Apple-Chef Tim Cook.
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Apple-Chef Tim Cook.

Tim Cook

Begeisterung über Apple-Chef

Kaum ein Blogger griff das Thema nicht auf, Zeitungen und TV-Netzwerke verfassten Kommentare, andere Wirtschaftsgrößen und Politiker lancierten Stellungnahmen: Das Coming-Out von Apple-Boss Tim Cook schlägt hohe Wellen.

Von Sebastian Moll

Eigentlich sollte das Coming-out einer öffentlichen Figur in den USA des Jahres 2014 nicht mehr für übertriebene Aufregung sorgen. Die Liste der offen homosexuellen Prominenten des Landes ist schließlich lang – angefangen vom Nachrichtensprecher Anderson Cooper über Schauspielerin Jodie Foster bis hin sogar zu einem Basketball-Profi, Jason Collins. Und doch schlug das Outing von Apple-Chef Tim Cook riesige Wellen.

In allen Ecken des Internets gingen die Schleusen auf. Kaum ein Blogger griff das Thema nicht auf, Zeitungen und TV-Netzwerke verfassten Kommentare, andere Wirtschaftsgrößen und Politiker lancierten Stellungnahmen.

Tim Cook ist eben keine beliebige öffentliche Figur. Er ist Chef des größten und erfolgreichsten amerikanischen Konzerns. Er ist anders als etwa Allan Gilmour von Ford, der mit seinem Coming-out bis zu seiner Pensionierung wartete, auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Und so war Cooks Outing tatsächlich ein Meilenstein.

„Das ist ein Wendepunkt“, sagte deshalb Jeffrey Sonnenfeld von der Yale School of Management. Trevor Burgess, offen schwuler CEO der Firma C1 Financial, sagte, „das ist nicht ein Pflasterstein der Straße in Richtung Gerechtigkeit. Das sind 600 Milliarden Pflastersteine.“ Und Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein, ein enger Freund von Cook, glaubte: „Er ist der Chef der Top-Firma auf der Fortune-500-Liste. Das wird mächtige Auswirkungen haben.“

Der Schritt, das hofft Cook selbst, wird dazu beitragen, die Kultur in der amerikanischen Geschäftswelt zu ändern. In seinem Text für „Businessweek“ schreibt er, dass er eigentlich ein sehr privater Mensch sei, dem es gar nicht wohl dabei sei, öffentlich über sich zu sprechen. Doch als Anhänger des Bürgerrechtlers Martin Luther King müsse er sich auch immer fragen, ob er genug für andere tue. Aus diesem Pflichtbewusstsein heraus spreche er über seine Sexualität.

„Leute inspirieren“

Laut Cook wussten die meisten seiner Kollegen bei Apple von seine sexuelle Orientierung, und das „hatte keine Folgen dafür, wie ich betrachtet und behandelt wurde“. Allerdings, das weiß Cook, hat das Silicon Valley seine eigene, tolerante Firmenkultur.

Dass offene Homosexualität in der US-Geschäftswelt noch immer alles andere als normal ist, lässt sich alleine daran ablesen, wie wenige offen homosexuelle Führungskräfte es gibt. Auf der Fortune-500-Liste ist Cook der bislang einzige. Und bei den Beschäftigten sieht es nicht besser aus. 53 Prozent der homosexuellen Arbeitnehmer in den USA behalten ihre Sexualität für sich.

Schwule amerikanische Arbeitnehmer hätten noch immer Angst, sagte Todd Sears, Direktor einer Organisation für homosexuelle Führungskräfte dem „Wall Street Journal“. Sie befürchten, ihre Karriere mit einem Outing zu beschädigen.

Hinzu kommt, dass das Arbeitsrecht in den USA bei weitem nicht mit dem Eherecht Schritt gehalten hat. In 29 US-Staaten ist es noch immer legal, Angestellte wegen ihrer sexuellen Orientierung zu entlassen. „Es tobt noch immer ein Kampf um die Sexualität am Arbeitsplatz“, sagte deshalb Jeff Krehely von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch dem „Wall Street Journal“. „Es gibt noch immer berechtigte Furcht vor Gewalt und Diskriminierung.“

Tim Cook ist sich dieser Lage sehr wohl bewusst. Er hat sich bei verschiedenen Gelegenheiten ausdrücklich gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz und für die Rechte von Minderheiten starkgemacht. Nun schreibt er: „Wenn es Leuten hilft, die sich alleine fühlen, oder sie dazu inspiriert, für Gleichberechtigung zu kämpfen, wenn sie wissen, dass der CEO von Apple schwul ist, dann ist das den Preis meiner Privatsphäre wert.“

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