich in meiner Dissertation daran, wie man das in unser Rechtssystem integrieren könnte. Die Vorteile wären: volle Transparenz und erhöhte Effizienz aller Vorgänge. 

Wenn man an Non-Profit-Organisationen Geld spenden würde, wüsste man wegen der Transparenz der Blockchain genau, wo das Geld ankommt und wie es verwendet wird. Doch was geschieht, wenn der Programmcode der Blockchain fehlerhaft ist? Fehler lassen sich aufgrund der Unveränderbarkeit der Blockchain nämlich kaum korrigieren. Hierfür müssen wir eine Lösung finden. 

Das Gespräch führte Moritz Serif.

Biyan Mienert: Spezialisiert auf Blockchain-Lösungen

Biyan Mienert ist Jurist und Doktorand am Institut für das Recht der Digitalisierung an der Universität Marburg. Seinen Abschluss in Rechtswissenschaften erwarb er an der Universität Heidelberg. Biyan Mienert forscht zu den rechtlichen Fragen für Blockchain-Lösungen, insbesondere von Smart Contracts, dezentralen autonomen Organisationen (DAOs) und Token-Offerings. 

Er untersucht die Bedeutungen aktueller Rahmenbedingungen im Blockchain-Bereich, insbesondere für DAOs und entwickelt auch neue rechtliche Lösungen. Mienert ist als regelmäßiger Referent auf internationalen Konferenzen von Expertengruppen und berät Start-ups bei der Umsetzung und Entwicklung von Blockchain-Lösungen.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Jens Kalaene/dpa

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