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Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann sich schon früh lohnen. (Symbolbild)
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Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann sich schon früh lohnen. (Symbolbild)

Police

Berufsunfähigkeitsversicherung: Was bei dieser Versicherung beachtet werden muss

  • VonTheresa Dräbing
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Eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit kann Existenzen sichern. Doch für wen ist die Police bezahlbar, für wen nicht – und was sollten Covid-19-Genesene beachten?

Frankfurt - „Mich wird es schon nicht treffen.“ So denken sicher viele, die sich gegen eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) entscheiden. Und hinzu kommt, dass die Versicherung auch noch recht teuer ist. Einfach so beiseite wischen sollte man den Gedanken an eine solche Police aber nicht. Jeder vierte Berufstätige ist durch Unfall oder Krankheit vorzeitig von Erwerbs- oder Berufsunfähigkeit bedroht, schreibt der Bund der Versicherten.

Das kann ein Bandscheibenvorfall sein, der so schwerwiegend ist, dass ein Job nicht mehr ausgeübt werden kann. Oder eine psychische Erkrankung zwingt einen, den Job aufzugeben. Wer bislang allein von seinem Gehalt gelebt hat, steht anschließend vor riesigen finanziellen Problemen. „Für alle, die allein durch Erwerbsarbeit ihren Lebensunterhalt finanzieren, ist eine solche Versicherung sinnvoll“, sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Verbraucherratgebers Finanztip.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Die saatliche Absicherung reicht kaum aus

Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann, hat zwar ein Anrecht auf die Erwerbsminderungsrente. Die staatliche Absicherung reicht aber kaum aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Die durchschnittliche Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit lag 2020 bei 882 Euro. Wie hoch diese im Einzelnen ausfällt, ist aus der jährlichen Renteninformation ersichtlich. Wichtiger aber ist noch, dass diese nur in sehr begrenztem Rahmen zahlt. Etwa nur, wenn jemand tatsächlich in keinem Beruf mehrere Stunden am Stück arbeiten kann. Die Berufsunfähigkeit wird hier nicht nur an den eigentlich ausgeübten Beruf geknüpft. Ein Dachdecker, der noch einen Bürojob ausüben kann, hätte keinen Anspruch.

Eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit kann Existenzen sichern.

Daher ein Blick auf die privaten Vorsorgeleistungen: Berufsunfähigkeitsversicherungen sollen im besten Fall die Lücken schließen. Sie zahlen an Versicherte, die aus gesundheitlichen Gründen ihren Beruf nicht mehr ausüben können, bis ans Lebensende eine monatliche Rente – egal ob der Unfall oder die Krankheit in jungen Jahren passierte oder kurz vor dem Ruhestand.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Kein Abschluss „auf eigene Faust“

Da das unter Umständen immense Beträge sein können, lassen sich die Versicherer dies einiges kosten. Wer schon vor Abschluss Vorerkrankungen hat, bekommt nur einen sehr teuren Vertrag, einen mit Ausschlussklauseln oder gleich gar kein Angebot. Auch das schreckt viele ab, ein Angebot überhaupt erst anzufragen. „Einen Abschluss ,auf eigene Faust‘, zum Beispiel online, sollte man im Zweifelsfall unterlassen und sich stattdessen von einem spezialisierten Versicherungsberater oder Versicherungsmakler unterstützen lassen“, sagt Constantin Papaspyratos, Chefökonom beim Bund der Versicherten. So können Makler:innen auch anonyme Risikovoranfragen bei mehreren Versicherern stellen, die in Frage kommen.

Schwierig mit einem Versicherungsabschluss kann es im Übrigen auch für Covid-19-Genesene werden. Der Verbraucher-Ratgeber Finanztip hat bereits im Frühjahr eine Umfrage unter den größten Lebensversicherern Deutschlands durchgeführt und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass ein schwerer Corona-Verlauf in vielen Fällen den erhofften Versicherungsschutz verhindern kann. „Bei einem leichten Krankheitsverlauf und einer vollständigen Genesung ist eine Absicherung kein Problem“, sagt Tenhagen. „Wenn jemand noch nicht vollständig genesen ist, raten wir mit dem Abschluss der Versicherung noch zu warten.“ Anders sieht es hingegen für Betroffene aus, die nach einer Covid-19-Infektion dauerhaft beeinträchtigt sind. „Bei Long-Covid kann es durchaus Probleme mit dem Versicherungsabschluss geben – von langfristiger Zurückstellung bis hin zur direkten Ablehnung“, so Tenhagen.

Alternative: Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung

Auch die Kosten können bei einem hohen Gesundheitsrisiko steigen. Für Gerüstbauer ist die Police um einiges teurer als beispielsweise für einen Versicherungsmathematiker. Nach einer Recherche des Bundes der Versicherten von Juli dieses Jahres erhielt ein Versicherungsmathematiker, der bei Versicherungsabschluss 35 Jahre alt ist, keinen risikoreichen Sportarten oder ähnlichem nachgeht und eine Rente von 2000 Euro monatlich versichern lassen will, eine Police für eine monatliche Prämie von 56 bis 82 Euro. Hingegen müsste ein Gerüstbauer mit dem gleichen Risikoprofil und Alter bei den befragten Versicherungen eine monatliche Prämie von 305 bis 376 Euro zahlen, um im Falle einer Berufsunfähigkeit die Rente von 2000 Euro zu bekommen.

„Vor allem bei sehr risikoreichen Berufen ist ein BU-Vertrag mit einer bedarfsgerechten Leistung so teuer, dass er die meisten Verbraucher, die solche Berufe ausüben, wirtschaftlich überfordern würde“, sagt Papaspyratos. Auch wenn es sich bei der BU um den umfangreichsten Schutz im Falle einer Berufsunfähigkeit handelt, sollten Verbraucher:innen, für die solch ein Schutz schlicht unbezahlbar ist, alternativ auch die Erwerbsunfähigkeitsversicherung (EU) prüfen. Dies ist eine weitere private Absicherung, die günstiger sein kann, aber auch weniger umfassend im Schutz ist.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Vorsicht bei günstigen Tarifen

Auch BU-Versicherer werben manchmal mit sehr niedrigen Prämien. Bei Kosten von 25 Euro monatlich für einen Vertrag sollten Verbraucher:innen eher vorsichtig sein, rät Papaspyratos vom Bund der Versicherten. Bei solchen Prämien seien Leistungen im Zweifel nicht bedarfsgerecht versichert – heißt, die Rente fällt später viel zu klein aus oder die Laufzeit ist nur sehr kurz.

Und auch, wenn die Prämie wegen Vorerkrankungen oder risikoreichen Hobbys höher ausfällt, sollten Kund:innen auf jeden Fall ehrlich sein. „Der Hauptgrund, weswegen der Versicherungsschutz am Ende nicht gewährt wird, sind falsche oder fehlende Angaben im Gesundheitsfragebogen“, sagt Tenhagen. Aber nicht nur, um Streitfragen zu klären, rät er bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung auch zusätzlich zum Abschluss einer Rechtsschutzversicherung. „Im Extremfall einer Berufsunfähigkeit werden viele auch einfach keine Kraft haben, sich mit langwierigen Versicherungsstreitfragen zu beschäftigen.“ (Theresa Dräbing)

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