Solarzellen

Ein Berg von Sondermüll

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Cadmiumhaltige Module bergen ein Umweltrisiko. In einer Halle in Thüringen lagern 450 Tonnen aus einer Insolvenz. Die Entsorgung soll 350.000 Euro kosten. Von Oliver Ristau

Solartechnologie steht für ökologisch einwandfreie Energie. Doch beim Abfall gilt sie als Sondermüll. Zumindest in Arnstadt vor den Toren Erfurts. Dort lagern in einer Halle der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen (LEG) seit mehr als zwei Jahren defekte Solarmodule, die eine Verbindung der giftigen Elemente Cadmium und Tellur enthalten - CadmiumTellurid (CdTd). Sie stammen aus der Produktion der bankrotten Solarfirma Antec.

Nach Jahren des Streits um die rund 350.000 Euro teure Entsorgung der 450 Tonnen zwischen LEG und dem Insolvenzverwalter hat sich nun die zuständige Abfallbehörde eingeschaltet. Es handle sich um "gefährliche Abfälle", die zügig zu entsorgen seien, heißt es in einer Verfügung an den Insolvenzverwalter.

"Cadmium-Tellurid ist krebserregend, sein Einsatz in der Solartechnologie ökologischer Unsinn", sagt Jürgen Werner, Leiter des Instituts für Physikalische Elektronik an der Uni Stuttgart. Denn es gibt mit Zellen auf Basis von Silizium eine "nicht giftige Technologie". Silizium sei unbedenklich, doch bei CdTd handele es sich dagegen um "Verbreitung von Giftmüll auf den Dächern".

Die EU hat Cadmium mit einem Grenzwert von 0,01 Prozent schon lange aus Elektro- und Elektronikgeräten verbannt. Doch die entsprechende Richtlinie, die derzeit in der Überarbeitung ist, klammert Solarzellen aus, die die CdTd-Zellen mit einem Cadmium-Anteil von 0,7 Prozent auch nicht erfüllen könnten. Im Entwurf der EU-Kommission sind sie nach wie vor nicht enthalten.

Nach Ansicht der Industrie gibt es kein Problem. CdTd sei eine Verbindung, die selbst großer Hitze standhalte und die zwischen den Gläsern fest eingeschlossen sei, heißt es beim weltweit führenden Hersteller First Solar.

Ein Austritt in die Umwelt sei nicht möglich. First Solar verspricht ein flächendeckendes Recycling. Um die Wiederverwertung stemmen zu können, hat First Solar 26 Millionen Dollar Rücklagen gebildet. Experten bezweifeln allerdings, dass ein flächendeckendes Einsammeln in 20 Jahren am Ende der Lebenszeit der Module tatsächlich möglich ist.

"Wer kann das überall auf der Welt garantieren", fragt Uni-Professor Werner. Landeten die Module doch auf Deponien, sei nicht auszuschließen, dass die Giftstoffe in das Grundwasser gelangten. Cadmium-Tellurid wird in der Solartechnologie als Halbleiter eingesetzt.

Die Produktion ist 15 bis 20 Prozent günstiger als bei kristallinen Siliziumzellen, die einen Marktanteil von 90 Prozent haben.

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