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Belén Garijo will als Vorstandschefin von Merck auch das Talent von Frauen fördern.
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Belén Garijo will als Vorstandschefin von Merck auch das Talent von Frauen fördern.

Pharma- und Technologie-Konzern

Merck-Vorstandschefin Belén Garijo: Die unbekannte Macherin

  • VonRolf Obertreis
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Als erste und einzige Frau steht Belén Garijo alleine an der Spitze eines Dax-Konzerns. Bislang kennen nur Fachleute den Namen der neuen Vorstandschefin von Merck.

Es ist ein fast historischer Vorgang – für den Pharma- und Technologie-Konzern Merck in Darmstadt, aber auch für den Kreis der 30 größten im Deutschen Aktienindex Dax gelisteten Konzerne. Belén Garijo wird am 1. Mai nicht nur Vorstandschefin von Merck, sie ist auch hierzulande die erste Frau, die alleine an die Spitze eines Dax-Unternehmens rückt. Bislang war das der Amerikanerin Jennifer Morgan gelungen, allerdings nur als Co-Chefin beim Software-Konzern SAP und das auch nur für ein halbes Jahr.

Immer noch gilt es hierzulande als exotisch, wenn eine Frau in die absolute Top-Position aufsteigt. Das weiß auch die 60-jährige Spanierin, die sich oft darüber gewundert hat, wenn man sie fragt, wie sie sich als Frau in einer Top-Position die Zeit einteile. Schließlich habe sie zwei Töchter, die freilich längst erwachsen sind. Das frage man einen Mann in einer solchen Stellung nicht. Wie sie ihren Aufstieg begründet: „Ich gebe nie auf. Alles ist möglich“, sagte sie einmal in einem Interview. Frauen müssten selbstbewusster auftreten. Sie betrachte es als eine ihrer Aufgaben, das Talent von Frauen zu fördern. Dabei steht Merck nicht schlecht da: Weltweit liegt der Anteil von Frauen in Führungspositionen bei 35 Prozent.

Belén Garijo gilt als resolut

Verbindlich im Ton, stets freundlich gilt Belén Garijo zugleich aber auch als hartnäckig, manche nennen sie resolut. Sie sei in der Lage, harte Entscheidungen zu treffen, sagt sie selbst. Schlimmer sei es aus Angst vor Fehlern gar nicht zu entscheiden. Künftig ist sie verantwortlich für weltweit knapp 58.100 Beschäftigte, davon rund 13.000 in Deutschland, von denen wiederum rund 11.800 am Stammsitz in Darmstadt arbeiten.

Der Pharmasparte von Merck hat Garijo erheblichen Schub verliehen. Einem von den Behörden nicht zugelassenen Präparat gegen Multiple Sklerose verschaffte sie in intensiver Überzeugungsarbeit doch noch das behördliche Ok, zum Vorteil von Erkrankten, natürlich auch zum Vorteil von Merck. 2020 steuerte es eine halbe Milliarde Euro zum Umsatz des Konzerns bei. Garijo hat zudem zwei wichtige globale Allianzen geschlossen und die Geschäfte in den wichtigen Pharmamärkten Japan und USA ausgeweitet.

Gewinn des Pharmakonzerns Merck.

Als neue Chefin muss sie aber auch den Blick auf die Geschäftsfelder Elektronik- und Halbleiter richten. Der einst einträgliche Bereich von Flüssigkristallen für Displays von Smartphones, Tablets und Flachbildfernseher leidet unter der asiatischen Konkurrenz, die Nachfrage nach Pigmenten läuft wegen der Probleme in der Auto- und Kosmetik-Industrie eher schleppend.

Merck macht auch im Corona-Jahr 2020 satten Gewinn

Trotzdem steht Merck in der Corona-Pandemie gut da. 2020 brachte einen Gewinn von knapp zwei Milliarden Euro bei einem Umsatz von 17,5 Milliarden Euro. Das liegt auch an der Sparte für Laborbedarf und pharmazeutische Grundstoffe. Merck stellt zwar selbst keine Impfstoffe her, beliefert aber rund 50 Vakzin-Unternehmen weltweit mit Labormaterial und wichtigen Basisstoffen wie etwa Lipiden für den mRNA-Impfstoff von Biontech.

Ich gebe nie auf. Alles ist möglich.

Belén Garijo

Garijo ist mit einem Gehalt von 6,3 Millionen Euro die bestbezahlte Managerin Deutschlands. Trotzdem kennen bislang nur Fachleute ihren Namen. Das dürfte sich schnell ändern. Die Spanierin ist schon seit vielen Jahren in Top-Positionen tätig. 2015 wurde sie bei Merck Leiterin der Pharmasparte, im vergangenen Jahr stellvertretende Vorstandsvorsitzende. Ihr Vorgänger Stefan Oschmann hatte sie zum Unternehmen geholt. Auf der Hauptversammlung Ende vergangener Woche lobte Oschmann die Spanierin fast schon überschwänglich: „Die Zusammenarbeit mit ihr in der Vergangenheit war hervorragend. Ich weiß das Unternehmen bei ihr in sehr guten Händen.“

Belén Garijo arbeitete in Madrid als Ärztin

Garijo, geboren in einer spanischen Kleinstadt rund 130 Kilometer südwestlich von Valencia, hat Medizin studiert und sechs Jahre in Madrid als Ärztin gearbeitet. 1989 wechselte sie in die Pharmaindustrie zum US-Konzern Abbott. Nach acht Jahren in den USA ging sie zurück nach Spanien zu Rhône Poulenc Rohrer, wo sie ab 2003 bei der neuen Sanofi-Aventis die Verantwortung für Spanien und Europa übernahm. Weitere acht Jahre später folgte der Ruf zu Merck.

Für die Spanierin ist klar, dass die Pandemie das Unternehmen mit Sitz in Darmstadt langfristig beschäftigen wird. Man werde die Impfstoff-Hersteller in den nächsten Jahren unterstützen müssen. Wohl auch, weil es neue Impfstoffe geben werde. Mit Biontech hat Merck vor kurzem den Ausbau der strategischen Partnerschaft vereinbart. Die Lieferung dringend benötigter Lipide für den Impfstoff soll erheblich beschleunigt und die Liefermenge bis Jahresende gesteigert werden. Erwogen werde auch, einzelne Schritte zu übernehmen, etwa die Abfüllung des Biontech-Impfstoffs und die Verpackung. „Außergewöhnliche Zeiten wie diese erfordern große Schritte und wir sind bereit diese Schritte zu gehen, um eine der wichtigsten Herausforderungen der Menschheit zu bewältigen“, sagte der scheidende Merck-Chef Oschmann im Februar – ganz im Sinne seiner Nachfolgerin. (Rolf Obertreis)

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