+
Kurt Bock zieht von New York nach Mannheim und wird neuer Chef bei BASF.

Führungswechsel bei BASF

Betriebswirt folgt auf Chemiker

  • schließen

Nach 20 Jahren Konzerntreue rückt Kurt Bock am Freitag an die Spitze des Chemiekonzerns BASF. Der 52-Jährige gilt als zurückhaltender als sein Vorgänger Jürgen Hambrecht - was durchaus ein Vorteil sein kann.

Ohne Stallgeruch wird beim größten Chemiekonzern der Welt keiner Chef. Auch der künftige Konzernleiter, Kurt Bock, der am Freitag seinen ersten Arbeitstag an der Spitze des Unternehmens hat, wurde in den eigenen Reihen gesucht und gefunden. Er ist erst der zweite Mann, dem als Nicht-Chemiker in dem Chemiekonzern die Führung anvertraut wird. Auf den Naturwissenschaftler Jürgen Hambrecht folgt Betriebswirt Bock.

Der Neue tritt ein riesiges Erbe an. Hambrecht hat den Konzern acht Jahre lang ausgebaut und zuletzt erfolgreich durch die Wirtschaftskrise gebracht. Das letzte vollständige Geschäftsjahr seiner Zeit an der Konzernspitze schloss er mit Umsatz- und Rekordgewinn ab. An solchen Zahlen wird sich Bock messen lassen müssen.

Das Rüstzeug dazu bringt er mit. Nach BWL-Studium und Promotion begann er seine Berufslaufbahn vor 26 Jahren bei der BASF und blieb dem Konzern mit Ausnahme eines sechsjährigen Intermezzos beim Autozulieferer Bosch treu. Dort verantwortete er das Finanzressort und das Brasiliengeschäft, nach seiner Rückkehr zu BASF leitete er die US-Tochter, die Logistiksparte und war zuletzt vier Jahre lang Finanzvorstand.

Die Richtungsentscheidungen seines Vorgängers hat er seit Jahren mitgetragen, und er hat auch jetzt nicht vor, die Konzernstrategie neu auszurichten. Seine erste große Aufgabe wird der Verkauf des Geschäfts mit Stickstoffdünger sein. Das berühmte Haber-Bosch-Verfahren wurde bei BASF entwickelt, später mit dem Nobelpreis ausgezeichnet und war ein entscheidender Baustein für den Erfolg des Unternehmens. Heute wirft es nicht mehr genügend Gewinn ab.

Bock selbst plant, lange in seinem Amt zu bleiben. Noch vor seinem ersten Arbeitstag in der neuen Funktion hat er durchblicken lassen, dass er wie sein Vorgänger das Unternehmen zwei Amtsperioden und damit insgesamt acht Jahre lang leiten möchte. Dafür zieht der 52-Jährige mit seiner Familie von New York nach Mannheim. Dass er lange in den USA gelebt hat, merkt man seinem Englisch an. Anders als Hambrecht spricht er nicht mit starkem deutschen Akzent. Dafür neigt er dazu, vor Publikum hastig zu reden. Sein Stil ist insgesamt zurückhaltender, was ihm im Dialog mit der Politik zum Vorteil gereichen wird. Dort hatte Hambrecht mit seiner forschen Art manch einen vor den Kopf gestoßen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare