WIR-MU-AUFSCHLAG-B_144917_1_10
+
Lächelt lästige Fragen weg: Finanzchefin Bettina Orlopp.

Corona

Commerzbank überrascht mit Zahlen

  • Nina Luttmer
    vonNina Luttmer
    schließen

Das Frankfurter Geldhaus macht zwar einen Verlust, präsentiert aber bessere Zahlen als erwartet. Die spannendste Frage aber ist: Wer wird neuer Chef? Oder Chefin?

Es half nichts. Zwar hatte Bettina Orlopp bereits direkt zu Beginn des Telefongesprächs mit Journalisten gesagt, dass sie weder etwas zur neuen Strategie noch zu den personellen Veränderungen bei der Commerzbank sagen könne. Aber Journalisten wären keine Journalisten, wenn sie das so akzeptiert hätten.

Und so versuchten die Medienvertreter der Finanzvorständin der Commerzbank natürlich dennoch wiederholt, bedeutsame Neuigkeiten zu entlocken. Ob Orlopp Kandidatin für den Commerzbank-Chefsessel sei, wollten sie etwa wissen. Und was für ein Verhältnis sie zu dem erst am Dienstag offiziell eingesetzten neuen Aufsichtsratschef der Bank, Hans-Jörg Vetter, habe. Orlopp blieb freundlich, wirkte zwischenzeitlich sogar amüsiert - und wiederholte im Grundsatz immer nur ihre Anfangsaussage: „Kein Kommentar“.

Neuer Bankchef gesucht: Ist Orlopp Kandidatin?

Die neugierigen Fragen basieren auf folgenden Fakten: Martin Zielke, „Noch-Chef“ der Bank, und Stefan Schmittmann, bis zum 3. August Aufsichtsratschef des Instituts, warfen vor wenigen Wochen zeitgleich das Handtuch. Der nach dem Bund zweitgrößte Aktionär, der Finanzinvestor Cerberus, hatte die beiden mit öffentlich geäußerter Kritik an der Unternehmensausrichtung quasi vom Hof gejagt.

Nun hat die Bank mit Vetter zwar einen neuen Aufsichtsratschef - der muss nun aber bis Ende des Jahres, wenn Zielke spätestens abtreten wird - einen Chef oder eine Chefin für die Bank finden. Orlopp und Firmenkundenchef Roland Boekhout gelten dabei als die beiden „heißen“ internen Kandidaten.

Bei der Commerzbank könnte ein Viertel aller Stellen wegfallen

Wer auch immer die Bank künftig führen wird, diese Person wird harte Einschnitte verkünden müssen. Im Raum stehen angeblich ein Abbau von einem Viertel der knapp 40 000 Arbeitsplätze und die Schließung hunderter Filialen.

Immerhin konnte Orlopp am Mittwoch überraschend positive Quartalsergebnisse verkünden. Das trieb den Aktienkurs des im MDax notierten Konzerns nach oben, obwohl die Bankführung gleichzeitig mitteilte, dass sie für das Gesamtjahr nun einen Verlust erwartet - es wäre der erste seit dem Jahr 2009.

Commerzbank muss Kredit an Wirecard abschreiben

Denn zum einen sollen in diesem Jahr Restrukturierungskosten von 200 Millionen Euro für den weiteren Umbau der Bank gebucht werden. Zum anderen belastet - wie bei anderen Banken weltweit auch - die Risikovorsorge für ausgefallene und ausfallgefährdete Kredite. Mit 795 Millionen Euro hat die Bank im ersten Halbjahr schon mehr dafür zurückgelegt als im gesamten Jahr 2019 mit 620 Millionen Euro. Der Höhepunkt der Corona-bedingten Insolvenzen stehe wohl erst im dritten und vierten Quartal 2020 sowie womöglich noch im ersten Quartal 2021 bevor, glaubt Orlopp. Für das Gesamtjahr rechnet die Commerzbank mit einer Risikovorsorge von 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro und damit mit etwas mehr als noch vor einigen Wochen.

Die Commerzbank musste im zweiten Quartal auch 175 Millionen Euro auf ein Einzel-Engagement abschreiben. Das Institut nannte dazu keine Details. Es handelt sich aber vermutlich um einen Kredit, den die Bank dem wohl kriminell agierenden und inzwischen insolventen Konzern Wirecard gewährt hatte.

Gewinn im zweiten Quartal gleicht Verlust im ersten Quartal nicht aus

Unter dem Strich wies die viertgrößte deutsche Bank im zweiten Quartal einen Gewinn von 220 Millionen Euro aus. Analysten hatten im Schnitt mit nur 95 Millionen Euro gerechnet. Den Verlust des ersten Quartals konnte das allerdings nicht ausgleichen: Für das erste Halbjahr weist die Bank ein Minus von 96 Millionen Euro aus.

Kapitalseitig fühlt sich die Bank mit einer Kernkapitalquote von 13,4 Prozent gut ausgestattet. „Für künftige Herausforderungen haben wir ausreichend Wasser unter dem Kiel“, so Orlopp.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare