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Ethan Brown (Mitte), Vorstandsvorsitzender von Beyond Meat, hat gut lachen. Anleger reißen sich um die Aktien des Burger-Herstellers. 

Burger-Boom: Start-up löst die Probleme der Massentierhaltung und erobert den Fleischmarkt

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Beyond Meat begeistert mit Burgern auf Pflanzenbasis die Börse. Das Potenzial ist in der Tat gewaltig.

Die Party läuft – und sie wird immer besser, wilder, verrückter. Der amerikanische Burger-Hersteller Beyond Meat eilt an der Börse von Rekord zu Rekord. In nur einem Monat hat sich der Marktwert des Unternehmens fast vervierfacht. Zum Börsengang am 3. Mai wurden die Aktien der Firma für 25 Dollar je Papier verkauft, am Mittwoch waren die Anteilsscheine fast 98 Dollar wert. Einige Anleger haben sich da in kurzer Zeit eine goldene Nase verdient.

Schon zum Börsengang war der Kurs der Firma, die Fleisch mit Hilfe pflanzlicher Rohstoffe nachahmt, in die Höhe geschossen. Beobachter waren geneigt, das als Übertreibung im Zuge der Euphorie über den Börsengang einzustufen. Doch bislang lässt der Kater auf sich warten, was nicht bedeutet, dass er nicht noch kommen kann.

Beyond Meat dürfte künftig auch politisch Rückenwind haben

Denn fundamental betrachtet ist die Bewertung des Unternehmens übertrieben. Im vergangenen Jahr machte Beyond Meat 88 Millionen Dollar Umsatz und einen Verlust von 30 Millionen Dollar. Trotzdem gestehen die Anleger der hippen kalifornischen Firma einen Wert von 5,7 Milliarden Dollar zu. Für sie ist die Zukunft wichtiger als die Gegenwart. Und da sind den Hoffnungen keine Grenzen gesetzt.

Denn Beyond Meat ist dabei, den billionenschweren Fleischmarkt zu erobern. Die Produkte der Firma schmecken auch Menschen, die mit herkömmlichen Fleischersatzprodukten bislang nichts anzufangen wussten. Zugleich löst das Start-up die riesigen Probleme der Massentierhaltung - darunter Tierleid, Umweltschäden, Klimawandel und Ressourcenverschwendung. Angesichts des Handlungsdrucks, der bei diesen Themen inzwischen herrscht, dürften Beyond Meat und Konkurrenten wie Impossible Foods künftig auch politisch Rückenwind haben.

Die Investmentbank Barclays sieht erhebliches Marktpotenzial: Es gebe Parallelen zwischen der Industrie für Fleischersatzprodukte und der Elektroautoindustrie, also: das Potenzial, eine ganze Branche grundlegend umzukrempeln. Das sieht auch der Landwirtschaftsexperte der Unternehmensberatung A.T. Kearney, Carsten Gerhardt, so: „Wir stehen vor nichts weniger als dem Ende der Fleischproduktion, wie wir sie kennen.“ In einer aktuellen Studie kommt er zu dem Ergebnis, dass in 20 Jahren nur noch 40 Prozent des konsumierten Fleischs von Tieren stammen wird. Der Marktanteil von Fleisch pflanzlichen Ursprungs taxiert er für 2040 auf 25 Prozent, noch mehr Potenzial rechnet er Fleisch zu, das mit neuen Verfahren in der Petrischale herangezüchtet wird (35 Prozent Marktanteil). Solche Produkte sind für Verbraucher noch überhaupt nicht verfügbar. Doch es wird eifrig getüftelt.

Beyond Meat wird weitere Konkurrenz erhalten

Alleine im vergangenen Jahr erhielten junge Firmen im Bereich des alternativen Fleischs 950 Millionen US-Dollar von Investoren. Das bedeutet auch: Beyond Meat wird weitere Konkurrenz erhalten.

Vorerst erobern die Kalifornier den Markt aber fast unbedrängt. In den Niederlanden entsteht in Partnerschaft mit dem Fleischlieferanten Zandbergen die erste europäische Produktionsstätte der Firma, wie Beyond Meat diese Woche mitteilte. In Deutschland hat Lidl den Burger nun im Angebot. Und dann haben Anleger aus einem ziemlich vagen Interview mit dem Chef von McDonalds noch herausgelesen, dass sich auch dort eine Tür öffnen könnte – die Aktie sprang deshalb am Mittwoch um 13 Prozent nach oben.  

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