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Bestenfalls ein seidener Faden

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Von: Thomas Magenheim-Hörmann

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Der Fernsehhersteller Loewe ist schwer angeschlagen.
Der Fernsehhersteller Loewe ist schwer angeschlagen. © dpa

Das Schlimmste schien abgewendet: Der insolvente Fernsehgerätehersteller Loewe sollte von einer Investorengruppe gerettet werden. Nun platzt der Vertrag - und bei Loewe droht das Chaos.

Jahrelang hat der fränkische Traditionskonzern Loewe um sein Überleben gekämpft. Als es bereits zu spät schien, betrat dann vor vier Wochen eine Investorengruppe namens Panthera um einen ehemaligen Apple-Manager als mutmaßlicher Retter die Bildfläche. Hochfliegende Pläne wurden präsentiert. Bis 2016 sollten die noch voriges Jahr im Sturzflug befindlichen Umsätze des Fernsehgeräteherstellers auf über eine Milliarde Euro mindestens vervierfacht werden. Nun ist alles wieder Makulatur und Loewe steht erneut am Abgrund, wahrscheinlich näher als jemals zuvor. Die Hintergründe für das Debakel sind umstritten. Der Schwarze Peter wird hin- und hergeschoben.

Panthera macht die kreditgebenden Banken, bei denen Loewe verschuldet ist, für die gescheiterte Rettung verantwortlich. Sie hätten entscheidende Sicherheiten wie die Markenrechte entgegen aller Abmachungen nicht freigegeben und so einen Neustart verhindert. Vom Kaufvertrag sei man deshalb völlig zurecht zurückgetreten. Für eine Rettung von Loewe steht Panthera nach eigenem Bekunden dennoch weiter bereit, falls die ursprünglichen Pläne modifiziert werden. Was immer das heißen soll.

Wer ist verantwortlich?

Die Kreditinstitute schweigen in dieser widersprüchlichen Situation. Eine eigene Version der Wahrheit präsentiert Pleitekandidat Loewe. Demnach ist Panthera ohne jeden Rechtsgrund vom Kauf zurückgetreten. Rechtliche Schritte würden nun geprüft. Durchgestochen wird im Umfeld des Unternehmens noch, dass Panthera die Finanzierung nicht hinbekommen hat und die Sache mit den Sicherheiten nur als Vorwand für eigenes Versagen nimmt.

Nun müssen die verbliebenen rund 400 Beschäftigten am Firmensitz in Kronach mit dem Schlimmsten rechnen. Zumindest sie hatten sich zuletzt wieder Hoffnungen gemacht, nachdem Loewe 2013 mit damals noch rund 1000 Beschäftigten in die Pleite geschlittert war. Ohne Finanzspritze geht dem Unternehmen binnen weniger Wochen das Geld aus. Schon können dem Vernehmen nach wegen leerer Kassen kaum noch die für die Produktion benötigten Teile nachbestellt werden. Die letzten Hoffnungen ruhen auf einem alternativen Investor.

Loewe-Finanzvorstand Rolf Rickmeyer verhandelt nun wieder mit dem öffentlich unbekannten Interessenten, der beim Verkauf der Franken an Panthera Ende Januar nicht zum Zuge gekommen war, weil die Banken ihn nicht wollten. Die Frage ist, ob die Gläubiger das nun anders sehen und die Zeit für eine Neubesinnung überhaupt noch ausreicht.

Erste Auflösungserscheinungen in Kronach sind bereits unübersehbar. Aus Sicht der Gläubigerbanken bringt ein Verkauf der Insolvenzmasse mit den lukrativen weil traditionsreichen Namensrechten sowie den Patenten zudem möglicherweise mehr Geld als ein mit Unsicherheiten behafteter Verkauf an einen Investor, der Loewe erst wieder flott bekommen müsste. Weitere Verlustjahre wären selbst im günstigsten Fall programmiert. Die Zukunft von Loewe hängt nach dem jüngsten Tiefschlag nun nur noch an einem bestenfalls seidenen Faden.

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