1. Startseite
  2. Wirtschaft

Bildung allein reicht nicht

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christophe Nijdam

Kommentare

Wer sich "fianziell bilder", hat bessere Erfolgsaussichten im Leben, so der Europäische Bankenverband. Das Problem ist nur, dass viele Finanzprodukte für Laien nicht zu durchschauen sind.

Europas Bürger sollen shoppen, gerne auch grenzüberschreitend, um den Binnenmarkt wieder in Schwung zu bringen. EU-Mitgliedstaaten und Kommission legen Wert darauf, dass die Bürger auch ihre finanzielle Vorsorge immer mehr dem gemeinsamen Kapitalmarkt anvertrauen. Amerikanische Konsumenten tun das bereits seit Langem und auch die EU erwartet davon große Vorteile.

Das erklärt, weshalb die Kommission in ihrem Aktionsplan für die Kapitalmarktunion betont, dass die europäischen Bürger sich mehr über den Kapitalmarkt informieren und sich entsprechende Kompetenz aneignen sollen. Private Sparguthaben sollen für Anlagen auf dem Kapitalmarkt mobilisiert und für Investitionen genützt werden.

Doch bevor Konsumenten sich auf das Parkett wagen, sollen sie sich zuerst in Finanzsachen ausreichend bilden und Verantwortung für ihre Anlageentscheidungen übernehmen. Finanzielle Bildung ist dafür ein wichtiges Instrument. Die Finanzindustrie steht natürlich ganz hinter der Initiative. Der europäische Bankenverband EBF stellt fest, dass „Menschen, die finanziell gebildet sind, im Leben bessere Erfolgsaussichten haben“.

Diese Sicht der Dinge ist etwas zu einfach. Zwar ist Bildung immer eine gute Sache. Ich bezweifle aber, dass der Durchschnittsbürger willens und in der Lage ist, sich ausreichend Kenntnisse anzueignen, um im unübersichtlichen und komplexen Markt für Finanzprodukte so kompetent zu agieren, dass ein gesellschaftlich und wirtschaftlich positives Ergebnis herauskommt. Es ist unwahrscheinlich, dass der Konsument jemals das Wettrüsten mit der Finanzbranche gewinnen wird: Dafür sorgt diese schon mit immer intransparenteren Produkten. Daher bleiben manche Bereiche besser weiterhin der staatlichen Aufsicht überlassen. Effektive Regulierung, Verhaltensregeln, Produktstandardisierung und eine handlungsfähige Finanzaufsicht mit angemessenen Durchgriffsmöglichkeiten sind unabdingbar und können auch durch finanzielle Bildung nicht ersetzt werden.

Wir sollten uns fragen, was wir eigentlich schaffen wollen: Einen Markt für Produkte, die den Bedürfnissen der Bürger gerecht werden und langfristigen Nutzen für die Realwirtschaft stiften, oder eine Gesellschaft spekulativer Kleinanleger, die ihr Kapital in alles Erdenkliche stecken, was von professionellen Finanzjongleuren feilgeboten wird, ohne Rücksicht auf Verluste?

Auch interessant

Kommentare