Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Betriebsrente ist für viele in Deutschland ein wichtiger Teil der Altersvorsorge. Ab kommendem Jahr werden die Konditionen verbessert. (Symbolbild)
+
Die Betriebsrente ist für viele in Deutschland ein wichtiger Teil der Altersvorsorge. Ab kommendem Jahr werden die Konditionen verbessert. (Symbolbild)

Altersvorsorge

Betriebliche Altersversorgung: Mehr Geld im Ruhestand – Was Beschäftigte wissen sollten

  • VonMechthild Henneke
    schließen

Die betriebliche Altersversorgung wird sich im Januar 2022 ändern: Firmen müssen Entgeltumwandlungen in jedem Fall bezuschussen. Das sollten Sie beachten.

Frankfurt – Die betriebliche Altersversorgung (bAV) stellt für viele Beschäftigte eine wichtige Ergänzung der gesetzlichen Rente dar. Die Betriebsrente hat in Deutschland Tradition. Lange Zeit existierte sie nur in einzelnen Unternehmen, heute haben alle Arbeitnehmer:innen grundsätzlich einen Anspruch auf eine Betriebsrente, wenn sie in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind.

Die Konditionen werden für die Beschäftigten von kommenden an Jahr verbessert. Arbeitgeber müssen Entgeltumwandlungen dann in jedem Fall bezuschussen – egal, ob ein Vertrag alt oder neu ist. Wir erklären, was dabei zu beachten ist.

Betriebliche Altersversorgung: Unternehmen wählt Anlageform

„Die betriebliche Altersversorgung organisiert und führt in jedem Fall der Arbeitgeber durch“, sagt Katja Braubach, Sprecherin bei der Deutschen Rentenversicherung Bund. Er wählt die Anlageform aus, kümmert sich um die Beitragszahlungen und ist der Vertragspartner für den ausgewählten Anbieter oder Finanzdienstleister.

Der Arbeitgeber schließt mit den Arbeitnehmer:innen eine Vereinbarung über die betriebliche Altersversorgung. Wie die bAV praktisch umgesetzt wird, regeln Unternehmen individuell, häufig gemeinsam mit den Beschäftigten. Einige Branchen sehen eine bAV im Tarifvertrag vor, wie in dem für Medizinische Fachangestellte. Arbeitgeber sind nicht verpflichtet, Arbeitnehmer:innen über die Möglichkeit einer betrieblichen Altersversorgung zu informieren. Möchten Beschäftigte diese abschließen und haben vom Arbeitgeber dazu bisher nichts gehört, können sie die Personalabteilung oder Geschäftsführung selbst ansprechen.

Brutto-Gehalt finanziert die betriebliche Altersversorgung

Die betriebliche Altersversorgung wird häufig auf dem Weg einer sogenannten Entgeltumwandlung realisiert. Das bedeutet: Die Person erklärt sich damit einverstanden, dass ein Teil ihres Brutto-Gehalts in einen Vorsorgevertrag investiert wird. Die Auszahlung fängt mit Rentenbeginn an.

Das Bruttogehalt des Beschäftigten sinkt um den bAV-Beitrag, zum Beispiel von 3000 Euro auf 2900 Euro. In der Folge reduzieren sich die Steuer- und Sozialabgaben, inklusive der Renten- und Krankenversicherung; auch das Nettogehalt fällt geringer aus. „Logischerweise erhält der Arbeitnehmer später etwas weniger Rente und im Krankheitsfall geringere Krankengelder“, sagt Klaus Stiefermann von der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung in Berlin, dem Fachverband für die betriebliche Altersversorgung. Dieser Nachteil sollte durch die Leistungen aus der betrieblichen Altersversorgung ausgeglichen werden, sagt er. Die Beschäftigten sollten aber über diesen Aspekt informiert sein.

Betriebliche Altersversorgung: Bezuschussung des Vertrags

Bis Ende des Jahres müssen Arbeitgeber lediglich Neuverträge in Höhe von 15 Prozent des bAV-Beitrags bezuschussen. Ab dem 1. Januar 2022 tritt die nächste Stufe des Betriebsrentenstärkungsgesetzes in Kraft. Danach sind Arbeitgeber verpflichtet, den Zuschuss zu jeder Entgeltumwandlung zu zahlen. Bei einer Vorsorgeleistung von 100 Euro monatlich wären das 15 Euro, die der Arbeitgeber oben drauflegen muss. Voraussetzung für die Bezuschussung ist unter anderem, dass die bAV wie oben erwähnt über eine Direktversicherung, eine Pensionskasse oder einen Pensionsfonds erfolgt.

