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Geschredderte Ein- und Zweieuromünzen
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Geschredderte Ein- und Zweieuromünzen

Geld

Begehrter Stoff für Schrotthändler

Was passiert mit den Geldmünzen, die nicht mehr über die Ladentheke gehen? Der Weg des Altgeldes ist verschlungener geworden. Die FR beantwortet die wichtigsten Fragen.

Von Anna Sleegers

Euro-Münzen, die so stark beschädigt sind, dass Automaten sie nicht mehr annehmen, werden von der Bundesbank eingezogen. Was passiert dann mit dem Geld?

Die Bundesbank schickt das Geld an die fünf Prägestätten in Deutschland, die vom Bund die Befugnis erhalten haben, Münzen zu prägen. Damit endet der Auftrag der Bundesbank, in deren Hoheit nur die Banknoten fallen. Münzen fallen in das Hoheitsgebiet des Bundesfinanzministers, der auch den Münzgewinn als Einnahmen in den Bundeshaushalt verbuchen darf.

Was ist der Münzgewinn?

Darunter versteht man die Differenz zwischen dem Nennwert und den Herstellungskosten der ausgegebenen Münzen. In diesem Jahr erwartet das Ministerium laut Haushaltsentwurf einen Münzgewinn von 376 Millionen Euro.

Was machen die Prägeanstalten mit den beschädigten Münzen?

Sie müssen die Münzen mit einer speziellen Maschine – dem sogenannten Decoiner – bearbeiten. Er deformiert die Münzen, um sie zu entwerten. Bei den zweifarbigen Ein- und Zwei-Euro-Münzen wird zudem das innere und das äußere Element getrennt, damit man beim Einschmelzen die verschiedenen Legierungen nicht mischt. 2010 wurden laut Bundesbank Münzen im Wert von weniger als zehn Millionen Euro an die Münzstätten zur Entwertung transportiert.

Das eingeschmolzene Material wird verwendet, um neue Münzen zu prägen?

Nein. Die Münzstätten dürfen nur prägen. Dafür müssen sie bei zertifizierten Privatunternehmen Münzrohlinge – sogenannte Ronden – kaufen. In Deutschland ist das in Halsbrücke bei Dresden ansässige Unternehmen Saxonia Eurocoin der wichtigste Hersteller von Euro-Rohlingen.

Also nehmen die Hersteller der Rohlinge den Münzstätten die entwerteten Euro-Münzen ab und schmelzen sie zwecks Wiederverwertung ein?

Das würde naheliegen und wurde zu Zeiten der D-Mark auch so gemacht. Damals gaben die Münzstätten das alte Material bei den Herstellern der Rohlinge in Zahlung. Vor der Einführung des Euro beschloss das Bundesfinanzministerium jedoch, Zwischenhändler in den Verwertungskreislauf des Münzgeldes einzuschalten. Dafür beauftragte es die Vebeg, eine in Frankfurt angesiedelte Verwertungsgesellschaft des Bundes, die auch ausrangierte Panzer und anderes Bundeseigentum unter den Hammer bringt.

Was macht die Vebeg mit dem Schrott?

Die Vebeg kommt nach Angaben ihres Geschäftsführers Uwe Schade gar nicht mit den geschredderten Münzen in Berührung. Sie macht auf der Basis der Daten, die ihnen die Prägeanstalt übermittelt, lediglich eine Ausschreibung, auf die private Schrotthändler Gebote abgeben. Der Bieterkreis sei überschaubar: In der Regel böten zehn bis zwölf Unternehmen aus Deutschland, Großbritannien, der Schweiz und den USA mit.

Wie viel alte Münzen wechseln auf diese Weise den Besitzer?

Im vergangenen Jahr versteigerte die Vebeg nach eigenen Angaben 190 Tonnen alte Euro-Münzen. Aber auch der Berg alter D-Mark-Münzen ist noch nicht abgearbeitet, im Gegenteil: Mit 280 Tonnen versteigertem Münzschrott übertraf die alte Währung den Euro auch im vergangenen Jahr.

Was machen die Schrotthändler mit den entwerteten Münzen?

Sie verkaufen das Material weiter. Der Handel mit Rohstoffen ist ein lukratives Geschäft. Die Preise für Nickel und die anderen Metalle, die in den Münzlegierungen enthalten sind, unterliegen starken Schwankungen. Wer geschickt agiert, kann ein Vermögen machen, indem er billig einkauft und zum richtigen Zeitpunkt weiterverkauft. An wen die Schrotthändler den Euro-Schrott weiterverkaufen, entzieht sich der Kenntnis der Behörden. Viele Käufer dürften in China angesiedelt sein, das wegen seines rasanten Wirtschaftswachstums unter enormem Rohstoffmangel leidet. Sollten nicht ausreichend deformierte Münzen auf diesem Weg in eine chinesische Fälscherwerkstatt gelangt sein, wäre das daher nicht weiter aufgefallen.

Wird die Herstellung der Münzen billiger, weil die Vebeg eingeschaltet wird?

Unter dem Strich natürlich nicht, weil jeder Zwischenhändler auf seine Marge kommen muss.

Warum hat das Bundesfinanzministerium sich trotzdem für diesen Weg entschieden?

Darüber kann man vorerst nur spekulieren, da sich das Bundesfinanzministerium am Donnerstag nicht zu einer Antwort in der Lage sah. Möglicherweise wollte man damit der Kritik der Wettbewerbsverzerrung zuvorkommen. Denn in anderen Ländern angesiedelte Hersteller von Münzrohlingen hätten vermutlich nicht so leicht mit den deutschen Münzstätten ins Geschäft kommen können wie die deutschen. Für die Hersteller der Münzrohlinge ist das Leben dadurch komplizierter geworden. Sie kämpfen immer wieder mit steigenden Weltmarktpreisen.

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