Arcamo erhöht die Ölförderung.
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Arcamo erhöht die Ölförderung.

Klima

Billiges Öl zu hohem Preis?

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Die Streit um das Öl senkt vorerst Emissionen. Aber langfristig könnte er Bemühungen im Klimaschutz torpedieren. Die Analyse.

Saudi-Arabiens staatliche Öl-Gesellschaft Aramco hat am Dienstag angekündigt, die tägliche Förderung auf 12,3 Millionen Fass (159 Liter) zu erhöhen – rund ein Viertel mehr als im Februar: Da ist sie, die Preiskriegserklärung gegen Russland.

Dessen Energieminister Alexander Nowak ließ prompt mitteilen, sein Land habe die Fähigkeit die Gewinnung um 500 000 Fass pro Tag auf 11,8 Millionen zu erhöhen. Analysten gehen davon aus, dass dies erste Gefechte in einem langen und harten Preiskampf um Anteile auf dem schrumpfenden Öl-Markt sind.

Eine gute oder eine schlechte Nachricht für den Klimaschutz? Klar ist: Durch das Corona-Virus und seine Folgen wird die Nachfrage nach fossilem Treibstoff und Heizöl in den nächsten Monaten sinken. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat gerade ihre Prognose für 2020 nach unten korrigiert. Weltweit werde der Bedarf nur noch bei knapp 100 Millionen Fass pro Tag liegen – 90 000 Fass weniger als 2019. Das heißt auch, dass entsprechend weniger CO2 in die Luft geblasen wird.

Doch durch die schrumpfende Nachfrage verbilligt sich der Rohstoff – was den Öl-Preiskampf zwischen Saudis und Russen überhaupt erst ausgelöst hat. Nach einem massiven Einbruch am Montag kostete ein Fass der Referenzsorte Brent am Dienstagnachmittag gut 37 Dollar. Anfang des Jahres war es noch fast doppelt so viel gewesen. Analysten erwarten, dass es bald noch weiter nach unten geht – bis in die Gegend von 20 Dollar, was Diesel-Sprit auf weniger als einen Euro pro Liter verbilligen würde.

Mehr noch: Ein niedriges Preisniveau könnte zum Dauerphänomen werden. So geht die IEA davon aus, dass die Rohöl-Nachfrage für den Zeitraum 2019 bis 2025 nur noch moderat um insgesamt 5,7 Millionen Fass pro Tag steigen wird. Dem stehe aber eine Ausweitung der Förderung um 5,9 Millionen Fass gegenüber. Der Grund für den langsamer wachsenden Bedarf sei vor allem die Elektromobilität.

Die Experten der norwegischen Beratungs- und Zertifizierungsfirma DNV GL gehen sogar davon aus, dass wegen der Stromer die Öl-Nachfrage schon vom Jahr 2022 an nicht mehr steigen wird.

In solch einer Entwicklung steckt die Gefahr eines Rückschlags: Klimafreundliche Technologien könnten Opfer ihres eigenen Erfolgs werden. Wenn Sprit und Heizöl dauerhaft billig bleiben, schwindet der Anreiz ein E-Auto oder eine Wärmepumpe anzuschaffen.

Die Folge: „Der vom Preisverfall angestoßene Anstieg des Erdölverbrauchs sorgt kurzfristig dafür, dass die Emissionen zunehmen“, warnt die renommierte Stiftung Wissenschaft und Politik in einer Studie. Die Autoren halten deshalb einen „Eingriff in die Verbraucherpreise“ für erforderlich.

Dazu hat sich die Politik bereits durchgerungen. Von 2021 an werden fossile Treib- und Brennstoffe mit einem CO2-Preis belegt. Die Frage bleibt aber, ob das reicht, um die immer wieder beschworene Lenkungswirkung zum Nutzen des Klimaschutzes zu erreichen? 2025 wird der CO2-Aufschlag für Diesel pro Liter 17,6 Cent ausmachen. Denkbar ist, dass Preissenkungen dies deutlich überkompensieren. Noch Anfang Januar war der Liter Diesel im Bundesdurchschnitt mehr als 30 Cent teurer, als die wegen des Preiskampfs prognostizierten 99 Cent.

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