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Baustelle Commerzbank

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Von: Alexandra Regner

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Majestätisch sind bei der Commerzbank derzeit nur die Türme.
Majestätisch sind bei der Commerzbank derzeit nur die Türme. © Ralph Orlowski/rtr

Der Gewinn des Geldhauses stürzt ab, der Konzernumbau kommt nur langsam voran. Der Vorstand gibt Durchhalteparolen aus.

Schnelle Aufzüge hat die Commerzbank – sechs Meter pro Sekunde legen sie zurück. In nur 30 Sekunden erreicht der Besucher so den 49. Stock der Commerzbank-Zentrale am Kaiserplatz in Frankfurt, wo am Donnerstag die erste Jahresbilanzpressekonferenz mit Martin Zielke als Vorstandschef stattfand. Mit dem radikalen Konzernumbau geht es weniger schnell voran. Auch die kommenden zwei Jahre rief der Manager zu Übergangsjahren aus.

Dabei hatte sich das vor gut einem Jahr noch ganz anders angehört: Zielkes Vorgänger Martin Blessing hatte sich fulminant mit dem ersten Milliardengewinn seit fünf Jahren und der ersten Dividende seit der Finanzkrise verabschiedet – und sogar einen leicht steigenden Gewinn für 2016 in Aussicht gestellt. Kurz darauf machte der Vorstand allerdings eine Kehrtwende. Bei der gestrigen Bilanzpressekonferenz waren Durchhalteparolen zu hören, von einem Anknüpfen an Milliardengewinne ist längst keine Rede mehr. Vielmehr stellte Zielke klar: „2017 und 2018 sind geprägt durch den Umbau.“ Ähnlich verhalten hatte sich der Konkurrent Deutsche Bank vergangene Woche geäußert. Dessen Vorstandschef John Cryan erklärte 2016 zum „Jahr der kleinen Schritte“ und sprach von einer Phase des Säens, nicht des Erntens.

Zufrieden ist weder die Deutsche Bank noch die Commerzbank mit ihrer jeweiligen Zahlenvorlage. Auch ihre Aktionäre können es nicht sein.

Der Markt reagierte entsprechend. Zunächst gab es leichte Aufschläge für das Commerzbank-Papier. Denn auf den ersten Blick lasen sich die Zahlen gut: Unterm Strich verdiente das Institut im vergangenen Jahr 279 Millionen Euro. Das war nach dem Gewinn von gut einer Milliarde im Vorjahr zwar ein deutlicher Einbruch. Analysten hatten aber mit noch weniger gerechnet.

Auf den zweiten Blick waren die Zahlen aber doch ernüchternder. Denn bereinigt um positive Einmaleffekte – unter anderem wegen der Einigung im Streit um Altlasten der österreichischen Pleitebank Hypo Alpe Adria – blieb nicht mehr viel übrig vom mageren Gewinn. „Um Sondereffekte bereinigt ist das Ergebnis im vierten Quartal schwächer ausgefallen als erwartet“, sagte Philipp Häßler, Analyst bei Equinet, zu den Zahlen. Entsprechend seien auch die späteren Abschläge von zeitweise mehr als drei Prozent zu erklären. Positiv überrascht hat ihn indes die Kernkapitalquote von 12,3 Prozent per Ende 2016.

Im März sollen die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern über den Ende vergangenen Jahres angekündigten Stellenabbau beginnen. „Soweit es irgendwie geht, wollen wir betriebsbedingte Kündigungen ausschließen. Wir können es aber nicht vollständig ausschließen“, sagte Zielke. Bis zum Jahr 2020 sollen 9600 der zuletzt gut 45 000 Vollzeitstellen gestrichen werden. Gleichzeitig will die Commerzbank 2300 neue Jobs im In- und Ausland schaffen. Zudem werden die Boni um 100 Millionen Euro gekürzt.

Neben den Kosten für den Stellenabbau belastet auch die anhaltende Krise in der Schifffahrt. Das sei ein Mühlstein für die Ertragsseite der Commerzbank, sagte Analyst Häßler. Und Entwarnung ist nicht in Sicht: „Unsere Sicht ist genauso kritisch 2017 wie 2016“, so Finanzchef Stephan Engels. 450 bis 600 Millionen Euro muss das Institut in diesem Jahr für faule Schiffskredite abschreiben.

Die Commerzbank will sich unter anderem mit der Neukundengewinnung gegen die niedrigen Zinsen stemmen. Bis 2020 sollen zwei Millionen neue Privatkunden gewonnen werden. Seit 2012 waren es bereits mehr als eine Million neue Kunden. „Das ist ambitioniert, wobei die Zahlen über Akquisitionen, beispielsweise einen Zukauf der Oldenburgischen Landesbank, schnell erreicht wären“, sagte Häßler. Das Institut steht zum Verkauf.

„Und die entscheidende Frage ist doch: Verdienen sie damit dann auch noch Geld?“, fragte der Analyst. Denn auch die Neukunden sind mit Anreizen wie dem kostenlosen Girokonto mit Startguthaben teuer erkauft.

Mit einer schlankeren Struktur und einem Fokus auf das klassische Einlagen- und Kreditgeschäft glaubt die Commerzbank, die richtigen Weichen gestellt zu haben. Dennoch will sie am bestehenden Filialnetz von 1 000 Stützpunkten festhalten – entgegen dem Kurs ihrer Wettbewerber, die ihr Filialnetz massiv ausdünnen. „Ich erwarte, dass die Commerzbank still und heimlich die eine oder andere Filiale schließen wird“, so Häßler.

Zu etwaigen Zukäufen wollte sich die Commerzbank nicht äußern. Auch zu einem möglichen Zusammenschluss mit der Deutschen Bank nach ersten Gesprächen im vergangenen Jahr sagte Zielke nur: „Wir konzentrieren uns momentan auf die Umsetzung unserer Strategie.“

Belastend dürfte sich 2017 das anhaltende Niedrigzinsumfeld auswirken. „Die Weitergabe einer Belastung von Negativzinsen sehe ich im Privatkundengeschäft derzeit nicht – auch wenn ich mich da weit aus dem Fenster lehne. Kann ich das vollständig ausschließen? Nein, das kann ich nicht, aber im Moment sehe ich es nicht“, sagte Zielke.

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