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War das Hotel wirklich das beste und preiswerteste?

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Bezahlte Rankings

Viele Vermittlungsportale enthalten verdeckte Kosten, zudem können Provisionen Ergebnisse beeinflussen, kritisieren Verbraucherschützer.

Online-Vermittlungsplattformen für Flüge, Übernachtungen, Mobilfunk, Strom oder Kredite sind laut einer Studie von Verbraucherschützern nur eingeschränkt empfehlenswert. Sie könnten zwar Orientierung auf unübersichtlichen Märkten bieten, enthielten aber verdeckte Kosten für Verbraucher, teilte der Marktwächter Digitale Welt der Verbraucherzentrale Bayern am Montag mit. Die Marktwächterexperten nahmen 30 Plattformen unter die Lupe; konkrete Unternehmensnamen nannten sie nicht. Zwei Unternehmen nannten gar keine Nutzungsbedingungen.

Die Plattformen bieten ihre Dienste nur vermeintlich umsonst an, wie die Verbraucherschützer betonten. Kosten entstünden durch die Verwertung persönlicher Daten der Nutzer oder durch höhere Preise als beim Anbieter direkt. Diese erhöhten Preise entstünden, wenn Provisionszahlungen eingespeist werden.

Provisionszahlungen können demnach auch die Reihenfolge der Suchergebnisse beeinflussen – Verbraucher können so für sie ungünstige oder teurere Angebote auswählen. Nur vier von 28 Plattformen dokumentieren in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), wie die Reihenfolge überhaupt zustande kommt.

Für die Verbraucher seien die Auswirkungen der Provisionen nur schwer festzustellen. „Deshalb sehen wir sie besonders kritisch“, erklärte Tatjana Halm, Teamleiterin beim Marktwächter Digitale Welt der Verbraucherzentrale Bayern.

Nur acht von 28 Webseiten stellen laut Untersuchung dar, wie vollständig ihr Angebot ist. Dass Vermittlungsplattformen häufig nicht das komplette Angebot abdecken, ist vielen Kunden aber gar nicht bewusst. In einer Online-Umfrage unter 643 Nutzern stimmten 48 Prozent zu oder eher der Aussage zu, dass sie dort einen vollständigen Überblick erhielten.

Weiteres Ergebnis der Untersuchung laut Bericht der Funke Mediengruppe: Bei vielen Plattformen sei nicht auf den ersten Blick erkennbar, ob das Vermittlungsportal oder beispielsweise das gebuchte Hotel der Vertragspartner ist. „Unklare Vertragsverhältnisse können im Reklamationsfall dafür sorgen, dass Anbieter und Plattform sich gegenseitig die Verantwortung zuschieben und der Verbraucher der Leidtragende ist“, kritisierte Halm.

Die Verbraucherschützerin empfahl, Rankings von Vermittlungsplattformen immer mit einem Filter – etwa nach Preisen – zu sortieren, um tatsächlich eine korrekte Reihenfolge der günstigsten Angebote zu erhalten. Verbraucher sollten zudem mehrere Portale zum Vergleich der Ergebnisse nutzen und prüfen, ob alle großen Anbieter in den Rankings dabei sind. 

afp

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