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Bestechung in China - eine dumme Idee

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Lange galt es als normal, chinesische Beamte zu bestechen. Doch inzwischen wird Korruption in dem Land streng geahndet. Das rief wohl auch die Deutsche Bank zur Räson.

Asiaten lieben Geschenke im Geschäftsleben – doch wo hört der freundliche Erhalt der Freundschaft auf, wo fängt die Bestechung an? Die Deutsche Bank findet sich derzeit – wieder einmal– mit ihren Geschäftspraktiken auf der falschen Seite der roten Linie wieder. Es braut sich Ärger um teure Präsente zusammen, die der ehemalige China-Chef des Geldinstituts in der Zeit von 2002 bis 2014 an Beamte in China verteilt haben soll - zumindest wenn Berichte von „Süddeutscher Zeitung“ und WDR von Anfang dieser Woche stimmen sollten.

Dabei hätte die Deutsche Bank es besser wissen können. Als die Praktiken anfingen, ließen sich Bestechungszahlungen im Ausland schon lange nicht mehr als „nützliche Aufwendungen“ von der Steuer absetzen. Korruption im Ausland ist in Europa seit 1999 verboten, in den USA sogar schon seit den Achtzigerjahren. Es war vermutlich falsch verstandenes Konkurrenzdenken: Auch andere Banken haben in China geschmiert, um sich den Markteintritt zu erleichtern.

Fast etwas tragisch daran: Trotz der riskanten Praktiken haben ausländische Banken in China immer noch einen minimalen Marktanteil. Einen offenbar durch korrupte Praktiken erkämpften Anteil an der chinesischen Huaxia-Bank hat die Deutsche Bank zudem 2015 wieder abgestoßen.

Dass die Großzügigkeit der Deutschen Bank im Jahr 2014 geendet haben soll, liegt jedoch vor allem am Wechsel des politischen Klimas in China. Präsident Xi Jinping hat sich den Kampf gegen die Korruption auf die Fahnen geschrieben. Als er vor sieben Jahren Chef der allein regierenden Kommunistischen Partei wurde, hat er in den Reihen der Genossen sofort hart durchgegriffen.

Die Auswirkungen waren unmittelbar zu spüren. Vorher ließen sich die Kader gerne zu üppigen Banketten einladen. Nach Xis Amtsantritt gab es nur noch einfache Menüs aus Suppe, Hauptgericht und Nebenspeisen. Wer jetzt noch Geschenke annahm oder anbot, stand schon mit einem Bein im Gefängnis. Die Aufsichtskommission der Partei hat seitdem Zehntausende von Mitgliedern verhaften lassen. Statt der regulären Justiz fühlen sich in der Regel die Parteistellen zuständig, denn fast jeder Wirtschaftsführer des Landes ist auch Parteikader. Plötzlich hatten alle Angst davor, aus dem Büro direkt in die Verhörkeller abgeführt zu werden.

In besonders schweren Fällen übergibt die Partei die Fälle mit einer Empfehlung für drastische Strafen an die Gerichte. Im vergangenen Jahr hat sie den Vizebürgermeister der Stadt Luliang zum Tode verurteilen lassen. Er hatte bis 2014 mehr als 120 Millionen Euro Bestechungsgelder angenommen, vor allem für Gewerbegenehmigungen.

Es gehörte vor der Ära Xi durchaus zur Folklore des Chinageschäfts, dass teure Geschenke dort ganz normal seien. Manchem Neuling knöpften Regionalbeamte eine nicht endende Reihe von Präsenten ab. Besonders beliebt: wertstabile Luxusuhren von Marken wie Cartier, Patek Phillipe oder Omega.

Heute dagegen kann schon die Übergabe einer preiswerten Swatch sowohl den Beamten als auch den Schenkenden in Bedrängnis bringen. Es gibt in China auch weiterhin Korruption, doch die läuft über verstecktere Kanäle. Der Markt für teure Uhren ist seit Xis Amtsantritt folgerichtig um ein Viertel eingebrochen.

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