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Bayer: Pharma-Riese exportiert verbotene Pestizide nach Afrika

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Von: Johannes Dieterich

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Landwirte versprühen Schädlingsbekämpfung.
In der EU sind gefährliche Pestizide mittlerweile verboten. Bayer und co exportieren diese deshalb nach Afrika. (Archivbild) © Imago

Bayer exportiert in der EU verbotene Pestizide nach Afrika. Dort sind diese noch erlaubt, obwohl die Gefahr bekannt ist.

Brüssel – Die Enthüllungen des Exports giftiger Pflanzenschutzmittel in Schwellen- und Entwicklungsländer durch europäische Chemiekonzerne ziehen immer weitere Kreise. Wie die Schweizer Transparenz-Organisation „Public Eye“ und die Greenpeace-Rechercheabteilung „Unearthed“ jetzt mitteilen, führen europäische Firmen nicht nur große Mengen an in Europa verbotenen Fungiziden ins Ausland aus, sondern auch Insektenvernichtungsmittel, die auf Neonicotinoide als Wirkstoff basieren und in Staaten der EU gebannt sind. Allein in den letzten vier Monaten des vergangenen Jahres hätten Chemie-Unternehmen – allen voran Syngenta in Basel und Bayer in Leverkusen – 3900 Tonnen derartiger Insektizide exportiert, die außer Schädlingen auch wichtige Bestäuber wie Bienen töten.

Die Mitgliedsstaaten der EU hatten 2018 den Einsatz der Nervengifte Imidacloprid, Thiamethoxam und Clothianidin in europäischen Freilandkulturen verboten – trotzdem dürfen die Chemiekonzerne diese Produkte weiter herstellen und exportieren. Sie werden vor allem nach Brasilien, Indonesien und Russland, aber auch in afrikanische Staaten wie Südafrika, Ghana und Mali ausgeführt. Dort sind Neonicotinoide noch erlaubt, obwohl die tödliche Wirkung auf nützliche Insekten bekannt ist.

„Umwelt Rassismus“ –EU erwägt schärfere Regeln für Pestizide

Nach dem Herstellungsverbot besagter Pestizide erwägt die EU-Kommission derzeit auch ein Einfuhrverbot von Lebensmitteln, in denen Neonicotinoide nachgewiesen werden können. „Wir halten es für inakzeptabel, wenn die Produktion von in die EU importierten Lebensmittel eine ernsthafte Bedrohung für die weltweite Population der Bestäuber darstellt“, teilte Brüssel gegenüber Public Eye mit. Trotzdem soll auch in Zukunft die Herstellung solcher Insektenvernichtungsmittel erlaubt bleiben, was Rico Euripidou von der britischen Öko-Organisation Groundwork als „Umwelt-Rassismus“ bezeichnet. Leslie London, Pestizid-Expertin an der Universität von Kapstadt, spricht von einer „Doppelmoral“, die „im System der Vereinten Nationen als inakzeptabel“ gelte.

Chemiekonzerne machen ihre Exporte grundsätzlich nicht öffentlich. Doch die 1998 von 72 Staaten unterzeichnete „Rotterdam Konvention“ verpflichtet Produzenten von Substanzen, die im Herstellungsland verboten sind, deren Ausfuhr den Behörden zu melden. Unter Verweis auf Informationsfreiheit erwirkten Public Eye und Unearthed die Freigabe der Ausfuhrdaten von der EU.

Bayer verstößt gegen UN-Pakt – Afrika am schnellsten wachsender Pestizid-Markt

Neonicotinoide, die Nikotin enthalten, sind die weltweit meistgenutzten Insektizide, obwohl die Weltnaturschutzunion IUCN in ihnen eine „globale Gefährdung der Artenvielfalt und Ökosysteme“ sieht. Einem vor zwei Jahren veröffentlichten Bericht des Netzwerks Afrikanischer Wissenschaftsakademien (Nasac) zufolge beherbergt der Kontinent den am schnellsten wachsende Pestizid-Markt der Welt, der „dringend striktere Regeln“ brauche. Schon heute sei die Umwelt „großflächig mit Neonicotinoiden verseucht“, heißt es. Der Wirkstoff sei im Boden und im Wasser wie in Honig und in Schnecken zu finden.

Die Kapstädter Pestizid-Expertin Leslie London weist darauf hin, dass Bayer und Syngenta den Global Compact Pakt der UN unterzeichnet hätten, der Unternehmen zur Einhaltung der Menschen- und Arbeitsrechte und zum Schutz der Natur verpflichtet. Gegen diese Einigung verstoßen sie offenkundig. (Johannes Dietrich)

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