+
Container-Schiff auf dem Rhein in der Nähe von St. Goar (Loreley).  

Schifffahrt

Binnenschifffahrt: Angst vor Niedrigwasser

  • schließen

Die Binnenschiffer kämpfen mit niedrigen Pegelständen an Weser, Elbe und Oder. Auch dem Rhein könnte im Herbst Wasser fehlen.

Noch führt Deutschlands wichtigster Fluss-Transportweg genug Wasser. Die Pegel auf dem Rhein sind alle im grünen Bereich. Weiter östlich im Land sieht es anders aus: Weser, Elbe und Oder sind nach dem trockenen Sommer auf kritischem Niedrigwasser-Niveau angekommen, sagt Dennis Meißner von der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Die Schifffahrt beeinträchtigt das massiv: Weil zu dem Niedrigwasser noch ein technischer Defekt hinzukommt, liegen seit dem Wochenende Lastkähne im Stau vor dem Schiffshebewerk Scharnebeck am Elbe-Seitenkanal.

Vor einem Jahr sank auch der Rheinpegel dramatisch ab. Dem Bundesumweltministerium zufolge führte der Fluss im vergangenen Jahr an 132 Tagen extremes Niedrigwasser – zum Vergleich: 2017 war es an 25 Tagen so und 2016 an 32 Tagen. Das hatte vergangenes Jahr massive Folgen für die großen Chemie- und Stahlwerke an seinen Ufern, die auf den Transportweg mit dem Binnenschiff angewiesen sind. Meißner möchte auch für 2019 keine Entwarnung geben: „Es gibt ein gewisses Risiko, dass wir auch in diesem Herbst Niedrigwasser bekommen. Wir haben sehr trockene Verhältnisse. Wenn die Niederschläge in den kommenden Wochen nicht in den erforderlichen Mengen fallen, wird es kritisch. Damit steht und fällt alles.“

Eine verlässliche Vorhersage für den Wasserstand im Herbst sei jedoch nicht zu leisten. An mehrmonatigen Vorhersagen arbeitet die Bundesanstalt zurzeit noch. Das ist Teil eines Acht-Punkte-Plans von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zur Rheinschifffahrt. Dazu gehört auch, den Mittelrhein zwischen Wiesbaden und St. Goar für 60 Millionen Euro um 20 Zentimeter zu vertiefen – es könnten bei niedrigen Wasserständen die entscheidenden 20 Zentimeter sein.

Meißner macht aber auch deutlich, dass die Interessen der Rheinschifffahrt nicht die einzigen sind, die am Fluss zählen: „Die Frage, inwieweit weitere Maßnahmen ergriffen werden, ist letztlich Ergebnis eines gesamtgesellschaftlichen Abwägungsprozesses unter Berücksichtigung sozialer, ökonomischer und ökologischer Belange. Das Interesse der Nutzer der Wasserstraße ist es, mit größtmöglichen Schiffen bis nach Basel fahren zu können und dies vorzugsweise immer ungehindert, um möglichst geringe Lagerhaltung betreiben zu müssen. Andere Interessen stehen dem entgegen.“

Große Konzerne wie BASF oder Thyssen-Krupp haben aus 2018 gelernt: Sie halten größere Lagerbestände vor und haben Schiffe angemietet, die auch bei niedrigeren Wasserständen fahren können. Kleinere Schiffe machen den Transport zwar teurer. Aber die Firmen sind zuversichtlich, ein erneutes Niedrigwasser besser bewältigen zu können.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare