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Finanz- und Wirtschaftskrise spiegeln sich im Bruttoinlandsprodukt der USA wider. Es schrumpfte nach vorläufigen Zahlen im Schlussquartal 2008 mit einer Jahresrate von 3,8 Prozent.

Konjunktur in USA und Japan

Ein Bild des Schreckens

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Die US-Wirtschaft ist im Schlussquartal 2008 so stark geschrumpft wie seit 27 Jahren nicht mehr. In Japan brach die Industrieproduktion so kräftig ein wie noch nie seit 1953. Von Robert von Heusinger

Harte Daten aus den beiden größten Volkswirtschaften der Welt zeichnen ein Bild des Schreckens. In den USA schrumpfte die Wirtschaft im vierten Quartal so kräftig wie zuletzt vor 26 Jahren, in Japan brach die Industrieproduktion im Dezember so stark ein, wie noch nie seit 1953, als die Japaner erstmals die Daten erfassten.

Damit bestätigen sich die Horrorszenarien der Weltrezession, die Volkswirte Ende vergangenen Jahres gemalt hatten. Zwar ging das Brutto-Inlandsprodukt in Amerika mit der annualisierten Rate von minus 3,8 Prozent weniger zurück, als im Schnitt der Prognosen erwartet. Allerdings kam es zu einem kräftigen Aufbau der Lager, der das Wachstum 1,3 Prozentpunkte hat höher ausfallen lassen. Dieser Lageraufbau dürfte sich im ersten Quartal umkehren und dafür sorgen, dass die US-Wirtschaft weiter schrumpft.

"Es schaut ganz so aus, als habe die US-Wirtschaft negativen Schwung mit ins erste Quartal genommen", sagte US-Notenbankgouverneur Laurence Meyer dem Sender Bloomberg TV.

Aufgrund der stark gefallenen Rohstoffpreise hat sich die Inflation im vierten Quartal verflüchtigt. So sank der BIP-Deflator auf minus 0,1 Prozent. So etwas hat es in Amerika zuletzt 1954 gegeben, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg nachgerechnet hat.

Im gesamten Jahr 2008 ist die US-Wirtschaft mit plus 1,3 Prozent genauso langsam gewachsen wie die deutsche. Ohne die Konsumgutscheine, die im Frühjahr an die Haushalte verteilt worden sind und den Verbrauch zur Jahresmitte gestützt haben, wäre das Wachstum noch schwächer ausgefallen.

Japans Industrie bricht ein

Auch Japan rutscht immer tiefer in die Rezession. Die Industrieproduktion brach im Dezember zum Vormonat um beispiellose 9,6 Prozent ein, da die Nachfrage nach Autos, Elektronik und Maschinen "Made in Japan" rapide abnahm. Der Industrieausstoß ging zum Vorjahr sogar um mehr als ein Fünftel zurück. Zugleich stieg die Arbeitslosigkeit auf den höchsten Stand seit drei Jahren. Die kaum noch spürbare Jahresteuerung belebt zudem Ängste vor einer Deflation.

"Da die Produktion krisenbedingt weiter angepasst werden muss, wird sich die wirtschaftliche Schwäche in den Monaten Januar bis März fortsetzen", sagte Tatsushi Shikano von Mitsubishi UFJ Securities. Auch Wirtschaftsminister Kaoru Yosano ist skeptisch: "Wir haben einen solchen Einbruch der Industrieproduktion noch nicht erlebt." Die Produktion in dem exportorientierten Land ist bereits auf dem niedrigsten Niveau seit 20 Jahren. (mit rtr)

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