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Um seinen Schuldenberg abzubauen und den Konzern in einen verkaufsfähigen Zustand zu bringen, verkauft die Münchner Fernsehgruppe niederländische und belgische Töchter für eine Gesamtsumme von 1,23 Milliarden Euro.

ProSieben-Sat.1

Befreiungsschlag gelungen

ProSiebenSat.1 verkauft seine Benelux-Töchter für weit über eine Milliarde Euro nach Finnland. Europas zweitgrößter Fernsehkonzern verliert damit seinen nach Deutschland wichtigsten Umsatzbringer, kann mit den Verkaufserlösen aber den Schuldenberg verkleinern.

Von Thomas Magenheim

Europas zweitgrößtem TV-Konzern Pro Sieben-Sat 1 ist der langersehnte Befreiungsschlag gelungen. Um seinen Schuldenberg abzubauen und den Konzern in einen verkaufsfähigen Zustand zu bringen, versilbert die Münchner Fernsehgruppe niederländische und belgische Töchter für eine Gesamtsumme von 1,23 Milliarden Euro.

Die Verträge mit dem Käufer, einem Konsortium um den finnischen Medienkonzern Sanoma und Talpa, die Firma des niederländischen Milliardärs und Erfinders der TV-Show „Big Brother“, John de Mol, wurden am Mittwoch unterzeichnet. Pro SiebenSat 1-Chef Thomas Ebeling jubelt über den Preis. Im Vorfeld hatten Experten maximal 900 Millionen Euro Erlös für möglich gehalten.

Jetzt wurde es gut ein Drittel mehr. Der Schuldenstand des Mutterkonzerns sinkt auf unter 1,8 Milliarden Euro. Das ist angesichts der wieder gut laufenden TV-Werbekonjunktur ein verkraftbares Maß. Die skandinavischen TV-Aktivitäten der Münchner bleiben jetzt doch im Konzern, verfügte Ebeling. Er schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe. Obwohl der Schuldenstand sinkt, bleibt sein Konzern noch eine europäische TV-Gruppe. Das beschert den Finanzinvestoren KKR und Permira als Eignern der Münchner ein zusätzliches Pfund zum Wuchern beim beginnenden Verkaufsprozess ihrer lange problembehafteten Beteiligung.

Hinter den Kulissen kursieren seit einiger Zeit Szenarien zum Ausstieg der beiden Investoren, die allerdings niedrigere Schulden und den Erhalt einer kritischen Masse von Pro Sieben-Sat 1 zur Voraussetzung hatten. Nun ist der Weg frei. Gegen Ende des Jahres könnte die TV-Gruppe den Besitzer wechseln.

Schulden abbauen

Ein Insider skizziert die mögliche Zukunft. Danach steigt ein großer Medienkonzern als Ankeraktionär mit einem Viertel der Anteile ein. KKR und Permira bleiben zumindest für eine Zeit mit rund 15 Prozent beteiligt. Gut die Hälfte der Aktien wären künftig breitgestreut. Das mache Pro Sieben-Sat 1 zu einem Dax-Kandidaten.

Als nächster Schritt könnte Anfang Juli die Hauptversammlung der Münchner eine Umwandlung stimmrechtsloser Vorzugs- in Stammaktien beschließen. Andernfalls werde dazu ein weiteres, außerordentliches Eignertreffen angesetzt, heißt es. Bislang halten die beiden Finanzinvestoren 88 Prozent der Stämme und 18 Prozent der Vorzüge. Spätestens dann beginnt auch die politisch brisante Phase des Ausstiegs von KKR und Permira mit der Suche nach einen neuen Großaktionär.

Der Weiterverkauf an einen weiteren Finanzinvestor gilt als ausgeschlossen. Nach der Kirch-Pleite 2002 ist Pro Sieben-Sat1 erst beim US-Investor Haim Saban gelandet, dann bei KKR und Permira. Dem Unternehmen und seinen heute noch gut 4700 Beschäftigten haben diese Wechsel einiges abverlangt. Wer heute ein Viertel von Pro Sieben-Sat1 erwerben will, muss eine Milliardensumme investieren. In Frage kommen deshalb nur große Medienhäuser wie Time Warner oder Rupert Murdochs News Corp.

Im Inland wäre Springer eine Möglichkeit, ist aber beim Griff nach Pro Sieben-Sat 1 schon einmal am Kartellamt gescheitert. Offiziell verneint Springer jedes Interesse. Branchenkenner sind aber nicht sicher, wie die Politik reagiert, sollte ein ausländischer Medienkonzern anklopfen. „Dann käme vielen Medienpolitikern Springer wohl gerade recht“, schätzt ein Kenner der Szene.

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