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Opel
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Etwa 3000 Opel-Beschäftigte in mehr als 1500 Autos nahmen am Dienstag laut IG Metall am Autokorso durch Rüsselsheim teil. Foto: dpa

Angst vor Kündigungen bei Opel

Bei Opel will kaum jemand gehen

  • vonRolf Obertreis
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Der Autobauer wollte ohne Kündigungen Personal abbauen. Nun wird der Ton rauer

Wieder einmal brodelt es bei Opel. Am Dienstag gab es auf Aufruf der IG Metall und des Betriebsrats sogar einen großen Autokorso durch Rüsselsheim. Die Beschäftigten befürchten Kündigungen, obwohl bis Mitte 2025 eine Bestandsgarantie für die Arbeitsplätze gilt. Allerdings läuft das vom Opel-Management angebotene Programm zum Abbau von 2100 Stellen bis zum Jahresende bei weitem nicht wie gewünscht. Erst 500 Beschäftigte haben sich dafür entschieden.

Opel-Chef Michael Lohscheller verweist auf eine Notfallklausel im Zukunftstarifvertrag, wonach bei einer dramatischen Marktentwicklung auch Kündigungen eine Option sein können. Bis Ende November solle die Situation noch einmal analysiert werden, heißt es in Rüsselsheim. IG Metall und Betriebsrat sind gleichwohl empört.

Ohne den neuen Opel Corsa sähe es für das Tochterunternehmen des französischen Autokonzerns PSA noch deutlich bedenklicher aus. Der neue Kleinwagen hat die Zulassungszahlen von Opel im Oktober in Deutschland um fast 23 Prozent auf knapp 16 900 Einheiten deutlich nach oben getrieben. Fast 7200 Corsa registrierte das Kraftfahrtbundesamt (KBA), bei Opel freut man sich über einen Marktanteil von 1,5 Prozent im Kleinwagensegment.

In Europa sorgte der Corsa dafür, dass die Zulassungen mit 39 000 Fahrzeugen fast stabil waren. Auch die Opel-SUVs laufen noch relativ gut, im Gegensatz zum Astra und dem Topmodell Insignia. Insgesamt leidet das Traditionsunternehmen aber massiv: Von Januar bis Oktober sind die Neuzulassungen in Deutschland um fast 41 Prozent eingebrochen, auf 112 320 Fahrzeuge. Der Marktanteil ist auf 4,8 Prozent abgerutscht.

Damit steht Opel deutlich schlechter da als der gesamte Markt. Der hat „nur“ gut 23 Prozent verloren. In Europa liegt der Einbruch für Opel gar bei fast 46 Prozent auf 311 300 Fahrzeuge – so stark wie bei keinem anderen Hersteller.

Opel-Chef Lohscheller und Personalchef Ralph Wangemann stecken in der Klemme. Das Angebot zum Ausscheiden etwa über Vorruhestand oder Altersteilzeit wird nur schleppend angenommen. Auch jetzt liege es „weit hinter den Erwartungen“, sagt ein Opel-Sprecher,und damit offenbar nicht wesentlich über der Zahl von 500 Mitte September. Obwohl man das Programm attraktiver gestaltet habe.

Damit kommt das Management auch bei der Kostensenkung nicht wie erhofft voran. Wangemann zufolge müssen Vereinbarungen über den Abbau der 2100 Stellen bis Jahresende „zwingend“ unterzeichnet sein. Die Einschnitte betreffen vor allem das Stammwerk und das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim. Dort waren Ende 2019 rund 10 820 Menschen beschäftigt.

Lohscheller wolle den Tarifvertrag aber nicht kündigen, heißt es in Rüsselsheim. Er sieht sich daran gebunden. Danach gilt bis Mitte 2025 ein Kündigungsschutz. Allerdings enthalte der Vertrag eine Notfallklausel. Die besagt, dass bei einem dramatischen Absatzeinbruch in Europa auch Kündigungen möglich sein können. Was „dramatisch“ konkret heißt, lässt ein Opel-Sprecher offen.

„Wir sind mit der IG Metall im Dialog über die Tarifsituation und werden alle weiteren Schritte zunächst mit den Sozialpartnern besprechen“, sagt der Opel-Sprecher. Arbeitnehmervertreter und IG Metall sind empört. „Tarifverträge sind für schwierige Situationen gemacht und können nicht nach Belieben infrage gestellt werden. Wer das tut, spielt mit dem Feuer“, erregte sich Jörg Köhlinger, Leiter des IG-Metall-Bezirks Mitte im September. Er wirbt dafür, die Fremdvergabe von Aufträgen zu stoppen und das Wiederhereinholen von bereits nach außen gegebenen Arbeiten zu prüfen, um Beschäftigung bei Opel zu sichern. Man habe bereits Tätigkeiten in das Unternehmen verlagert, sagt dazu der Opel-Sprecher.

„Seit Wochen schon bedroht das PSA- und Opel-Management die Beschäftigten von Opel und ihre Familien mit betriebsbedingten Kündigungen, wenn der Personalabbau gemäß ihren Vorstellungen nicht bis Ende des Jahres erfolgt ist“, heißt es im Aufruf der IG Metall zum Autokorso. Sie pocht auf die Einhaltung des Tarifvertrags. „Ihn zu kündigen, ist eine Provokation.“ Lange gehegte „Abbaufantasien“ würden nun im Windschatten der Corona-Pandemie ausgelebt und es sei zu befürchten, dass der Personalabbau 2021 weitergehe.

Schon im Herbst 2019 hatten IG Metall und Arbeitnehmervertreter das Management scharf kritisiert. Im Mitte 2018 vereinbarten Zukunftsvertrag vorgesehene Investitionen würden nicht realisiert. Lohscheller hat das entschieden zurückgewiesen.

2018 hatte Opel das erste Mal seit fast 20 Jahren wieder einen Betriebsgewinn von rund 860 Millionen Euro verbucht, im vergangenen Jahr waren es sogar 1,1 Milliarden Euro, womit die Rüsselsheimer erstmals in ihrer 156-jährigen Geschichte diese Schwelle überwanden. Teile des Gewinns schüttete Opel an die Beschäftigten aus – bei 600 Euro lag die Erfolgsprämie pro Kopf.

Auch im ersten Halbjahr 2020 konnte der Autohersteller zusammen mit der britischen Schwestermarke Vauxhall einen Betriebsgewinn von 110 Millionen Euro verbuchen – trotz Corona und trotz des Einbruchs der Neuzulassungen.

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