Gastwirtschaft

Betrogene Beschäftigte

  • schließen

Die Regeln der EU-Entsenderichtlinie müssen verbindlich für alle Bereiche gelten.Beschäftigte sollten im gleichen Land für die gleiche Arbeit auch den gleichen Lohn bekommen – egal ob sie Deutsche oder Bulgaren sind.

Arbeiten für 3,50 Euro in der Stunde, auf der Baustelle schlafen, über Jahre getrennt von der Familie leben – Beschäftigte aus dem EU-Ausland arbeiten in Deutschland oft zu menschenunwürdigen Bedingungen. Nicht nur auf dem Bau. In fast jeder Branche finden sich Arbeitnehmer, die von europäischen Unternehmen als sogenannte entsandte Beschäftigte für begrenzte Zeit nach Deutschland geschickt werden.

Obwohl diese Menschen nach der EU-Entsenderichtlinie Anspruch auf den deutschen Mindestlohn haben, werden viele zu Dumpingpreisen beschäftigt oder bekommen überhaupt kein Geld ausgezahlt. Das ist ein Armutszeugnis – für Deutschland und für Europa. Solange europäische Beschäftigte in einem der reichsten Länder der EU um ihre Rechte betrogen werden, sind wir von einem sozialen Europa noch weit entfernt.

Zwar hat das EU-Parlament die Entsenderichtlinie vor einem Jahr überarbeitet, allerdings stehen einige Branchen wie der Straßentransport weiterhin stark unter Druck. Hier gibt es auch nach der Änderung des Parlaments einen Zwei-Klassen-Arbeitsmarkt, der Arbeiter aus dem Ausland diskriminiert.

Die Regeln der EU-Entsenderichtlinie müssen verbindlich für alle Bereiche gelten. Beschäftigte sollten im gleichen Land für die gleiche Arbeit auch den gleichen Lohn bekommen – egal ob sie Deutsche oder Bulgaren sind.

Unternehmen, die sich daran nicht halten, müssen bestraft werden, und zwar so, dass sie es auch spüren. Doch dafür fehlen den deutschen Behörden leider oft die nötigen Befugnisse und das Personal. Viele Entsandte arbeiten nicht nur in Deutschland, sondern auch im europäischen Ausland. Hier stößt der deutsche Zoll schnell an seine Grenzen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert deshalb eine durchschlagskräftige europäische Arbeitsbehörde, die nationale Kontrollen unterstützt. Den entsprechenden Plan der europäischen Institutionen gilt es jetzt schnell umzusetzen. Und die EU-Entsenderichtlinie muss umgehend nationales Recht werden: Die Bundesregierung muss ein Gesetz auf den Weg bringen, das die in Europa vereinbarten Verbesserungen für entsandte Beschäftigte umsetzt. Der Binnenmarkt hat den Menschen zu dienen, nicht umgekehrt – nur dann können sie von den Vorzügen Europas überzeugt werden. In der sozialen Frage liegt die Zukunft Europas!

Die Autorin ist Vorstandmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare