Belohnung fürs Lernen.
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Belohnung fürs Lernen.

Aus- und Weiterbildung

Belohnung fürs Lernen

  • vonMechthild Henneke
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Mit einer Mindestvergütung für Azubis und Finanzspritzen für Gesellen will der Staat junge Menschen und bereits Berufstätige zum Einstieg in die Aus- und Weiterbildung animieren.

Die Betriebe in Deutschland suchen händeringend nach Nachwuchskräften, doch viele Schüler scheuen den Einstieg in eine Lehre, heute: duale Ausbildung. Die Bundesregierung versucht deshalb, die Bedingungen für Auszubildende zu verbessern. Eine Mindestvergütung für Azubis, erweiterte BAföG-Möglichkeiten für eine schulische Ausbildung und mehr Förderung in der Weiterbildung sollen Anreize schaffen. Es gibt sogar Stipendien für Berufstätige, um ihnen eine berufliche Weiterbildung oder ein Studium zu ermöglichen. So sollen Handwerk und Industrie in Deutschland gestärkt werden.

Ausbildung: Die kürzlich eingeführte Mindestvergütung für Auszubildende soll Lehrberufe attraktiver machen. Ab diesem Jahr müssen Azubis bei Antritt der Ausbildung mindestens 515 Euro erhalten. Das unterstützt vor allem Jugendliche, die Handwerksberufe wie Bäcker oder Friseur wählen, wo die Lehrgehälter bisher niedriger waren. Tarifverträge haben Vorrang vor der Mindestvergütung. In einigen Branchen liegen die Ausbildungsgehälter mit 800 bis 1000 Euro über der Mindestvergütung, zum Beispiel im Bauwesen oder in der Metall- und Elektroindustrie. Diese Vereinbarungen bleiben unberührt.

Die Mindestvergütung gilt allerdings nicht für Berufe wie etwa den des Erziehers, die von den Ländern geregelt werden. Sie gilt auch nicht für die meisten Berufe in der Gesundheits- und Pflegebranche, denn das Berufsbildungsgesetz findet dort keine Anwendung.

Teilzeitausbildung: Ab sofort können Auszubildende mit dem Betrieb absprechen, dass sie täglich oder wöchentlich Stunden reduzieren. Das war bisher nur für Personen mit besonders guten Leistungen möglich. Diese Regelung ist für alle attraktiv, die neben der Ausbildung noch Geld verdienen oder Kinder betreuen müssen. Auch Menschen mit Behinderung oder Lernbeeinträchtigungen können so leichter in eine Ausbildung einsteigen, denn auch sie wollen diese häufig mit einer Erwerbstätigkeit verbinden.

Freistellung für erwachsene Azubis: Wer sich erst als Erwachsener entschließt, eine Ausbildung zu machen, hatte es in der Vergangenheit schwer, für die Berufsschule vom Betrieb freigestellt zu werden. Das hat sich verbessert. Ab sofort können auch Erwachsene die Schulbank drücken, wenn mehr als fünf Unterrichtsstunden am Tag angesetzt sind.

BAföG in der Ausbildung: Wer eine schulische Ausbildung absolviert und von den Eltern keine oder nur wenig finanzielle Unterstützung erhält, hat Anspruch aufs Schüler-BAföG. Es gibt rund 130 schulische Ausbildungen: Gesundheits- und soziale Berufe, IT- oder gestalterische Berufe können erlernt werden, vom Altenpfleger über den Erzieher bis zum Fremdsprachenkorrespondenten.

Die Höhe der Förderung ist individuell und beträgt maximal 832 Euro. Der Höchstbetrag wird dann bezahlt, wenn ein Schüler nicht mehr bei den Eltern wohnt und den Kranken- und Pflegeversicherungszuschlag erhält, der 109 Euro beträgt. Wer ein eigenes Kind betreut, kann zudem einen Kinderbetreuungszuschlag von bis zu 150 Euro monatlich beantragen. Der größte Vorteil: Das Schüler-BAföG muss nicht zurückgezahlt werden. Die Altersgrenze für das Schüler-BAföG liegt bei 30 Jahren. Ein Auszubildender darf bei Ausbildungsbeginn maximal 29 Jahre alt sein. Es gibt aber Ausnahmen, zum Beispiel für Personen mit Kind.

Förderung für Nicht-Deutsche: Ausländer erhalten Förderung, wenn ein Elternteil oder der Ehepartner Deutscher ist. Auch EU-Ausländer bekommen BAföG. Grundsätzlich besteht für Ausländer in schulischer Ausbildung ein Anspruch, wenn sie eine Bleibeperspektive haben und gesellschaftlich integriert sind.

Weiterbildung: Das Aufstiegs-BAföG fördert unabhängig vom Alter die Vorbereitung auf mehr als 700 Fortbildungsabschlüsse. Zum 1. August dieses Jahres sind neue Regelungen in Kraft getreten, die das Bildungsministerium angestoßen hat. Die größte Verbesserung gibt es bei den Unterhaltskosten. Fachkräfte, die sich in Vollzeit fortbilden, erhalten bis zu 892 Euro Unterstützung zum Lebensunterhalt als Vollzuschuss. Sie müssen dieses Geld nicht zurückzahlen.

Fortbildungskosten: Bei den Fortbildungskosten liegt der Zuschussanteil für die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren, inklusive Meisterstück, bei 50 Prozent. F��r den verbleibenden Teil der Kosten kann ein zinsgünstiges Darlehen in Anspruch genommen werden. Gefördert werden Vollzeit- und Teilzeitmaßnahmen sowie Fernlehrgänge oder mediengestützte Maßnahmen. Wird eine Abschlussprüfung mit Erfolg abgelegt werden 50 Prozent des Darlehens erlassen. Kommt es zu einer anschließenden Unternehmensgründung, muss das Darlehen gar nicht mehr zurückgezahlt werden.

Online-Formulare

Informationen rund um die Ausbildung gibt es unter www.die-duale.de

Antragsformulare und Informationen zum BaföG: www.bafög.de .

Über Weiterbildungen informiert www.aufstiegs-bafög.de.

Über Stipendien klärt das Bildungsministerium auf: www.bmbf.de.

Familienförderung: Die Unterhaltsförderung für Menschen in Weiterbildung wurde erhöht und zu einem Vollzuschuss ausgebaut. Verheiratete mit zwei Kindern bekommen beispielsweise bis zu 1597 Euro.

Stipendien: Wer gut lernt, wird vom Staat belohnt – mit Stipendien. Das Bildungsministerium unterstützt Menschen, die schon im Beruf stehen, mit zwei Förderprogrammen: dem Weiterbildungsstipendium und dem Aufstiegsstipendium.

Das Weiterbildungsstipendium richtet sich an talentierte Fachkräfte unter 25 Jahren, die bereits ihre berufliche Ausbildung abgeschlossen haben. Mit seiner Hilfe können Weiterbildungsmaßnahmen finanziert werden. Die Förderung umfasst Zuschüsse in Höhe von maximal 8100 Euro, verteilt auf drei Förderjahre. Die Weiterbildung muss grundsätzlich berufsbegleitend durchgeführt werden

Das Aufstiegsstipendium soll für Berufstätige einen Anreiz schaffen, ein Studium aufzunehmen. Für Studierende im Vollzeitstudium beträgt das Stipendium monatlich 853 Euro sowie 80 Euro Büchergeld. Zusätzlich wird eine Betreuungspauschale für Kinder gewährt. Die Förderung erfolgt einkommensunabhängig und für die gesamte Dauer des Studiums. Studierende in einem berufsbegleitenden Studiengang erhalten jährlich 2.700 Euro.

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