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Trieb den Arcandor-Konzern an den Rand der Pleite: Der einstige Vorzeigemanager Thomas Middelhoff.

Karstadt

"Big T" soll blechen

Der Karstadt-Insolvenzverwalter zieht gegen den Ex-Vorstandschef Middelhoff vor Gericht. Es geht um Schadenersatz in dreistelliger Millionenhöhe. Von Jutta Maier

Von Jutta Maier

Selbst damals, im Februar 2009, zeigte der Mann, den seine Freunde "Big T" nennen, sein Siegerlächeln. "Ich weiß, dass ich Arcandor nicht vollständig besenrein hinterlasse", sagte Thomas Middelhoff bei der denkwürdigen Pressekonferenz zu seinem Abgang bei Arcandor. In knapp fünf Jahren hatte der Topmanager den einstigen KarstadtQuelle-Konzern an den Rand der Pleite geführt und gab den Chefposten an Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick ab. Das hinderte ihn aber nicht an dem Hinweis, dass es den Konzern ohne seinen radikalen Umbau gar nicht mehr geben würde.

Vier Monate später musste Arcandor Insolvenz anmelden. Die Folgen sind bekannt. Middelhoff kümmerte das zunächst wenig: Er sicherte sich einen auf jährlich vier Millionen Euro dotierten Beratervertrag bei der Privatbank Sal. Oppenheim, der nur wenige Monate später wieder gelöst wurde. Dafür soll er eine Abfindung von rund zehn Millionen kassiert haben.

Doch die Vergangenheit hat Middelhoff längst eingeholt. Arcandor- und Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg will den früheren Konzernchef sowie weitere, ehemalige Vorstandsmitglieder nun auf Schadenersatz in dreistelliger Millionenhöhe verklagen. Ein Sprecher bestätigte gestern, dass eine entsprechende Klage beim Landgericht Essen eingegangen ist. Es geht um rund 175 Millionen Euro.

Der Vorwurf: Die fünf Karstadt-Immobilien in Potsdam, München, Karlsruhe Leipzig und Wiesbaden sollen unter Marktwert an den Oppenheim-Esch-Fonds veräußert und dann zu überhöhten Preisen zurückgemietet worden sein. Diesen Deal fädelte allerdings noch Middelhoffs Vorgänger Wolfgang Urban ein. Die hohen Mieten gelten als Hauptgrund für die Insolvenz von Karstadt und sind auch Thema der Verhandlungen zwischen Karstadt-Investor Nicolas Berggruen und Hauptvermieter Highstreet.

Middelhoff streitet alles ab

Die Mietverträge seien "offensichtlich wirtschaftlich nachteilig" gewesen, aber trotzdem unterzeichnet worden, sagte Görgs Sprecher. Zudem habe Middelhoff versäumt, die Verantwortlichen in Regress zu nehmen, obwohl dies möglich gewesen wäre. Middelhoff hatte dies stets abgestritten. Ebenso wies der Manager alle Untreue-Vorwürfe von sich, wenn es um seine private Beteiligung an eben jenen Fonds geht, die die Mieten von Karstadt kassieren. Görg wirft Middelhoff vor, nicht gegen die hohen Preise vorgegangen zu sein, weil er als Privatmann davon profitiert habe - ein ungeheuerlicher Vorgang.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit Juli 2009 gegen den Manager, eine Anklage wurde aber noch nicht erhoben. Görg könne das Ergebnis der Ermittlungen jedoch nicht abwarten, weil Teilaspekte zu verjähren drohten, so dessen Sprecher.

Als Middelhoff im Juni 2004 den Vorstandsvorsitz von Arcandor übernahm, ruhten große Hoffnungen auf ihm. Immerhin hatte er als Chef des Bertelsmann-Konzerns dank des New Economy-Booms Erfolge feiern können, musste jedoch am Ende wegen eines Streits über einen Börsengang mit der Inhaberfamilie Mohn gehen. Auch bei KarstadtQuelle startete er mit Volldampf, taufte den Konzern in Arcandor um und baute das Touristikgeschäft aus. Doch der Gewinneinbruch der Warenhäuser und der schlechte Verkaufspreis für Neckermann führten zu einem radikalen Kurssturz. So scheiterte der Mann für die ganz großen Deals erneut.

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