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Air Berlin in Schwierigkeiten

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Von: Sebastian Wolff

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Im Mittelpunkt: Etihad-Chef James Hogan.
Im Mittelpunkt: Etihad-Chef James Hogan. © REUTERS

Etihad-Chef James Hogan will seinen Einfluss bei Air Berlin ausweiten. Die Fluggesellschaft braucht dringend frisches Geld.

Um Air Berlin schießen derzeit die Spekulationen ins Kraut. Kein Wunder, denn zum zweiten Mal innerhalb einer Woche hat die Airline in letzter Minute die Veröffentlichung ihrer Bilanz verschoben. Jetzt sollen die Zahlen irgendwann Ende April kommen. Man arbeite weiter an Maßnahmen für eine Rekapitalisierung, die Eigenkapital und Liquidität der Air Berlin Gruppe stärken würden, teilte das Unternehmen nur nebulös mit. Im Klartext bedeutet das: Die Probleme sind so groß, dass eine radikale Lösung her muss. Doch die ist offenbar nicht so leicht zu finden.

Wie es aussieht, hängt alles am Großaktionär Etihad, der knapp 30 Prozent an Air Berlin hält. Im Gegensatz zur zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft schwimmt die Airline aus dem arabischen Emirat Abu Dhabi geradezu in Geld. Und ihr Chef, James Hogan, hat starke Expansionsgelüste. Seit 2006, dem Jahr als Hogan das Zepter bei Etihad übernahm, ist die arabische Airline in geradezu atemberaubendem Tempo gewachsen: Damals bestand die gesamte Flotte von Etihad gerade einmal aus neun Flugzeugen. Heute sind es 95. Weitere 220 Flieger sind bestellt. Zudem entsteht am Flughafen in Abu Dhabi für die Etihad-Flotte gerade ein gigantisches neues Terminal.

Der 57-jährige Australier Hogan ist der festen Überzeugung, dass der Konzentrationsprozess in der Luftfahrt dazu führen wird, dass es in einigen Jahren nur noch ganz wenige große Spieler in der Branche gibt. Und einer von diesen soll selbstverständlich Etihad sein. Deshalb setzt Hogan alles daran, dass die Airline wächst. Er kauft so ziemlich alles, was er kriegen kann. So erklärt sich der Einstieg bei Air Berlin – die ohne die Millionen aus Abu Dhabi womöglich schon untergegangen wäre – und bei anderen sanierungsbedürftigen Airlines wie Air Seychelles, Jet Airways, Darwin Airlines und Air Serbia.

Demnächst wird wohl noch Alitalia zum Etihad-Imperium dazukommen. So lautet denn auch eine der heißesten Spekulationen, dass Hogan die italienische Fluggesellschaft mit Air Berlin fusionieren will und daraus in Europa einen schlagkräftigen Konkurrenten gegen Lufthansa und British Airways Iberia formen will. Im Zuge dessen werde Etihad Air Berlin von der Börse nehmen. Die Aktien wiederum würden an mit Etihad verbandelte deutsche und europäische Investoren gehen.

Zwischen Genie und Wahnsinn

Dadurch würde Etihad mehr Einfluss bei Air Berlin bekommen, ohne ein Übernahmeangebot für die Berliner abgeben zu müssen, was der Fall wäre, wenn die Araber offiziell ihren Anteil auf über 30 Prozent aufstocken würden. Zudem wäre durch diese Lösung sichergestellt, dass die Start- und Landerechte in Europa nicht verloren gingen.

An Hogans Expansionsstrategie scheiden sich die Geister. Die einen halten ihn für einen der genialsten Macher der Luftfahrtbranche, andere glauben, dass er mit seiner Strategie zum Scheitern verurteilt ist. Denn schon einmal ist eine Airline ihren Expansionsgelüsten zum Opfer gefallen. Das war im Jahr 2001, nachdem die Swissair jahrelang Fluggesellschaften in Schieflage aufkaufte und dadurch selbst in die Pleite getrieben wurde.

Hogan, der oft als selbstgerecht und dünnhäutig beschrieben wird, begann seine Karriere bereits 1975 bei der australischen Fluggesellschaft Ansett. Später wechselte er in die Hotelbranche, danach arbeitete er für den Autovermieter Herz. Im Jahr 2002 wurde er Chef der maroden Gulf Air. Trotz hoher Investitionen gelang ihm die Sanierung der Airline nicht. Gulf Air musste inzwischen von seinem Eigentümer, dem Staat Bahrain, durch eine Finanzspritze gerettet werden.

Mit Etihad verfolgt Hogan die Strategie, möglichst viele Passagiere zu seinen arabischen Drehkreuzen zu bringen, um sie von dort aus nach Asien und Afrika weiterzubefördern. So gesehen erscheinen die bislang getätigten und geplanten Zukäufe in Europa durchaus als sinnvoll. Doch bald dürfte sich herausstellen, ob Hogan nun den Bogen überspannt, oder ob er doch das große Genie der Branche ist.

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