Durch die Gesetzesänderung erhalten mehr Beschäftigte ein Anrecht auf einen Zuschuss. „Die nächste Stufe des Betriebsrentenstärkungsgesetzes ist für alle Arbeitgeber verpflichtend. Ausnahmen können bei tarifgebundenen Beschäftigungsverhältnissen bestehen“, sagt Ralf Raube, Bereichsvorstand Betriebliche Altersvorsorge beim Finanzdienstleister MLP.

Arbeitnehmer:innen müssten nicht selbst aktiv werden, um von der Neuregelung zu profitieren. „Sofern sie aber keine Information über die neuen Regelungen von ihrem Arbeitgeber erhalten haben, sollten sie ihn oder die Personalabteilung auf mögliche Änderungen in ihren Bestandsverträgen ansprechen“, empfiehlt er.

Betriebliche Altersversorgung verbessert: Umsetzung der Neuregelung

„Es gibt verschiedene Wege, wie die neue Regelung umgesetzt wird“, sagt Stiefermann. Zunächst gelte es abzuklären, ob ein Anspruch auf den Zuschuss bestehe. Ist dieser gegeben, böten sich drei Wege an.

Die erste Variante ist, den bestehenden Vertrag aufzustocken. Zahlreiche Verträge wurden jedoch vor zehn oder zwanzig Jahren abgeschlossen, als es noch hohe Garantiezinsen gab: Diese sind längst Vergangenheit. Die wohl noch lange anhaltenden niedrigen Zinsen lassen hohe Garantiezinsen nicht mehr zu. „Aus diesem Grund wird nicht jeder Anbieter die Erhöhung eines Bestandsvertrags zulassen“, sagt Stiefermann. Zwar spreche das Gesetz davon, dass der Arbeitgeberzuschuss an den Pensionsfonds, die Pensionskasse oder die Direktversicherung weitergeleitet werde und das Ziel sein solle, in den laufenden Vertrag einzuzahlen. „Das ist aber nicht immer möglich, weil zum Beispiel das Versorgungswerk den Tarif geschlossen hat oder wegen der hohen Garantiezinsen keine neuen Beiträge zulässt.“

Als Alternative kommt die Leistung in einen neuen Vertrag in Betracht. „Das scheitert aber oft an den geringen Beträgen“, sagt Stiefermann. Liegt dieser wie im Rechenbeispiel bei 15 Euro monatlich, so lohnt sich ein neuer Vertrag angesichts niedriger Zinsen und hoher Kosten nicht. Die Folge: Die Anbieter lehnen diese Lösung ab.

Werden bei der betrieblichen Altersversorgung Sozialabgaben gespart?

Eine dritte Möglichkeit ist die sogenannte Reduktionslösung. Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbaren vertraglich, dass der Arbeitgeber in Zukunft einen Teil der bisher geleisteten Beiträge übernimmt. Von den 100 Euro monatlich müssten Arbeitnehmer:innen beispielsweise nur noch 85 selbst zahlen, 15 Euro trüge der Arbeitgeber. Dadurch würde gleichzeitig beim Beschäftigten das Bruttoeinkommen geringfügig steigen – im Rechenbeispiel um 15 Euro.

Stiefermann weist darauf hin, dass Arbeitgeber, die keine Sozialversicherungsbeiträge durch die Entgeltumwandlung einsparen, keinen Zuschuss leisten müssen. Solche Fälle können z.B. vorliegen, wenn Arbeitgeber schon in der Vergangenheit zur Entgeltumwandlung eigene Beiträge geleistet haben. Diese müssen aber mit dem erkennbaren Willen geleistet worden sein, Sozialabgabenersparnisse weitergeben zu wollen. „Liegt dieser Betrag unter 15 Prozent der Entgeltaufstockung, dann muss der Arbeitgeber jetzt einen Zuschuss zahlen, nämlich die Differenz zwischen den 15 Prozent und den Beitrag, den er schon in der Vergangenheit geleistet hat“, sagt der Experte. (Mechthild Henneke)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare