+
79 Bieter melden ihr Interesse am legalen Cannabis-Anbau an.

Medizinisches Cannabis

79 Bieter wollen Hanf anbauen

  • schließen

Die Lizenzen für die Produktion von medizinischem Cannabis sind gefragt. Mit der ersten Ernte rechnet das zuständige Bundesinstitut Ende 2020.

Das Interesse, eine Lizenz zum legalen Anbau von Cannabis in Deutschland zu erhalten, ist groß: 79 Bieter haben in dem Ausschreibungsverfahren der neuen staatlichen Cannabisagentur Angebote abgegeben, teilte das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) am Montag mit. Wer den Zuschlag gewonnen hat, soll spätestens im Juni feststehen.

Mit der ersten Ernte rechnet das Bfarm Ende 2020. Der staatlich kontrollierte Anbau in Deutschland soll zur Versorgung schwerkranker Patienten beitragen. Die vorherige große Koalition hatte Anfang 2017 den Weg dafür frei gemacht, dass Cannabis auf Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung verschrieben werden kann. Derzeit wird Cannabis für deutsche Patienten aus dem Ausland importiert, unter anderem aus den Niederlanden.

Die Ausschreibung umfasst jetzt 10,4 Tonnen Cannabis, verteilt auf vier Jahre mit jeweils 2,6 Tonnen. Die Anbaumenge wurde auf 13 Lose zu je 200 kg Jahresmenge aufgeteilt. Damit sollte nach Angaben des Bundesinstituts eine Beteiligung auch von kleineren Unternehmen erreicht und zugleich im Sinne der Patientenversorgung das Ausfallrisiko vermindert werden. Ein Bieter kann maximal für fünf Lose einen Zuschlag erhalten.

Mehr Patienten beantragen die Behandlung mit Cannabis

Eigentlich war schon für dieses Jahr die erste Ernte aus staatlich kontrolliertem Anbau geplant. Das Bfarm hatte eine erste Ausschreibung aber aufheben müssen, weil sie aufgrund einer Klage gerichtlich gestoppt wurde. Ein klagendes Unternehmen sah aufgrund einer kurzfristigen Änderung der Ausschreibungsbedingungen seine Rechte verletzt.

Im Unterschied zur ersten Ausschreibung wurde die Menge von 6,6 auf 10,4 Tonnen erhöht. Denn inzwischen ist bekannt, dass mehr Patienten einen Antrag auf Behandlung mit Cannabis beantragen als zunächst angenommen. Das hat auch zu Engpässen bei der Versorgung geführt.

Bis zum Inkrafttreten des neuen Gesetzes benötigten Patienten eine Ausnahmegenehmigung, um Cannabis zu bekommen – auf eigene Kosten. Nur etwa 1000 Schwerstkranken gelang es, eine derartige Genehmigung zu erhalten. Erst nachdem Patienten vor dem Bundesverwaltungsgericht durchsetzten, Cannabis auch selbst anbauen zu dürfen, reagierte die damalige große Koalition: Durch die Neuregelung dürfen Cannabis-Präparate von jedem Arzt verschrieben werden, wenn alle übrigen Behandlungswege ausgeschöpft wurden. Der Antrag muss aber von der Krankenkasse genehmigt werden.

Nach den letzten zur Verfügung stehenden Zahlen verschrieben die Ärzte im ersten Halbjahr 2018 in rund 80 000 Fällen Cannabis.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare