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Im Labor des Aromenherstellers Symrise: Das Unternehmen zählt im M-Dax zu den starken Werten.
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Im Labor des Aromenherstellers Symrise: Das Unternehmen zählt im M-Dax zu den starken Werten.

Die zweite Börsenliga

„Besser als der Dax“

  • vonRolf Obertreis
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Finanzexperte Joachim Schallmayer über den Erfolg der zweiten Börsenliga, die 25 Jahre alt wird, innovative Firmen im M-Dax und den Ausblick auf neue Rekorde.

Er gilt als „kleiner Bruder“ des deutschen Aktienindex – der M-Dax für mittelgroße Unternehmen. Am 19. Januar wird er 25 Jahre alt. Verstecken muss er sich wahrlich nicht. Er hat Anleger:innen deutlich mehr gebracht als der Dax. Ein Gespräch mit Joachim Schallmayer, Leiter des Bereichs Kapitalmärkte und Strategie beim Sparkassen-Fonds-Dienstleister Deka-Bank, über Auf- und Abstiege, Rekorde und die Aussichten.

Am 19. Januar wird der M-Dax 25 Jahre alt. Wie hat sich die „zweite Börsenliga“ entwickelt?

Der M-Dax hat sich hervorragend geschlagen. Mehr als 1000 Prozent Wertentwicklung seit der Auflage des Index spricht für sich. Er legt damit doppelt so stark zu wie der „große Bruder“ Dax und kann sich auch international sehen lassen. Auch 2020 hat der M-Dax mehrere Rekorde verzeichnet, die Schwelle von 30 000 Punkten überwunden und knapp zehn Prozent zugelegt. Beim Dax waren es „nur“ 3,5 Prozent.

Was zeichnet die 60 im M-Dax vertretenen Unternehmen aus? Gibt es allgemein gesprochen Besonderheiten?

Es fällt vor allem eines auf: Die Unternehmen haben es geschafft, über den gesamten Zeitraum ihre Gewinne stetig und überdurchschnittlich zu steigern. Das zeigt sich in anderen Indizes so nicht. Die Unternehmen selbst sind also für die glänzende Entwicklung des M-Dax verantwortlich.

Welche Branchen stechen besonders hervor?

Die starken Zuwächse lassen sich nicht auf einzelne Branchen und einzelne Unternehmen herunterbrechen. Die gute Entwicklung verteilt sich gleichmäßig. Eine Ausnahme ist aber die Aktie von Airbus mit ihrer hohen Gewichtung im M-Dax. Sie ist in diesem Index nur aufgrund der bisherigen Regelung des Börsenumsatzes gelistet, da dieser in Frankfurt nicht ausreichend hoch ist.

Joachim Schallmayer, Finanzexperte bei der Deka-Bank.

Zur Person

Joachim Schallmayer , 46, ist Leiter des Bereichs Kapitalmärkte und Strategie beim Sparkassen-Fonds-Dienstleister Deka-Bank. Der studierte Diplom-Kaufmann und Finanzanalyst arbeitet seit 20 Jahren für die Deka-Bank und hat mehr als zehn Jahre lange verschiedene Investmentfonds gemanagt.

Welche Werte haben sich besonders gut, welche weniger gut entwickelt? Gab es Skandale verbunden mit besonders drastischen Verlusten für Anleger?

Airbus sticht im Blick auf die Wertentwicklung heraus, aber auch MTU, Symrise oder Hannover Rück. Der Möbelhändler Steinhoff steht auf der negativen Seite. Er hat den Anleger:innen praktisch einen Totalverlust beschert.

Gab und gibt es häufige Wechsel im M-Dax, etwa durch „Aufsteiger“ in den Dax oder Absteiger aus dem Dax?

Der Austausch ist gering. Pro Jahr wechselt im Schnitt ein Unternehmen zwischen Dax und M-Dax. Prominente Absteiger waren zuletzt Commerzbank und Lufthansa. Delivery Hero und Deutsche Wohnen haben dafür den Sprung nach oben geschafft.

Welchen Einfluss hat die Pandemie auf die Entwicklung des M-Dax?

Wie auch bei anderen Unternehmen sind die Gewinne im ersten Halbjahr 2020 wegen des Stillstands in der Wirtschaft sehr stark eingebrochen. Auch auf den M-Dax wirkt die Pandemie wie eine Naturkatastrophe. Fundamental sind die Unternehmen aber gesund. Wir sehen deshalb schon seit Monaten eine starke Aufholbewegung und erwarten, dass sie sich fortsetzt.

Lohnt sich ein Investment im M-Dax auch für Anleger:innen, die sich an Dividenden orientieren.

Der M-Dax ist kein klassisches Dividenden-Investment. Mit 1,5 Prozent ist die Dividenden-Rendite – also die Dividende gemessen am Kurs – aktuell nur halb so hoch wie im Dax. Der Dax ist so gesehen interessanter. Aber dafür wächst der M-Dax deutlich stärker.

Können Anleger auch indirekt in den M-Dax investieren, also etwa über Fonds oder ETFs?

Das ist die bessere Variante, als auf Einzelunternehmen zu setzen. Auf den M-Dax zu bauen, war in der Vergangenheit über einen aktiv gemanagten Fonds oder über einen ETF, also einen Indexfonds, der vorteilhaftere Weg. Das Risiko wird breit gestreut. Bei Einzelinvestments kann es auch mal deutlicher nach unten gehen.

Würden Sie Anleger:innen empfehlen, eher in den M-Dax als in den Dax zu investieren?

Beide haben ihre Berechtigung. Prinzipiell sprechen die Rahmenbedingungen weiter klar für Aktien. Bei Sparanlagen und Anleihen liegt der Zins ja bei null oder ist sogar negativ. Daran wird sich vorerst kaum etwas ändern. Generell gilt: Langfristig, also für mindestens fünf Jahre investieren und nur Geld einsetzen, das man nicht kurzfristig benötigt. Die Kurse werden auch im M-Dax in Zukunft immer mal wieder schwanken, auch wenn es generell weiter nach oben gehen sollte.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Faktoren für einen weiteren Erfolg der gelisteten Unternehmen?

Die Unternehmen sind extrem innovativ. Ein Beispiel ist die Elektromobilität. Nach Startschwierigkeiten sind Hersteller und Zulieferer jetzt vorne mit dabei. Das gilt auch für das Megathema Nachhaltigkeit. Die Innovationskraft zeigt sich gerade auch bei den mittelgroßen Unternehmen im M-Dax.

Die Börse ändert ab September die Zusammensetzung von Dax und M-Dax. Der Dax wird von 30 auf 40 Werte aufgestockt, der M-Dax von 60 auf 50 reduziert. Ist das von Vorteil?

Diese Veränderungen spielen keine große Rolle. Es gab schon einmal 70 Unternehmen im M-Dax, dann wurde 2003 auf 50 reduziert. Das war kein Nachteil und wird auch künftig kein Nachteil sein.

Auch die Regeln werden verschärft, etwa im Blick auf den Gewinn. Firmen ohne Gewinn in den vorhergehenden drei Jahren bleiben außen vor.

Das ist auch für die Neuaufnahme in den M-Dax wichtig. Wichtiger aber ist, dass Airbus in den Dax aufsteigen wird. Damit wird ein großer Gewichtsanteil im M-Dax frei und wird sich auf die anderen Unternehmen und Branchen verteilen. Die größere Balance ist durchaus von Vorteil.

Wagen Sie eine Prognose für den M-Dax? Wird es in diesem Jahr weitere Rekorde geben? Wo steht er in 25 Jahren?

2021 erwarten wir den M-Dax bei 33 000 Punkten. Er wird also weitere Rekordmarken erreichen. Derzeit steht er bei gut 31 000 Zählern, Ende 2020 waren es knapp 30 800. Auch in den nächsten 25 Jahren wird es weitere Höchststände geben. Wir schauen aber erst einmal auf die nächsten fünf Jahre. Da rechnen wir mit knapp 45 000 Punkten.

Interview: Rolf Obertreis

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