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Nach dem Desaster um die Milliardenabschreibungen bei der BayernLB fordert Vorstandschef Michael Kemmer Vertrauen.

Finanz-Debakel

BayernLB-Vorstand vor dem Aus

Der Vorstand der BayernLB steht im Kreuzfeuer der Kritik. Der Verwaltungsrat wird wohl schon heute abend personelle Konsequenzen ziehen.

München. Nach dem Bekanntwerden neuer Milliardenlöcher bei der BayernLB deutet sich ein Wechsel an der Spitze der zweitgrößten deutschen Landesbank an. Der Verwaltungsrat der BayernLB wurde für Donnerstagabend zu einer Sondersitzung einberufen, wie der designierte bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer in München mitteilte.

Seehofer bekräftigte seine massiven Vorwürfe gegen die Banker: "Ich kann nur wiedergeben, was wir seit Samstag erlebt haben, und das war einmalig und hoffentlich letztmalig." Die BayernLB erwartet in diesem Jahr drei Milliarden Euro Verlust und braucht eine Kapitalspritze von 6,4 Milliarden Euro von Bund, Freistaat und Sparkassen.

Schon zuvor hatte der gesamte Vorstand der schwer angeschlagenen BayernLB dem Verwaltungsrat die Vertrauensfrage gestellt und Gespräche über seine weitere Arbeit angeboten. Das uneingeschränkte Vertrauen des Verwaltungsrats und der Anteilseigner der BayernLB sei unabdingbare Voraussetzung für ihre weitere Arbeit, schrieben Vorstandschef Michael Kemmer und die weiteren fünf Vorstandsmitglieder in einem Brief an den scheidenden bayerischen Finanzminister Erwin Huber (CSU) als Vorsitzendem des Kontrollgremiums. "Sollte dieses Vertrauen nicht mehr gegeben sein, steht der Vorstand selbstverständlich für Gespräche über die sich daraus ergebenden Folgerungen zur Verfügung", heißt es darin.

Der frühere BayernLB-Finanzvorstand Michael Kemmer war erst im März an die Spitze des Gremiums gerückt, nachdem Vorstandschef Werner Schmidt nach überraschenden Abschreibungen und Wertberichtigungen von 1,9 Milliarden Euro seinen Hut hatte nehmen müssen. Kemmer gehört dem sechsköpfigen Vorstand der BayernLB seit 2006 an.

FDP fordert personelle Konsequenzen

CSU und FDP in Bayern mussten ihre Koalitionsverhandlungen wegen der Misere bei der BayernLB verschieben. Sie machten Kemmer in den vergangenen Tagen schwere Vorwürfe, weil er in einem Krisengespräch am Samstag keine konkreten Informationen geliefert hatte. Die BayernLB ist die zweitgrößte Landesbank in Deutschland und gehört jeweils zur Hälfte der bayerischen Staatsregierung und den Sparkassen.

Auch der bayerische Sparkassenpräsident Siegfried Naser gerät zunehmend unter Druck. "Es kann nicht bei einer personellen Entscheidung bleiben", sagte FDP-Fraktionschef Martin Zeil am Donnerstag zum Rückzug von Huber (CSU). Zeil bezog seine Forderung ausdrücklich auf andere Mitglieder des Verwaltungsrats auch auf Sparkassenseite.

Die Diskussion über eine Fusion der BayernLB mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ist durch die aktuellen Probleme gebremst. Der bayerische Städtetagsvorsitzende Hans Schaidinger (CSU) hält einen schnellen Zusammenschluss der BayernLB mit einem anderen Institut derzeit für ausgeschlossen. "Eine schnelle Fusion wird es jetzt nicht geben", sagte Schaidinger. Schaidinger gehört dem Verwaltungsrat der BayernLB an.

Das 6,4 Milliarden Euro umfassende Rettungskonzept biete jedoch die Möglichkeit, die Bank "in eine neue Struktur zu überführen". Schaidinger schloss wegen der unsicheren Lage auf dem internationalen Finanzmarkt aber neue Löcher nicht aus. "Was in einem Monat ist, weiß ich nicht."

Auch BayernLB-Chef Kemmer sieht keinen schnellen Zusammenschluss mit der LBBW. Die Bank prüfe zwar auch das Thema Fusion, hatte Kemmer dem "Handelsblatt" gesagt. Das stehe aber momentan nicht auf der Tagesordnung. (dpa/ap)

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