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Billionen für fossile Industrien – Deutsche Banken investieren kräftig mit

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Deutsche Banken finanzieren massiv die Förderung von Kohle, Gas und Öl. Ein Umdenken ist nicht in Sicht. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung.

San Francisco – Die Finanzierung fossiler Energie ist für Banken noch immer ein Megageschäft. In den acht Jahren seit der Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens haben die 60 größten Privatbanken der Welt den Klimawandel mit Investitionen in fossile Brennstoffe in Höhe von 6,9 Billionen Dollar befeuert. Knapp die Hälfte davon (3,3 Billionen Dollar) floss in Unternehmen, die fossil expandieren. Im vergangenen Jahr waren es 705 Milliarden Dollar, 347 davon für den weiteren Ausbau. Beteiligt an dem Geschäft sind auch die Deutsche Bank und die DZ Bank.

Rainforest Action Network untersucht Investments in fossile Energie

Das geht aus dem diesjährigen Bericht „Banking on Climate Chaos“ hervor, den die US-Organisation Rainforest Action Network (RAN) gemeinsam mit der deutschen NGO Urgewald und sechs weiteren internationalen Partnern erstellt hat. Nach Angaben von Urgewald ist dieser Report die umfassendste Analyse zu den Finanzgeschäften der 60 größten internationalen Banken mit sämtlichen fossilen Industrien. Er offenbart, in welchem Umfang diese Banken mehr als 4200 Unternehmen aus den Sektoren Kohle, Öl und Gas seit 2016 mit Krediten und Wertpapiergeschäften unterstützt haben. „Die größte Sorge der Wallstreet ist ihr Profit, unsere Hauptsorge gilt dem Klima und den Menschenrechten. Während die Banken, die vom Klimachaos profitieren, jedes Jahr neue Greenwashing-Märchen erfinden, zeigen unsere Daten, wie viel Geld sie tatsächlich in fossile Brennstoffe stecken“ sagt April Merleaux, Research-Spezialistin von RAN und Co-Autorin des Berichts. Und sie zeigten, „dass die Finanzierung fossiler Brennstoffe durch Banken nicht annähernd schnell genug zurückgeht“.

Indigene protestieren 2021 gegen neue Öl-Projekte in Ecuador.
Indigene protestieren 2021 gegen neue Öl-Projekte in Ecuador. © picture alliance/dpa

Das gilt auch für die Deutsche Bank, die hierzulande klar tonangebend bei den fossilen Bankgeschäften ist. Sie hat laut Bericht im Jahr 2023 knapp 13,4 Milliarden Dollar für fossile Unternehmen vergeben, rund 9,2 Milliarden über Kredite und 4,1 Milliarden über Wertpapiergeschäfte. Innerhalb Europas lag die Deutsche Bank damit nach der britischen Barclays (24,2 Milliarden) und der spanischen Santander (14,5 Milliarden) auf Platz drei der größten Banken für fossile Industrien.

Milliarden-Investments in Flüssigerdgas

Im weltweiten Vergleich liegt der deutsche Branchenprimus über den gesamten Zeitraum seit 2016 mit 132,4 Milliarden Dollar auf Rang 22 der Liste. Damit ist er zwar nicht unter dem „Dreckigen Dutzend“, wie der Report die Top-Zwölf der Finanzierer fossiler Energien betitelt. Diese Plätze belegen vier US-Banken (auf den ersten fünf Plätzen), drei japanische, zwei kanadische, zwei britische und eine Schweizer Bank. Allerdings fällt die Deutsche Bank in zwei Kategorien im internationalen Vergleich besonders negativ auf: Als Geldgeber für Flüssigerdgas (LNG) belegt sie im Jahr 2023 mit 2,7 Milliarden Dollar Platz 16. Besonders bedeutend, so heißt es in dem Bericht, war ihre Position zuletzt bei der Finanzierung von Kunden, die Öl- und Gasgeschäfte in der Amazonasregion betreiben: Hier nahm das Geldhaus mit 104,4 Millionen Dollar einen unrühmlichen vierten Platz ein.

Zudem lässt sich bei der Deutschen Bank in den vergangenen drei Jahren kein klarer Trend erkennen. Im Jahr 2021 versorgte sie fossile Unternehmen mit rund 13 Milliarden Dollar, im Jahr 2022 sank dieser Wert auf zehn Milliarden, um im Jahr 2023 wieder deutlich auf 13,4 Milliarden Dollar anzusteigen.

