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Zu Thema Pflege hatten FR-Leserinnen und Leser viele Fragen.

FR-Telefonaktion

Was bezahlt die Pflegekasse?

Experten gaben unseren Leserinnen und Lesern Tipps für die Beantragung eines Pflegegrades, welche Unterstützung pflegende Angehörige erhalten und ob auch die Nachbarin dabei helfen darf.

Wer Angehörige pflegt, investiert viel Zeit und Hingabe in diese Tätigkeit. Irgendwann kommen die meisten an die Grenzen ihrer Belastbarkeit – haben sie doch auch noch Job, Familie oder Kinder, die alle unter einen Hut gebracht werden wollen. Wie kann die Pflege erleichtert werden? Zu diesem Thema hatten FR-Leserinnen und Leser viele Fragen.

Ich bin schwerbehindert. Brauche ich von meinem Arzt ein Attest, um einen Antrag auf Pflegegrad stellen zu können?
Nein, das brauchen Sie nicht. Beim Pflegegrad spielt eine Diagnose, wie sie für einen Schwerbehindertenausweis nötig ist, keine Rolle. Hier geht es darum, wie es zum Beispiel um Ihre Mobilität bestellt ist oder ob Sie Hilfe bei der Körperpflege benötigen. Wenn Sie den Antrag gestellt haben, werden Sie einen Termin für die Begutachtung bekommen. Sie können für diesen Termin aber die aktuellen Befunde und Ihre Medikation bereitlegen.

Was passiert weiter, wenn man den Antrag auf Pflegegrad bei seiner Kasse gestellt hat?
Von der Pflegekasse geht der Antrag zum Medizinischen Dienst der Krankenkassen – oder zu medicproof bei privat Versicherten. Von dort erhalten Sie einen Termin für den Gutachterbesuch. Als Angehöriger sollten Sie dabei sein, um alles Nötige besprechen zu können. Der Termin dauert etwa eine Stunde. Es geht unter anderem darum, wie eingeschränkt die Selbstständigkeit ist, in welchen Bereichen Hilfe benötigt wird, ob ein Angehöriger oder ein ambulanter Dienst die Pflege übernimmt.

Ich betreue meine Mutter schon einige Zeit. Jetzt haben wir den Antrag auf Pflegegrad gestellt. Wie können wir uns auf die Begutachtung vorbereiten?
Indem Sie ein Pflegeprotokoll führen und möglichst genau notieren, wie der Alltag Ihrer Mutter vonstatten geht. Bei der Begutachtung liegt der Schwerpunkt darauf, wie selbstständig Ihre Mutter noch ist, beziehungsweise, wo sie Hilfe benötigt. Kann sie sich noch allein versorgen? Gibt es Einschränkungen in der Alltagskompetenz? So weit vorhanden, halten Sie auch medizinische Unterlagen bereit. Sie können sich vorab von einem Mitarbeiter des Pflegestützpunktes, der Pflegekasse oder bei privat Versicherten von der Compass-Pflegeberatung erläutern lassen, was solch eine Begutachtung beinhaltet.

Wie lange dauert es, bis nach der Begutachtung der Pflegegrad feststeht?
Es gibt dafür eine gesetzliche Frist, diese beträgt ab Datum der Antragstellung 25 Arbeitstage. Innerhalb dieser Zeit erhalten Sie einen Termin, an dem der Gutachter zum Antragsteller nach Hause kommt. Das Gutachten mit dem Pflegegrad erhalten Sie ein bis zwei Wochen im Anschluss daran. Wenn der Pflegegrad feststeht, sollten Sie sich vom Pflegeberater erklären lassen, auf welche Leistungen Sie Anspruch haben.

Ich benötige vor allem Hilfe beim Anziehen der Stützstrümpfe. Kann ich einen Pflegegrad bekommen?
Wenn es nur darum geht, können Sie sich auch eine Verordnung vom Arzt ausstellen lassen. Dann kommt jemand vom ambulanten Dienst morgens zu Ihnen, um zu helfen. Das ist dann eine Leistung der Krankenkasse. Sollten Sie noch weitere Einschränkungen haben, können Sie jederzeit einen Antrag auf Pflegegrad stellen.

Meine Mutter hat Pflegegrad 2. Wir wollen einen Teil der Pflege von einem ambulanten Dienst übernehmen lassen und einen Teil selbst machen. Wie ist das finanziell geregelt?
Bei Pflegegrad 2 gibt es 689 Euro für die so genannten Sachleistungen, die ein ambulanter Dienst erbringt. Für Leistungen, die Sie als pflegender Angehöriger erbringen, steht ein Pflegegeld von 316 Euro zur Verfügung. Da Sie sich die Pflege aufteilen wollen, handelt es sich nun um so genannte Kombi-Leistungen. Sachleistungen und Pflegegeld werden dann anteilig gezahlt – je nachdem, in welcher Höhe die Sachleistungen für den ambulanten Dienst prozentual in Anspruch genommen wurden.

