+
Der Trend zu Fleischersatzprodukten ist intakt.

Analyse

Beyond Meat: Das große Gemetzel

  • schließen

Der Rausch ist vorbei. Die Aktie des Burger-Herstellers Beyond Meat fällt und fällt. Der Firma fehlt ein Burggraben. Die Analyse.

Es ist ein Absturz mit Ansage. So vorhersehbar wie unausweichlich. Der gehypte Burger-Hersteller Beyond Meat muss an der Börse heftig einstecken. Die Aktie der kalifornischen Firma notierte am Mittwoch zeitweise bei nur noch 92,50 Euro. Damit hat sich der Kurs seit dem Hoch am 26. Juli mehr als halbiert.

Im Zuge eines zuvor selten so gesehenen Runs auf eine Aktie war der Kurs bis dahin auf 221 Euro gestiegen. Damit hatte sich der Börsenwert des Herstellers von veganen Fleischersatzprodukten im Vergleich zum Erstausgabepreis der Aktie Anfang Mai verzehnfacht. Das konnte nicht gutgehen. Die Bewertung stand in keiner Relation mehr zu den Umsätzen und Verlusten der Firma. Doch die Anleger sahen in Beyond Meat den nächsten großen Lebensmittelgiganten. Und bekanntlich macht ja Phantasie die Kurse.

Nun hat sich Beyond Meat als Unternehmen durchaus gut entwickelt. Es hat für seine veganen Burger und Würste immer mehr Abnehmer gefunden. Und auch der Trend zu Fleischersatzprodukten ist intakt. Investmentbanken und Unternehmensberatungen erwarten, dass sich daraus ein milliardenschweres Geschäft entwickeln wird, das die herkömmliche Fleischbranche auf den Kopf stellen wird.

Längst sind denn auch traditionelle Player in den Markt eingestiegen. Der Schweizer Lebensmittelriese Nestlé hat zunächst einen eigenen Burger lanciert und dann veganes Hackfleisch. Lidl verkaufte zunächst die Beyond Burger, nur um dann den eigenen Next Level Burger in die Regale zu bringen. Kellogg’s ist ebenfalls im Geschäft, genauso wie der Fleischriese Tyson Foods. Und dann gibt es noch die unzähligen Start-ups, die ebenfalls an ihren eigenen Fleischalternativen tüfteln.

Dass das so kommen würde, war auch während des Hypes schon erkennbar. Nun scheint es der Markt begriffen zu haben. Und das lässt den Kurs fallen. Denn Wettbewerb schmälert die Marktanteile und verdirbt die Preise. Was Beyond Meat fehlt, ist in der Terminologie des legendären Investors Warren Buffett ein Burggraben, der die Firma vor Konkurrenz schützt.

Unternehmen verfügen zum Beispiel über Burggräben, wenn es für die Kunden mit hohen Kosten verbunden ist, zur Konkurrenz zu wechseln (etwa Apple); wenn ihr Produkt so einmalig ist, dass es gar keine Alternative dazu gibt (etwa eine neuartige Arznei); oder wenn ihre Marke so stark bei der Kundschaft verankert ist, dass diese treu bleibt, auch wenn es – womöglich sogar bessere – Alternativen gibt (Coca Cola, Nivea).

Bei Beyond Meat hätte das Image als Vegan-Pionier und Kultfirma einen solchen Burggraben darstellen können. Doch die Realität entzauberte diese Hoffnung gnadenlos.

Ohne Burggraben befindet sich eine Firma auf ungeschütztem Terrain. Die Konkurrenz kann schnell und einfach Kunden gewinnen. Das bedeutet nicht, dass aus Beyond Meat eine mediokre Firma geworden wäre. Im Gegenteil, die Erfolge sind weiterhin beeindruckend. Nur werden die überbordenden Fantasien der Investoren wohl nicht Realität werden.

Kurzfristig könnte es mit der Aktie weiter bergab gehen. Denn am kommenden Montag endet die Haltefrist für die Alteigentümer. Dann dürfen diese ihre Aktien verkaufen. Das Volumen der handelbaren Papiere wird sich auf einen Schlag vervierfachen. Dieses riesige Angebot könnte den Kurs weiter fallen lassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare