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Daimler in Stuttgart: IG Metall protestiert gegen Leiharbeit.
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Daimler in Stuttgart: IG Metall protestiert gegen Leiharbeit.

Arbeitnehmer

Befristete Jobs sind besser als Leiharbeit

  • VonEva Roth
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Die IG Metall in Norddeutschland hat einen neuen Vorschlag zur Leiharbeit vorgelegt. Danach soll der gesamte Themenkomplex „flexibler Personaleinsatz“ tariflich geregelt werden

Hier müsse der Grundsatz gelten: Interne Flexibilität – via Befristungen oder Arbeitszeitkonten – geht vor externer Flexibilität via Leiharbeit. Was das genau bedeutet, soll in Abkommen mit einzelnen Unternehmen festgelegt werden. Möglich wäre etwa, dass sich ein Betrieb verpflichtet, gar keine Leiharbeiter anzuheuern. Im Gegenzug dürfte er mehr Beschäftigte befristet einstellen – hier sieht ein Tarifvertrag für die norddeutsche Metallindustrie bislang besonders strenge Regeln vor.

Auch die gleiche Bezahlung von Leiharbeitern und Stammkräften (Equal Pay) könnte betrieblich abgemacht werden, in dem Tarifvertrag für die ganze Branche müsse das nicht unbedingt stehen, heißt es bei der IG Metall. Diese Position ist erstaunlich defensiv – zieht doch die Gewerkschaft seit Monaten mit der Forderung nach Equal Pay durch die Lande. IG-Metall-Chef Berthold Huber hat erst kürzlich im Handelsblatt die Regierung abermals aufgefordert, die gleiche Bezahlung gesetzlich festzuschreiben. Sollte dies nicht geschehen, will die Gewerkschaft im kommenden Jahr in der Tarifrunde eine Regulierung der Leiharbeit fordern. Dann, so Huber, „droht ein knallharter Tarifkonflikt“. Denn die Arbeitgeber lehnen bislang eine generelle Equal-Pay-Vorschrift kategorisch ab.

Der weiche Vorschlag des IG-Metall-Bezirks Küste könnte darauf hinweisen, dass die Gewerkschafter nicht glauben, per Tarifvertrag flächendeckend und ohne Ausnahme die gleiche Bezahlung durchsetzen zu können. In der Stahlindustrie ist ihr das gelungen, doch dort gibt es nur wenige Leiharbeiter – und die Gewerkschaft ist mit einem Organisationsgrad von 90 Prozent viel stärker als in der Metallbranche.

Aufgabe der Politik

Immerhin geht der Vorschlag von der Küste in die richtige Richtung: Befristete Jobs sind besser als Leiharbeiter-Stellen. Denn die Leute werden genauso bezahlt wie Dauer-Angestellte, gleichzeitig verschaffen sie den Unternehmen Flexibilität. Noch sozialverträglicher sind Arbeitszeit-Konten für unbefristet Beschäftigte. Hier kann die Arbeitszeit je nach Auftragslage schwanken. Solche Instrumente sorgen dafür, dass erstens Flexibilität nicht mit Lohndumping verknüpft wird. Zweitens werden Lasten, die eine „atmende Fabrik“ mit sich bringt, nicht nur einer Gruppe aufgebürdet. Wenn es eine Firma mit der Flexibilität zu weit treibt, dann ist das nicht nur ein Problem der Leiharbeiter, sondern auch vieler Festangestellten. Dann besteht eher die Chance, dass sich die gesamte Belegschaft mit geballter Kraft dagegen wehrt.

Tarifliche Regelungen können aber eine gesetzliche Vorschrift nicht ersetzen. Selbst wenn der IG Metall ein einigermaßen ordentlicher Tarifvertrag gelingen sollte, gäbe es immer noch zig andere Branchen, in denen Leiharbeit zur Lohndrückerei missbraucht werden kann. Dies zu verhindern, ist Aufgabe der Politik.

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