Ist der Zuschuss für barrierefreie Umbauten an Bedingungen geknüpft?
Um exakt zu sein, handelt es sich dabei um einen Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Das kann der barrierefreie Wohnungszugang ebenso sein wie Türverbreiterungen oder die Entfernung von Türschwellen. Sie haben Anspruch auf bis zu 4000 Euro Zuschuss. Die Voraussetzungen: ein Pflegegrad, ein Kostenvoranschlag und dass dieser vor Beginn der Arbeiten bei der Pflegekasse eingereicht wurde.

Wir haben einen Zuschuss für den barrierefreien Badumbau bei meinen Eltern beantragt. Dort haben wir die Formulierung „pro Maßnahme“ gefunden. Bedeutet das, dass wir noch einmal einen Zuschuss erhalten können, sollten weitere Umbauten nötig werden?
Im Prinzip ja. Voraussetzung ist allerdings, dass sich der Zustand des Pflegebedürftigen verschlechtert hat und deshalb weitere Umbauten im Haus notwendig sind. Die Pflegekasse muss dem zustimmen. Unter Umständen ist es günstig, einen Antrag auf Höherstufung des Pflegegrades zu stellen. Ein Gutachter ist verpflichtet, alles zu berücksichtigen, was den Pflegealltag erleichtert.

Ich würde gern für einen längeren Zeitraum weniger arbeiten, um meinen Vater zu pflegen. Gibt es da eine Möglichkeit?
Es gibt die Möglichkeit der Familienpflegezeit. Laut Gesetz können Sie zwei Jahre lang Ihre Arbeitszeit verringern, müssen jedoch eine Mindestarbeitszeit von 15 Stunden pro Woche einhalten. In Ihrer Firma müssen mindestens 25 Mitarbeiter beschäftigt sein, ansonsten haben Sie keinen Rechtsanspruch. Dann müssen Sie mit Ihrem Chef eine individuelle Vereinbarung treffen. Familienpflegezeit muss acht Wochen vorher angekündigt werden. Während dieser haben Sie Kündigungsschutz, erhalten aber keine Lohnersatzleistungen von der Pflegekasse. Vielleicht können Sie dazu eine individuelle Abmachung mit Ihrem Arbeitgeber treffen.

Ich pflege meine Mutter. Wie ist geregelt, dass für mich Rentenbeiträge gezahlt werden, wenn ich deshalb weniger arbeite?
Ihre Mutter muss wenigstens den Pflegegrad 2 haben und mindesten zehn Stunden an insgesamt zwei Tagen in der Woche von Ihnen gepflegt werden. Sie selbst dürfen insgesamt bis zu 30 Stunden pro Woche arbeiten, und Sie dürfen noch keine Altersrentnerin sein. Die Pflegekasse Ihrer Mutter prüft dies in der Regel nach dem Gutachterbesuch und überweist dann die Sozialbeiträge an Ihren Rentenversicherungsträger.

Ich möchte meinen Mann in seinen letzten Wochen begleiten und dafür frei nehmen. Geht das so ohne Weiteres?
Ja, Sie können Pflegezeit nehmen. Für die Begleitung in der letzten Lebensphase können Sie drei Monate komplett aus dem Beruf aussteigen. Sie müssten das Ihrem Arbeitgeber spätestens zehn Tage vorher ankündigen. Eine Lohnersatzleistung ist vom Gesetzgeber nicht vorgesehen, aber Sie sollten mit Ihrem Chef sprechen, ob eine individuelle Vereinbarung getroffen werden kann, so dass Sie unter Umständen auch günstiger sozialversichert sind.

Gibt es bereits Einrichtungen, die neben einer Reha auch die Möglichkeit der Pflege anbieten, so dass man seinen Angehörigen mit dorthin nehmen kann?
Momentan ist das noch schwierig, auch wenn es die Gesetzesänderung seit Jahresbeginn so vorsieht. Aber die Einrichtungen müssen sich erst darauf einstellen, beispielsweise entsprechendes Personal einstellen. Es ist also möglich, dass Sie derzeit noch keine solche Möglichkeit finden. Im Laufe des Jahres wird sich dies aber sicher verändern. Wenn Sie jetzt eine Reha wahrnehmen möchten, können Sie Ihren Angehörigen für diese Zeit in der Kurzzeitpflege unterbringen.

