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Noch läuft alles über die Netzleitstelle von Stromnetz Berlin

Energie

Berlin kauft Stromnetz zurück

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Das Land nimmt die Versorgung der Stadt wieder in eigene Hände.

Mehr als 35 000 Kilometer Kabel und Leitungen, 79 Umspannwerke, 11 000 Netzstationen und 16 700 Verteilerkästen an den Straßen. Das ist das Netzwerk, mit dem in Berlin über 2,3 Millionen Haushalte mit Strom versorgt werden. Seit zwei Jahrzehnten garantiert das der schwedische Energiekonzern Vattenfall. Mit seiner 100-prozentigen Tochter Stromnetz Berlin betreibt er das Elektroenergiegeflecht. Doch das wird sich nun ändern.

Das Land Berlin nimmt die Stromversorgung in der Stadt wieder in eigene Hände. Wie die Senatskanzlei am Dienstag mitteilte, habe das landeseigene Unternehmen Berlin Energie im Konzessionsverfahren für das Stromnetz „das beste Angebot abgegeben“. Damit bekommt Berlin Energie den Zuschlag für den Betrieb des Berliner Stromnetzes in den nächsten 20 Jahren. Der Berliner Senat nehme dies „zustimmend zur Kenntnis“, hieß es.

Für die Neuvergabe der Konzession hatten sich das landeseigene Unternehmen Berlin Energie, Vattenfall sowie die Genossenschaft Bürger-Energie beworben. Mit der Entscheidung der Vergabekammer darf sich der Berliner Senat nun bestätigt fühlen. Schließlich hatten die Regierungsparteien den Rückkauf des Berliner Stromnetzes bereits in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben: „Die Koalition strebt eine 100-prozentige Rekommunalisierung des Stromnetzes an.“ Allerdings steht es nun Vattenfall frei, gegen die Entscheidung der Vergabekammer zu klagen.

Der Gewinner Berlin Energie sicherte zu, alle Vattenfall-Beschäftigten aus dem Netzbetrieb zu übernehmen. „Das wird selbstverständlich eine Eins-zu-Eins-Übernahme ohne Wenn und Aber.“ Neldner geht davon aus, dass Vattenfall etwa 1,5 Milliarden Euro für das Netz verlangen kann. Im besten Fall könne das Netz noch in diesem Jahr übernommen werden.

In der Opposition würde man die Übernahme indes am liebsten auf ewig verschieben. Der geplante Erwerb des Stromnetzes sei ein „Rot-Rot-Grüner Fehlkauf“, der sich nicht für die Berliner rechnen werde, ließ etwa Christian Gräff, wirtschaftspolitischer Sprecher der Berliner CDU-Fraktion, verbreiten.

Ist das so? Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, kontert. Für die Umweltökonomin ist die Rekommunalisierung gerade hier „absolut sinnvoll“ und vielversprechend. Die Stadt habe sich zahlreiche Energiewendeziele vorgenommen, die um einiges konsequenter vorangetrieben werden können, wenn Berlin auch Eigentümer der Infrastruktur ist, sagte Claudia Kemfert auf Anfrage. „Unsere Studien zeigen, dass kommunal betriebene Stromnetze nicht weniger profitabel sind als privat geführte.“ Insofern sei auch keine Verteuerung des Stroms zu befürchten.

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