Diesbezüglich widerspricht die Deutsche Bank: „Bereits seit 2016 hat die Deutsche Bank ihr Engagement in CO2-intensiven Sektoren deutlich reduziert“, sagte ein Sprecher des Finanzinstituts der FR. „Seit 2016 hat sich die Bank zudem nicht mehr an der direkten Kreditfinanzierung von neuen Kraftwerkskohleminen und am Ausbau bestehender Minen beteiligt. Die Deutsche Bank hat dafür seit 2016 eine entsprechende Richtlinie und finanziert seitdem keine neuen Kohlekraftwerke und auch nicht den Ausbau bestehender Kohlekraftwerke direkt.“ Die Deutsche Bank wolle ihre Kundinnen und Kunden „bei der Transformation zu nachhaltigeren und klimaneutralen Geschäftsmodellen als strategischer Partner begleiten“. Das Ziel sei es, den schrittweisen und geordneten Ausstieg aus der Nutzung fossiler Brennstoffe zu unterstützen, so der Sprecher.

Das Geldhaus berichte „transparent“ über ihre Dekarbonisierungsstrategie in CO2-intensiven Sektoren, erklärte der Deutsche-Bank-Sprecher und verwies auf den kürzlich veröffentlichten aktuellen Stand der finanzierten Emissionen. „Sowohl im Öl- und Gassektor als auch im Kohlebergbau berichten wir in diesem Zusammenhang die absoluten CO2-Emissionen, die im Vergleich zu den jeweiligen Basiswerten - Basisjahr 2021 für Öl und Gas, Basisjahr 2022 für Kohlebergbau - unserer Netto-Null-Ziele in beiden Sektoren deutlich gesenkt wurden.“

DZ Bank erhöht Investitionen in fossile Industrie

Bei der DZ Bank, dem Zentralinstitut der deutschen Genossenschaftsbanken, sind die Beträge deutlich bescheidener: 2023 wurden insgesamt 2,5 Milliarden Dollar an fossile Industrien vergeben. Im gesamten Betrachtungszeitraum seit 2016 liegt die DZ Bank mit 12,4 Milliarden weit hinten auf Platz 57. Allerdings zeigt sich bei der DZ Bank ein deutlicher Negativtrend. Ihre fossile Finanzierung stieg seit 2020 kontinuierlich an: eine Milliarde Dollar in 2020, 1,2 Milliarden ein Jahr später, 2022 stieg die Summe auf 1,9 Milliarden und 2023 auf 2,5 Milliarden Dollar – den höchsten bisher gemessenen Wert. Die gleiche Tendenz ist bei der Finanzierung für Unternehmen auf fossilem Expansionskurs zu beobachten.

„Während die Deutsche Bank trotz lautstarker Klima-Rhetorik keinen klaren Ausstiegstrend aus Fossilen erkennen lässt, hat die DZ Bank ihr fossiles Engagement sogar deutlich ausgeweitet“, kommentiert Regine Richter, Finanz- und Energieexpertin bei Urgewald. „Mit solchen Geschäften, etwa im Flüssigerdgas-Sektor, verschärfen Deutsche Bank und DZ Bank die Klimakrise. Vor allem mit Milliardensummen für fossile Expansionisten gefährden sie unsere Klimazukunft. Als Sofortmaßnahme müssen sie sämtliche fossile Expansionsfinanzierung beenden und Finanzgeschäfte mit Kohle, Öl und Gas in naher Zukunft auf null herunterfahren.“

Den weltweiten Spitzenplatz 2023 belegt die US-Bank JP Morgan Chase mit Finanzierungen fossiler Brennstoffe und deren Expansion in Höhe von 40,8 Milliarden Dollar. Zugleich ist sie auch mit insgesamt 430 Milliarden Dollar Spitzenreiter des „Dreckigen Dutzend“ seit 2016. Die japanische Bank Mizuho rückt im diesjährigen Bericht sowohl bei der Finanzierung fossiler Brennstoffe insgesamt (37 Milliarden Dollar) als auch bei der Finanzierung der Expansion fossiler Brennstoffe (18,8 Milliarden) auf den zweiten Platz vor. Platz drei belegt die Bank of Amerika mit 33,68 Milliarden. „Während die Welt dringend aus der Kohle aussteigen muss, haben nur fünf Prozent der globalen Kohleunternehmen Ausstiegstermine für ihr Kerngeschäft angekündigt“, sagt Katrin Ganswind, Leiterin der Finanzrecherche bei Urgewald und Co-Autorin des Berichts. „Und während die in Betrieb befindlichen Öl -und Gasquellen mehr als genug sind, um uns noch bis 2050 mit Energie zu versorgen, erschließen 96 Prozent der Öl- und Gasproduzenten weiterhin neue fossile Anlagen. Banken, die diese fossile Ignoranz finanzieren, sind mitschuldig an der Zerstörung unseres Klimas.“

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