Ich pflege meine Mutter, habe aber auch selbst Arzttermine oder anderes zu erledigen. In diesen Fällen würden die Nachbarin oder meine Schwester einspringen. Gibt es dafür Geld von der Pflegekasse?
Für solche Fälle, und ebenso, wenn Sie einmal Urlaub machen möchten, ist die Verhinderungspflege vorgesehen. Pro Jahr stehen dafür 1612 Euro für maximal sechs Wochen zur Verfügung. Es ist allerdings ein Unterschied, ob die Nachbarin oder Ihre Schwester die Pflege übernimmt. Für die Nachbarin oder einen ambulanten Dienst gilt: Diese stellen eine Rechnung, Sie bezahlen diese Rechnung, legen sie bei der Pflegekasse Ihrer Mutter vor und lassen sich den Betrag erstatten. Bei Ihrer Schwester ist die Regelung etwas anders, da es sich um eine Verwandte bis zum 2. Grad handelt. Sie kann maximal das Eineinhalbfache des Pflegegeldes Ihrer Mutter erhalten. Sie kann jedoch Fahrtkosten oder Verdienstausfälle bei der Pflegekasse einreichen. Diese werden aus den 1612 Euro beglichen.

Nach einem Krankenhausaufenthalt wird unsere Mutter vorübergehend in einer Einrichtung der Kurzzeitpflege betreut. Bezahlt das die Pflegekasse?
Ab Pflegegrad 2 gibt es von der Pflegekasse einen Zuschuss, und zwar für pflegerische Aufwendungen und medizinische Behandlungspflege. Das sind 1612 Euro für maximal sechs Wochen pro Jahr. Selbst zahlen muss Ihre Mutter Unterbringung, Verpflegung und eventuell Investitionskosten. Sie kann dafür das Pflegegeld verwenden, das während der Kurzeitpflege zur Hälfte weiter gezahlt wird, oder den Entlastungsbetrag von 125 Euro monatlich. Es gibt auch die Möglichkeit, den Betrag für die Kurzzeitpflege auf 3224 Euro zu verdoppeln – das wäre der Fall, wenn Sie keine Verhinderungspflege benötigen.

Kann unsere Nachbarin als Haushaltshilfe meine Frau unterstützen? Sie hat Pflegegrad 2. Wird das von der Pflegekasse bezahlt?
Leider ist das nicht ganz so einfach. Für solch eine Unterstützung benötigt man einen Anbieter, der eine Zulassung nach Landesrecht hat. Ansonsten müssen Sie alles selbst zahlen. Fragen Sie beim Pflegestützpunkt oder bei der Pflegekasse nach zugelassenen Anbietern. Für die Bezahlung können Sie den Entlastungsbetrag von 125 Euro monatlich nutzen. Haben Sie dieses Geld im vergangenen Jahr nicht verbraucht, können Sie es bis zum 30. Juni dieses Jahres noch ausschöpfen.

Ich denke, meinem Vater würde es gut tun, wenn er ab und zu einmal woanders hin kommt, mit anderen Menschen in Kontakt kommt oder ähnliches. Ich pflege ihn zu Hause, schaffe es aber nicht oft, auch noch Ausflüge mit ihm zu machen. Gibt es andere Möglichkeiten?
Sie können die Tagespflege nutzen. Dann wird Ihr Vater morgens abgeholt, verbringt den Tag in einer Tagespflege-Einrichtung, bekommt Essen, wird medizinisch versorgt und hat Kontakt mit anderen Menschen. Die Pflegekasse bezuschusst diese Leistungen in gleicher Höhe wie einen ambulanten Dienst. Das Gute ist, dass es sich um zwei verschiedene Töpfe handelt. Sie hätten bei Pflegegrad 2 also sowohl für den ambulanten Dienst als auch für die Tagespflege 689 Euro zur Verfügung.

Meine Bekannte macht einen online-Pflegekurs und bekommt dann im Rahmen der Nachbarschaftshilfe eine Vergütung. Ist das neu? Mir ist nur die zusätzliche Hilfe im Haushalt durch den ambulanten Dienst bekannt.
Hier muss man zwischen gesetzlich und privat unterscheiden. Für gesetzlich Versicherte gilt, dass solch eine Unterstützung eine Zulassung nach Landesrecht voraussetzt, damit es einen Anspruch auf Kostenerstattung gibt. Bei privat Versicherten ist es möglich, dass sich Bekannte oder Nachbarin mithilfe eines Kurses zur Nachbarschaftshelferin ausbilden und als Unterstützerin engagieren lassen. Es muss aber vorher mit der jeweiligen Versicherung geklärt werden, ob sie den Kurs anerkennt.

Die Experten

Sandra Gratzkowski ist Pflegeberaterin im Pflegestützpunkt Frankfurt. Vor ihrer jetzigen Tätigkeit war sie in den Bereichen der Behindertenhilfe und der Altenhilfe aktiv.

Karoline Walter arbeitet seit 2016 als Pflegeberaterin bei der Compass-Pflegeberatung für die privaten Krankenversicherungen. Sie ist ausgebildete Krankenschwester lebt mit Familie in der Wetterau.

Meinhard Johannides ist beim Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek), Landesvertretung Hessen, als Referatsleiter Grundsatzfragen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig. Er hat eine Ausbildung zum Sozialversicherungs-Fachangestellten.

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