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Bausparkassen reduzieren Schutz

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Von: Thorsten Knuf

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Neubaugebiet in Frankfurt: Bausparverträge sind in Deutschland sehr beliebt.
Neubaugebiet in Frankfurt: Bausparverträge sind in Deutschland sehr beliebt. © dpa

Die gemeinsame Einlagensicherung wird bei Bausparkassen abgeschafft. Betroffen sind davon sind große Guthaben über 100 000 Euro.

Große Guthaben bei den privaten Bausparkassen in Deutschland werden bald schlechter gegen Ausfallrisiken geschützt sein. Wie der Branchenverband am Mittwoch in Berlin mitteilte, soll der sogenannte Bausparkassen-Einlagensicherungsfonds (BESF) Ende Februar kommenden Jahres ersatzlos eingestellt werden. Über ihn sind bisher Guthaben von über 100 000 Euro abgesichert. Dem Fonds gehören zehn Unternehmen an, darunter Wüstenrot und BHW. Bausparguthaben bis 100 000 Euro sind davon nicht tangiert. Sie bleiben gesetzlich geschützt – genau wie Bankeinlagen von Privatkunden in dieser Höhe.

„Ärgerlich für Kunden“

„Eine Fortführung des BESF hätte den regulatorischen Aufwand für diese freiwillige Zusatzabsicherung erheblich erhöht, ohne die Sicherheit für die Bausparkunden zu verbessern“, hieß es von Seiten des Verbands zur Begründung. Außerdem wollen die Bausparkassen Geld sparen: Sie stehen wegen der niedrigen Kapitalmarktzinsen unter immensem Ertragsdruck. Hohe Guthabenzinsen, die sie vielen Kunden in der Vergangenheit zugesichert hatten, lassen sich kaum noch gegenfinanzieren.

Verbraucherschützer äußerten sich am Mittwoch kritisch über die Ankündigung der Bausparkassen. „Das ist zumindest ärgerlich für die betroffenen Kunden“, sagte Jörg Sahr, Baufinanzierungs-Experte der Zeitschrift „Finanztest“, die von der Stiftung Warentest herausgegeben wird.

Nach Darstellung des Verbands der privaten Bausparkassen ändert sich jedoch durch den Schritt „für 99,8 Prozent der Bausparkunden“ nichts. Von den rund neun Millionen Verträgen bei den BESF-Mitgliedsunternehmen lägen zirka 19 000 über der Schwelle von 100 000 Euro. Betroffen seien „im Wesentlichen“ nur institutionelle Anleger wie Versicherungen und Kommunen, die überdies nicht der gesetzlichen Einlagensicherung unterlägen. Wer als Privatsparer dennoch über ein Bauspar-Guthaben von mehr als 100 000 Euro verfügt, kann dieses durch einen relativ einfachen Trick absichern: Er sollte die Verträge dann nicht bei einem einzelnen Anbieter belassen, sondern auf mehrere Bausparkassen verteilen. Dann greift jeweils wieder die gesetzliche Sicherung von bis zu 100 000 Euro je Kunde und Unternehmen.

Grundsätzlich sind Bausparkassen-Einlagen nicht zu verwechseln mit der Bausparsumme: Die Einlagen sind lediglich der Betrag, den Sparer im Laufe der Zeit tatsächlich eingezahlt haben – plus Zinsen. Die Bausparsumme hingegen setzt sich aus den Einlagen und dem Bauspardarlehen zusammen. In der Regel wird die Hälfte der Summe angespart, die zweite Hälfte gibt es dann als zinsgünstigen Kredit. Bei einer Einlage von 100 000 Euro müsste hier also die Bausparsumme bei 200 000 Euro liegen. Die durchschnittliche Bausparsumme bei den privaten Anbietern beträgt 40 000 Euro. Tatsächlich angespart ist viel weniger.

Belastende Niedrigzinsen

Der Branchenverband versicherte am Mittwoch, dass alle Bausparkunden auf die Stabilität des Bausparsystems vertrauen könnten. Dieses sei Ende vergangenen Jahres durch eine Gesetzesänderung gestärkt worden. Mit der Novelle verfolgte der Gesetzgeber ehedem das Ziel, die Ertragskraft und Stabilität der Unternehmen in der gegenwärtigen Niedrigzins-Phase zu stärken. Unter anderem wurden die Regeln gelockert, nach denen die Bausparkassen Geld am Finanzmarkt investieren und Renditen erwirtschaften können.

Die Branche sieht sich als Opfer der Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank. Die Bausparkassen haben etliche Altverträge, in denen sie ihren Kunden in der Vergangenheit üppige Guthabenzinsen zugesagt hatten. Diese lassen sich derzeit aber kaum noch erwirtschaften.

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