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Kryptowährung

Bitcoin auf Allzeithoch – Nur ein leeres Versprechen?

  • Marcel Richters
    vonMarcel Richters
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Die Preisjagd beim Bitcoin scheint kein Ende zu finden. Aber wieso ist die Kryptowährung so beliebt? Und wie realistisch ist das Heilsversprechen?

  • Der Bitcoin erreicht ständig neue Höchstwerte, die noch vor kurzem undenkbar schienen.
  • Noch ist offen, ob die Kryptowährung die in sie gesetzten Hoffnungen erfüllen wird.
  • Dabei ist die Bitcoin-Rally Symptom einer Geldpolitik, die an ihre Grenzen kommt.

Frankfurt – Der Bitcoin ist erneut auf ein Allzeithoch geklettert – und die Rekordjagd scheint kein Ende zu finden. Ein Grund dafür ist, dass die Geldpolitik der Zentralbanken schon lange an den Grenzen ihrer Möglichkeiten angekommen ist. Seit 2008 gibt es nur noch einen Kurs für Zinssätze: Nach unten. Sogar negative Zinssätze, bis vor der Finanzkrise noch ein ausgefallenes Gedankenexperiment, sind zur Selbstverständlichkeit geworden. Im Zuge der Corona-Pandemie ist noch mehr Geld in den Markt geströmt. Die Gesamtbilanz der US-Notenbank Federal Reserve ist von rund 4,2 Billionen Anfang 2020 auf 7,2 Billionen Ende desselben Jahres gestiegen.

Bitcoin sind inzwischen am Finanzmarkt etabliert

Wer Geld hat, weiß kaum noch, wo hin damit. Wer keins hat, dem bringen niedrige Zinsen auch wenig, da Banken im Zweifel doch keinen Kredit vergeben. Kein Wunder, dass sich Anleger panisch ins Gold flüchten, das nach wie vor als sichere Krisenwährung gilt. Der Preis des gelben Edelmetalls ist im Laufe des Jahres 2020 um mehr als 25 Prozent gestiegen, zwischenzeitlich war er sogar noch darüber. Schon vor Jahren begannen Anleger, in Gitarren, Wein und sonstige exotische Produkte zu flüchten. Hauptsache, das Geld wird nicht weniger wert.

In den vergangenen Jahren ist ein neues Anlageprodukt hinzugekommen: Die Kryptowährungen, allen voran der Bitcoin, der ebenfalls in stetiger Folge neue Höchststände erklimmt. Noch 2018 sorgte es in der Finanzwelt an vielerlei Stellen für Irritationen, dass Anleger für ein rein virtuelles Produkt mit sehr begrenztem reellem Nutzen fast 14.000 US-Dollar ausgeben, sind Anfang 2021 immer mehr Menschen bereit sogar mehr als 39.000 US-Dollar für einen Bitcoin auszugeben. Preise und Preisentwicklungen, wie sie die Feinunze Gold trotz sehr viel weiter verbreiteter Akzeptanz noch nie gesehen hat.

Sind Bitcoins eine Alternative zum Gold?

Aber woran liegt das? Warum kaufen mehr Menschen eine virtuelle Münze, in der lediglich Rechenleistung vergegenständlicht ist, als ein Edelmetall, welches immerhin mit harter Arbeit der Erde abgetrotzt werden musste und bei dem es relativ sicher ist, dass sich wieder ein Abnehmer findet? Selbst wenn Gold nach Jahrtausenden seinen Rang als Krisenwährung verlieren sollte, ist es immer noch als Werkstoff zu gebrauchen. Das lässt sich von Bitcoins nicht behaupten.

Dennoch scheint die Rally auf die virtuellen Münzen kein Ende zu finden. Und vielleicht ist genau das die Stärke des Bitcoins: dass er rein virtuell ist. Denn wie kaum einem anderen Finanzprodukt spiegelt sich im Bitcoin auch eine Hoffnung wider, gerade in Zeiten einer Pandemie. Nämlich die Hoffnung darauf, dass es die Technologie schon richten wird.

Eine Hoffnung, die geradezu toxisch wirkt, wenn sie ins Extrem getrieben wird. Welche wirren Vorstellungen die Hoffnung in Technologie hervorbringen kann, demonstrieren die Anhänger von Steve Jobs und Elon Musk in erschreckender Regelmäßigkeit. Unvergessen sind die Apple-Events bei denen hochpreisige Smartphones und Laptops mit geradezu religiöser Begeisterung begrüßt wurden. Und Elon Musk scheint für viele mit seinen Raketen und Elektroautos die Personifikation des „guten“ Kapitalismus, der der Menschheit einen emissionsfreien Individualverkehr und die Erschließung fremder Welten ermöglicht.

Blockchain und Bitcoin: Hoffen auf Technologie

Der Bitcoin ist das Thema an den Finanzmärkten. Allerdings ist bei dem Thema Vorsicht geboten.

Nun sollen also Bitcoins, oder die Blockchain-Technologie im Allgemeinen, die Lösung für die unausweichlichen Probleme am Finanzmarkt bringen. Der besondere Reiz dabei: die Unabhängigkeit von eben jenen Zentralbanken, welche die Märkte immer weiter mit billigem Geld fluten. Denn Bitcoins und andere Kryptowährungen bieten nicht nur eine Möglichkeit, Besitz und Guthaben anonym zu tauschen, sie sind auch begrenzt. Maximal können 21 Millionen Bitcoins hergestellt werden. Auch wenn das nach Schätzungen bis in die 2130-Jahre dauern könnte ist klar: irgendwann wird es so weit sein. Und keine Zentralbank wird dann mehr Bitcoins produzieren und so deren Wert senken können.

Ein begrenzte, dezentrale Wertschöpfung also, die Unabhängigkeit und finanzielle Sicherheit bedeuten könnte. Das Gegenstück zum Fiat-Geld, das bei vielen Befürwortern der zügellosen Marktwirtschaft so verabscheuten, welches seinen Wert nur durch Gesetze und das Vertrauen der Bevölkerung erhält. Diese Hoffnung steckt im Bitcoin und macht ihn wohl gerade in einer Pandemie, einer Zeit, die uns unsere Abhängigkeit von anderen und die Unsicherheit unserer leiblichen Gesundheit brutal vor Augen führt, so attraktiv. Ob eine Rechenoperation, der „Proof of Work“, aber ein so viel besserer Gegenwert ist, sei dahingestellt.

Reformen an den Finanzmärkten statt Hoffen auf den Bitcoin

Ob sich diese Wette auf die Zukunft des Bitcoins jemals im wahrsten Sinne des Wortes auszahlen wird, bleibt abzuwarten. Zwar hat die Blockchain-Technologie mehr als einmal bewiesen, dass sie noch von Nutzen sein wird, ob aber dabei der Bitcoin wirklich eine so große Rolle spielt, ist unsicher. Noch unsicherer ist, ob das „digitale Gold“ langfristig am Finanzmarkt von Bedeutung sein wird. Denn dieser hat sich schon lange von der realwirtschaftlichen Wertschöpfung entkoppelt. Daran ändert auch eine neue Technologie nichts. Damit lassen sich höchstens die Symptome eines schwer beschädigten – um nicht zu sagen kaputten – Systems überdecken. Eine Lösung ist der Bitcoin aber nicht. (Marcel Richters)

Rubriklistenbild: © Kin Cheung/dpa

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