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Mohammed Hassan Mohamud hat 20 Jahre im Flüchtlingslager Kakuma in Kenya zugebracht.

Gipfelspitzen

Beeindruckende Typen

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Blutjunge Erfinder, Flüchtlinge, schräge Vögel. Wegen solcher Leute lohnt sich Davos.

Der junge Kerl machte einen skurrilen Eindruck. Ein bisschen fahrig, aber auch mit Sendungsbewusstsein ausgestattet. Man hatte ihn zum Weltwirtschaftsforum (WEF) nach Davos eingeladen. In einem Hotel erzählte er von seinem neuen Mitteilungsdienst im Internet. Der Name hatte irgendwas mit Vögeln zu tun. Viele der Anwesenden waren etwas ratlos. Es gab schon E-Mails, Kurznachrichten auf dem Handy und neuerdings auch Facebook. Wozu dann das noch?

Schräge Vögel kann man in Davos zuhauf kennenlernen. Auch eindrucksvolle Menschen, darunter viele junge, die echt was vorhaben im Leben. Zum Beispiel dieser Inder, der im Alter von 14 Jahren ein mit Sensoren ausgerüstetes Brillengestell ohne Gläser für seinen bewegungs- und sprechunfähigen Opa entwickelte. Der Apparat übersetzte die Bewegungen der Stirnmuskeln in Zeichen auf einem Display, sodass der alte Mann sich verständigen konnte. Das brachte dem jungen Entwickler ein US-Patent ein. 

 „Tag im Leben eines Flüchtlings“

Oder die Crew von „Ein Tag im Leben eines Flüchtlings“. Davos-Besucher konnten in die Rolle von Migranten schlüpfen. Für eine Stunde ließ man sich in einen düsteren Keller sperren, von uniformierten Wachsoldaten-Schauspielern herumschubsen, mit Tritten traktieren, anschreien – Selbsterfahrung, um einen Hauch von Verständnis für das Schicksal anderer Menschen zu entwickeln. Die Simulationen begannen lange vor der großen Migration nach Europa von 2015. Die Veranstalter hatten eine gute Intuition.

Und in diesen Tagen trifft man Mohammed Hassan Mohamud. 20 von seinen 28 Jahren hat der Somalier im Flüchtlingslager Kakuma in Kenya zugebracht, wo 185.000 Menschen leben. Zufällig kam er dort in Kontakt zu Leuten vom WEF, die so beeindruckt von ihm waren, dass sie ihn als Vize-Vorsitzenden des diesjährigen Managergipfels einsetzten. Trotzdem erhielt er nur mit Mühe und Not ein Schweizer Visum. Rückflug ist am Samstag – die Schweiz will Mohamud möglichst schnell wieder loswerden. Er fordert die europäischen Politiker auf, in die Flüchtlinge in den Camps zu investieren und wenigstens einigen von ihnen die legale Immigration zu gestatten.

Wegen solcher Leute lohnt sich Davos. Der Typ mit den Vögeln hatte übrigens kurz vor seinem WEF-Auftritt eine Firma mit Namen Twitter gegründet – auf Englisch „Vogelgezwitscher“. Das war 2007. Jetzt, zwölf Jahre später, soll sie mehr als 300 Millionen Nutzer weltweit haben.

Hannes Koch berichtet für die Frankfurter Rundschau vom Weltwirtschaftsforum in Davos.

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